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Dahme-Spreewald Fluglärm-Messungen mit Folgen: Je lauter, desto teurer
Lokales Dahme-Spreewald Fluglärm-Messungen mit Folgen: Je lauter, desto teurer
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00:17 26.03.2017
18 stationäre und zwei mobile Messeinrichtungen dokumentieren rund um den Schönefelder Flughafen und dem BER die Lärmpegel von Flugzeugen. Quelle: Uta Schmidt
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Schönefeld

Mehr als 11,6 Millionen Passagiere und damit 36,7 Prozent mehr als im Jahr 2015 reisten im vergangenen Jahr über den Flughafen in Schönefeld. Mit gut 96.500 Flugbewegungen bewegte sich auch die Zahl der Starts und Landungen auf Höchstniveau – ein Anstieg um 26,8 Prozent. Und auch der Transport von Luftfracht legte mit über 9050 Tonnen um elf Prozent ordentlich zu. „Diese Entwicklung hat Auswirkungen auf das Umfeld. Es ist entsprechend lauter geworden. Der über alle Messstellen ermittelte Dauerschallpegel stieg nachts auf fast 54 Dezibel und am Tage auf 59,4 Dezibel. Das ist eine Fluglärmzunahme um etwa zwei Dezibel im Vergleich zu 2014“, sagt Kai Johannsen, Leiter Immissionsschutz in der Umweltabteilung und Beauftragter für Lärmschutz der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) und Luftreinhaltung.

Derzeit arbeitet der promovierte Akustiker und Ingenieur für Umwelttechnik am „Fluglärmbericht 2016“, der im April der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll. Dazu wertet sein Team hunderte, an verschiedenen Messpunkten erhobene Werte aus, ordnete diese zu und bereitet sie für einen breiten Leserkreis auf. Das Interesse der Anwohner wächst. „Zur Fluglärmüberwachung sind wir nach dem Luftverkehrsgesetz verpflichtet. Es geht aber auch um Transparenz über die Belastungen gegenüber den Bürgern im Airport-Umfeld. Diese könnten bereits rund um die Uhr die Ergebnisse der Fluglärmmessung – flugzeuggenau – übers Internet am Computer mitverfolgen“, sagt Johannsen. Insgesamt 18 stationäre Messeinrichtungen befinden sich rund um den Schönefelder Flughafen und dem BER, um den Fluglärm zu registrieren und zu dokumentieren. Das sind elf Messstellen mehr als rund um den Airport in Tegel. Der Grund für die Vielzahl der Messstellen in und um Schönefeld liegt im geplanten Flugbetrieb auf zwei Start- und Landebahnen sowie Besonderheiten wie abknickende Flugrouten nach der Inbetriebnahme des BER.

Leiseste Messpunkte aktuell rund um die Südbahn

Die höchsten Lärmwerte werden derzeit an der Messstelle „Siedlung Hubertus“ in Waltersdorf gemessen. Dort kracht etwa der ankommende Easyjet Airbus A 319 aus Glasgow mit einem Lärmpegel von 85 Dezibel über die Häuser. „Alle Werte über 60 Dezibel weist das Computerprogramm mit roter Markierung als Verdacht auf Fluglärm aus“, erklärt Johannsen. „Verdacht“ deshalb, weil ja auch noch zusätzliche Lärmquellen wie Hundegebell den Pegel beeinflussen können. Die leisesten Messpunkte befinden sich aktuell rund um die Südbahn etwa in Schulzendorf. Kein Wunder, erfolgen doch dort derzeit keine Starts oder Landungen. „Aufgrund des ausschließlichen Nordbahnbetriebes haben wir drei von den 18 Messstationen – die in Waltersdorf, Kiekebusch und Dahlewitz – abgeschaltet. Das wird sich ab Juli ändern, wenn der komplette Flugbetrieb bis Oktober wieder ausschließlich auf der Südbahn abgewickelt wird“, kündigt Johannsen an.

Aufgabe der FBB-Fluglärmmesser ist neben der Erhebung und Aufarbeitung dieser Daten die jährliche Erstellung von „Lärmkonturen“ über Berlin und Brandenburg, in die der Schienen- und Straßenlärm mit einbezogen wird. Dann wird errechnet, wie viele Einwohner von einem „Lärmteppich“ betroffen sind. Einer Dauerbelastung des Fluglärms von mehr als 55 Dezibel über 24 Stunden sind rund um Schönefeld derzeit 18.000 Menschen, um Tegel 275.000 ausgesetzt. „Nach Inbetriebnahme des BER rechnen wir mindestens mit einer Verdopplung der Betroffenen“, so Johannsen. Diese Erhebungen seien wichtig für die Lärmplanung und die Festlegungen im Lärmschutzprogramm der FBB. Danach haben 25.000 Haushalte rund um den Flughafen Schönefeld Anspruch auf Lärmschutzmaßnahmen.

Hintergrund

Jährlich und monatlich erstellt die FBB nach gesetzlicher Vorgabe Fluglärmberichte. Die Berichte sind Arbeitsgrundlage für die Fluglärmkommission und die Oberste Luftfahrtbehörde.

Neben den 18 Messstellen anSXF und BER sind zwei mobile Messeinrichtungen im Einsatz, die nach Anfragen von Kommunen zwischen März und Oktober den Fluglärm messen. Seit 2010 gab es 80 mobile Messungen.

2010 führte die FBB neue Fluglärmmesstechnik an den Flughäfen in Schönefeld und Tegel ein, die nach DIN-Norm messen. Damit waren die Berliner Flughäfen der erste Airport deutschlandweit, die diese Technik zur Erfassung anwandte.

Über travisber.topsonic.aero können Anwohner und Interessenten flugzeuggenau die Lärmkurven im Internet verfolgen und abrufen.

In diesem Jahr werden fünf neue Messstellen in das System einbezogen. Sie befinden sich in Jühnsdorf, Rotberg, den Siedlungen Roter Dudel und Birkholz sowie Schulzendorf. Alle Messstellen orientieren sich an den Schutzzonen aus den Kriterien des Planfeststellungsbeschlusses für den BER. Der Flughafen investiert etwa 40 000 Euro pro Messstation. „Im vergangenen Jahr haben wir untersucht, wie sich der Flugbetrieb über die Nord- und die Südbahn auf die Anwohner auswirkt und festgestellt, dass bei Südbahnbetrieb die Belastungen um bis zu 25 Dezibel ansteigen. Dafür sind allerdings weitaus weniger Menschen vom Fluglärm betroffen“, sagt Johannsen.

Die Arbeit der „Fluglärmmesser“ in der Umweltabteilung hat zudem handfeste, finanzielle Auswirkungen für die Fluggesellschaften. Je nach gemessenem Schallpegel der Flugzeuge werden die Start- und Landeentgelte festgelegt. Es gibt sieben Lärmklassen. „Wir wissen heute, dass der Fluglärm nicht nur vom Flugzeugtyp beeinflusst wird, sondern auch von der Art des Fliegens. Deshalb sind wir dabei, ein Direktabrechnungssystem je Flugzeug zu erarbeiten, das mit der Inbetriebnahme des BER eingeführt werden soll“, so Johannsen.

Von Uta Schmidt

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