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Forschung zum Kindeswohl

Neues Institut an der TH Wildau Forschung zum Kindeswohl

An der Technischen Hochschule Wildau gibt es seit Kurzem ein Institut für familienrechtliche Sozialpädiatrie. Gegründet wurde es von Peter Beyerlein, der bereits Professor für Bioinformatik an der Wildauer Hochschule ist. Er will künftig Mechanismen untersuchen, deren Effekte sich nicht psychologisch erklären lassen.

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Der enge Kontakt zu beiden Elternteilen ist gerade im Kleinkind-Alter auch aus biologischer Sicht enorm wichtig.

Quelle: dpa

Wildau. Dieses neue Institut würde man allein vom Namen her zunächst nicht an der TH Wildau vermuten: Das „Institut für familienrechtliche Sozialpädiatrie“ wurde von Peter Beyerlein gegründet. Dass dieser an der TH Professor für Bioinformatik ist, irritiert auf den ersten Blick vielleicht auch. Doch seine Erklärung ist einleuchtend: „Es gibt tief liegende biologische Mechanismen, deren Effekte sich eben nicht psychologisch erklären lassen“, sagt er über die Bedeutung der Epigenetik beim Aufwachsen von Kindern, die bei Trennung der Eltern allzu oft von einem Elternteil entfernt werden, was eben auch den epigenetischen Code eines Kindes fatal verändere. Diesen Code, den die Wissenschaft erst seit wenigen Jahren kennt, erklärt Beyerlein als „eine Art Türwächter, welches Buch aus der Gesamtbibliothek des genetischen Codes gelesen werden kann und welches nicht“.

Während die DNA identisch ist, sorgt die Epigenetik für die Spezialisierung. Schon auf das Kind im Mutterleib wirken Einflüsse der Umwelt ein. „Es ist wie ein Anpassungsmechanismus an die Umwelt, bevor die vom Kind überhaupt gesehen wurde“, sagt er. Es werde gewissermaßen auf das Leben vorbereitet, das es erwartet.

Peter Beyerlein hat das neue Institut gegründet

Peter Beyerlein hat das neue Institut gegründet.

Quelle: Grunow

Mutter und Vater seien beide für ein Kind verantwortlich, durch eine Trennung werde die soziale Umwelt des Kindes quasi verschmutzt. Bis ins Alter von drei Jahren mindestens werde der epigenetische Code eines Kindes von den biologischen Eltern entscheidend geprägt. „Imprinting“ nennt Beyerlein das: „Das Imprinting der ersten Jahre ist die Programmierung meiner Software“, formuliert Beyerlein die Aufgabe der Eltern, aber auch der Gesellschaft, dem Kind dauerhaft den engen Kontakt zu beiden Elternteilen zu ermöglichen. „Denn sonst fehlt Kindern eine Imprint-Struktur.“

Das mache sich jedoch oft erst Jahre später bemerkbar, bei Mädchen beispielsweise, dass sie früher in die Pubertät kommen, bei Jungen, wenn sie vielleicht in der Pubertät zu Aggressivität neigen. „Dann fehlen epigenetische Informationen“, ist Peter Beyerlein überzeugt.

Kürzlich wurde das neue Institut, das am Technologietransfer- und Weiterbildungszentrum der TH Wildau beheimatet ist, im Rahmen eines Symposiums vorgestellt. Familienrichter kamen, Jugendamtsmitarbeiter, Juristen, familienpsychologische Gutachter, Mediatoren. „Das Feedback war rundum positiv“, freut sich Peter Beyerlein, der gemeinsam mit sechs ehrenamtlich Engagierten aus verschiedenen Bereichen und ganz Deutschland versucht, das Konzept bekannter zu machen. „Dieses Institut ist praktisch eine Art Kanal in die Außenwelt“, sagt Beyerlein. Erkenntnisse seiner wissenschaftlichen Mitarbeiter an der TH können ebenso einfließen wie die Arbeiten seiner Doktoranden, die in den Bereichen DNA oder Imprinting forschen.

Bislang suchten Psychologen und Soziologen vor allem in der Seele eines Kindes nach den Ursachen aggressiver Störungen oder mangelnder sozialer Kompetenz; untersucht man die Beobachtungen dieser Fachleute, ließen sich aber auch epigenetische Mechanismen wiederfinden, so Beyerlein. Das werde nun zunehmend wahrgenommen – in der Wissenschaft, aber auch in der Politik. „Der Ausschluss eines Elternteils ist eine physiologische Vergiftung“, findet er drastische Worte. Beyerlein plädiert dafür, dass sich die rechtliche Auffassung in Deutschland sich in Bezug auf Sorgerechtsfragen ändern muss.

Auf dem Symposium wurde auch diskutiert, was eigentlich unter „Kindeswohl“ zu verstehen sei. Ein beliebtes Schlagwort, für das jedoch bislang keine konkrete Definition existiert. „Der Forschungsbedarf ist da, der Transferbedarf auch“, haben Beyerlein und seine Mitstreiter beim Symposium einmal mehr gespürt. „Wir wollen keinen politischen oder ideologischen Auftrag“, sagt er klar. „Es geht um Informationsbeschaffung und Zur-Verfügungstellung. Wir wollen Forschungsprojekte durchführen.“

Von Karen Grunow

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