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Fragile Töne mit Klangfülle

Alte Musik in Eichwalde Fragile Töne mit Klangfülle

Das erste Konzert des Jahres in der Alten Feuerwache Eichwalde ist traditionell der Alten Musik gewidmet. In diesem Jahr spielte Sigrun Stephan auf Clavichord und Cembalo Musik des frühen Barock und der späten Renaissance.

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Sigrun Stephan spielte auf dem Cembalo Renaissancemusik.

Quelle: Heidrun Voigt

Eichwalde. Es hat Tradition: Im ersten Konzert des Jahres, das der Freundeskreis Alte Feuerwache im Eichwalder Kulturzentrum organisiert, ist immer Alte Musik zu hören. Am Samstagabend spielte Sigrun Stephan auf Clavichord und Cembalo Musik des frühen Barock und der späten Renaissance.

Mit Johann Adam Reinckens (1623-1722) Suite G begann sie das Kammerkonzert auf dem Clavichord. Mucksmäuschenstill war es in der Feuerwache, denn das Instrument klingt sehr leise, eine Herausforderung für die Zuhörer. Es gilt als ältestes besaitetes Tasteninstrument, das in der Hausmusik seit Beginn des 15. Jahrhunderts weit verbreitet war. Mit dem Vordringen des Hammerklaviers im 19. Jahrhundert verlor es an Bedeutung.

Sigrun Stephan zeigte, dass sie mit den Besonderheiten des Instruments bewundernswert umgehen kann. Sie gestaltete seinen silbrigen, fragilen Ton mit einer erstaunlichen Klangfülle und Dynamik. Das zeigte sich auch bei der Württembergischen Sonate a-Moll von Carl Philipp Emanuel Bach, die sie stilbewusst und gefühlvoll interpretierte. Das kleine Cembalo, auf dem sie mehrere Stücke von drei spanischen Renaissance-Komponisten spielte, beherrschte sie nicht weniger virtuos.

„Mein Clavichord wurde nach einem Model von 1775 gebaut, da war Beethoven fünf Jahre alt“, erzählte die Musikerin. Die Besucher erfuhren auch, dass Johann Gottfried Müthel (1728-1788) – für Stephan einer der größten Clavichord-Spieler – der letzte Schüler von Johann Sebastian Bach war. Müthel hatte von seinem Dienstherrn ein Stipendium für ein Jahr bekommen, um bei dem Thomaskantor in Leipzig zu studieren. Weil Bach nach drei Monaten starb, reiste Müthel mit dem Geld zu anderen berühmten Musikern. Müthels Sonata F-Dur spielte Stephan am Ende des Konzerts. Und den begeisterten Applaus honorierte die Musikerin mit drei Zugaben.

Sigrun Stephan, die in Eisenach geboren wurde und im Ruhrgebiet lebt, studierte an der Musikhochschule Weimar Klavier und an der Folkwang-Hochschule Essen Cembalo. Als Stephan zwei Clavichord-Konzerte gehört hatte, besaß sie drei Monate später ein eigenes Instrument. „Ich bin schon immer Bach-Fan und wollte das Instrument spielen können, für das er komponierte.“ Das Clavichord sei ein „strenger Lehrer“. Man brauche eine spezielle Technik für die Tasten. Eine falsche Bewegung und der Ton gelinge nicht.

Vereinsvorsitzende Sabine Dierke freute sich, dass die Feuerwache wieder voll besetzt war. Sie lud die Besucher nach dem Konzert zu einem „Neujahrsumtrunk“ ein. Dabei entwickelten sich auch interessante Gespräche mit dem Instrumentenbauer Andreas Hermert. Der Berliner hatte das Cembalo, auf dem Stephan spielte, nach einem Modell von 1541 gebaut. Er erklärte, dass fast alles bei dem Instrument, selbst die Mechanikteile, aus Ahorn seien.

Von Heidrun Voigt

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