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Dahme-Spreewald Der berühmte Brieffreund
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14:13 10.10.2018
1975 entstand dieses Porträt von Franz Fühmann. Quelle: Roger Melis
Märkisch Buchholz

Sehr rührend sei es neulich in Märkisch Buchholz gewesen, erinnert sich Joachim Damm an seine Lesung aus dem nunmehr dritten Band der Franz-Fühmann-Briefe. Als Neunjähriger hatte er 1975 begonnen, dem unter anderem in Märkisch Buchholz lebenden Autor zu schreiben.

Als er nun aus diesem bemerkenswerten, kürzlich im Rostocker Hinstorff Verlag veröffentlichten Briefwechsel vortrug, waren im Publikum so einige dabei, die den 1984 verstorbenen Fühmann noch persönlich kannten. Auch für Damm wurde der Abend emotional. Lange war er nicht mehr in Märkisch Buchholz gewesen, dem Ort, an dem er den Schriftsteller 1977 das erste Mal besuchen durfte. Die ungewöhnliche, tiefe Freundschaft der beiden war, schreibt Damm, „die bedingungslos gleichberechtigte Partnerschaft auf Augenhöhe zwischen einem Künstler und einem Kind“.

Joachim „Hamster“ Damm. Quelle: Hinstorff Verlag

„Wenn du Zeit hast kanst du mir ja mal schreiben“, setzte Joachim Damm am 5. März 1975 unter seinen ersten Brief an Fühmann, in dem er viele Fragen zu dessen „Prometheus. Die Titanenschlacht“ hatte. Nur wenige Tage später antwortet Fühmann ihm konzentriert und ausführlich. Der kleine Joachim schreibt mal aus dem Ferienlager, zeichnet Fühmanns Arbeitszimmer, wie er es sich vorstellt, schickt Geburtstagsgrüße, immer versehen mit pfiffigen Zeichnungen, und berichtet dem Schriftsteller, dass er in der Schule eine Puppenspieler-AG gegründet hat.

Fühmann verfasste eigens ein Stück für den Jungen

Joachim Damm, der sich heute als Künstler Hamster Damm nennt, begann früh, sich für das Puppenspiel zu begeistern, entwarf und fertigte selbst seine Figuren. Dafür brauchte er noch eine Geschichte, die bestellte er dann einfach bei Fühmann. Etwas mit einem Zauberer, einem Drachen, einem Sultan einem Ritter, einem Sklaven und einer dicken Dame solle es sein. 1976 verfasste Fühmann daraufhin „Der Glückliche Ritter von Trinitat oder wie wird man Oberdiskutierer“. Auch dieses „Puppenspiel in 4 Akten für Joachims sechs Puppen“ ist in dem Brief-Band abgedruckt. Ebenso als Faksimiles einige von Damms Briefen, in der freien Orthografie eines Kindes und in immer wieder anderem Schriftbild. Am Ende ist eine Bildergeschichte abgedruckt, mit der Damm seine Erinnerungen an Fühmann reflektiert. Diese, erzählt er heute, seien lange weit weggewesen.

Im Archiv der Akademie der Künste las er aber irgendwann all die Briefe noch mal und viele andere auch. „Da habe ich Briefe von meinen Eltern an Fühmann gelesen, von denen ich vorher nichts wusste.“ All das, sagt er, habe ihn sehr berührt und beschäftigt. Die Archivarin Barbara Heinze ermutigte ihn mehrmals, doch etwas aus seinem Briefwechsel mit dem Schriftsteller zu machen. Endgültiger Anstoß für den nun vorliegenden Band war dann letztlich die Anfrage, für das 2016 im Wallstein Verlag erschienene Buch „Ins Innere – Annäherungen an Franz Fühmann“ einen kleinen Essay über seine Brieffreundschaft mit Fühmann zu schreiben.

Mehr als 10 000 Fühmann-Briefe gibt es

Mehr als 10.000 Briefe Fühmanns lagern in der Akademie der Künste, berichtet Thomas Gallien, Lektor des Rostocker Hinstorff Verlags. Nach den bereits erschienenen Briefwechseln mit Fühmanns einstigen Lektoren Kurt Batt und Ingrid Prignitz und nun Joachim Damm wird noch ein Band zum Austausch mit Ludvik Kundera – „sein wichtigster Autorenkollege im Ausland“, so Gallien – erscheinen, zudem noch drei Überblicksbände. Als Sonderausgabe außerhalb dieser siebenbändigen Reihe gibt es noch „Nun lesen Sie mal schön!“, Fühmanns Briefwechsel mit Wieland Förster. 1968 hatten der Autor und der Bildhauer sich kennengelernt. Bis zu Fühmanns Tod verband sie ein intensiver Kontakt. In Märkisch Buchholz steht heute eine bronzene Stele mit dem plastischen Konterfei Fühmanns, geschaffen von Wieland Förster.

Mammutaufgabe Brief-Edition

Fühmann, eigentlich Aufbau-Autor, hatte kurz vor seinem Tod verfügt, dass der Rostocker Verlag die Weltrechte an seinen Werk bekommen soll. „Er war im Rahmen des Bitterfelder Weges auf der Warnow-Werft“, erzählt Gallien. Das Buch darüber ist beim Hinstorff Verlag erschienen, so kam die Verbindung zustande. Der gebürtige Bonner Gallien war früh fasziniert von Fühmann, hatte über seine Familie in der DDR ein Buch des Lyrikers Uwe Kolbe bekommen, „mit einem beeindruckenden Nachwort von Fühmann“. Das Interesse war geweckt. Dass er heute als Lektor die Mammutaufgabe der Brief-Edition betreuen darf, freut ihn ungemein. Als „Klemperer der DDR-Zeit“ habe der Schriftsteller Klaus Schlesinger Fühmann einmal bezeichnet, da dieser schonungslos, genau und tief sich und seine Zeit reflektierte.

Einen geradezu wundersam berührenden Eindruck jenes Mannes bietet nun vor allem der Briefwechsel mit Joachim Damm, der nicht zuletzt in der Gestaltung mit all den Zeichnungen, mit Fotos und dem Ritter-Stück ein außergewöhnliches Werk geworden ist.

Von Karen Grunow

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