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Frau sein ist harte Arbeit

Benjamin Grossmann aus Blankenfelde tritt als Drag Queen auf Frau sein ist harte Arbeit

Vier Stunden kann es dauern bis aus Benjamin Grossmann Benita Mussolini geworden ist. Der 28 Jahre alte Blankenfelder schlüpft gerne in seine Rolle als Drag Queen. Auf der Bühne möchte er unterhalten, doch es geht ihm auch um wichtige politische Forderungen.

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Beim „Auftransen“ mit Lippenstift, Kajalstift und viel Make-up.

Blankenfelde. Benita Mussolini ist, wie der Name vermuten lässt: launisch, laut, exzentrisch und extrovertiert. Sie trägt ihr Haar violett, dazu ein Kleid mit Spitze, das die Oberweite in Szene setzt.

Benita Mussolini ist eine Kunstfigur, erschaffen von Benjamin Grossmann. Der Blankenfelder tritt unter dem Namen auf kleinen Bühnen und Veranstaltungen auf. Vor zwei Jahren schlüpfte der 28-Jährige zum ersten Mal in das Drag-Queen-Outfit. Das war zur Parade des Christopher Street Day in Berlin. „Ich bin sieben Kilometer auf High Heels gelaufen“, erinnert er sich. An den Schmerz in den Füßen auch. Seitdem kann er gut verstehen, was es heißt, eine Frau zu sein – vor allem dann, wenn man keine ist. Um zu Benita zu werden braucht er viel Zeit und noch mehr Make-up. Bis zu vier Stunden dauert das „Auftransen“. Genug Zeit, um aus einem schmächtigen kleinen Mann ein Vollweib mit künstlichen Brüsten und langen bunten Haaren zu machen. „Man nimmt in dieser Zeit seine Rolle an“, sagt Benjamin Grossmann. Es ist jedes Mal eine Metamorphose, bei der nichts zufällig passiert. Kleidung, Perücke und Schminke müssen passen. „Ich bin ein Perfektionist“, sagt er. Zum Glück hat die Kosmetikindustrie für jeden Makel ein passendes Gegenmittel. Der Bartwuchs wird mit Puder und Make-up überdeckt, die Augenbrauen lassen sich mit einem Papierklebestift kaschieren. Das ist wichtig, denn der Lidstrich ist eine Art Königsdisziplin für Drag Queens.

Künstler wie Divine oder Mary haben es vorgemacht. Sie sind auch für Benjamin Grossmann eine wichtige Inspiration – optisch, aber auch inhaltlich. Travestie ist immer auch politisch. Sie spielt mit gesellschaftlichen Rollenbildern. „Es ist nicht weiblich,wenn man putzt und kocht“, sagt der 28-Jährige. Genauso sei es nicht männlich, sich wie ein grobmotorischer Macho in der Öffentlichkeit zu bewegen. Im Drag-Queen-Fummel durch Blankenfelde? „Lieber nicht, zu viele dumme Sprüche und komische Blicke“, sagt Benjamin Grossmann. Auch in Berlin ist er als Benita lieber in der Gruppe unterwegs. „Es gibt Fortschritte beim Frauen- und Vielfaltsbild“, sagt er. Doch die Ehe für alle, die für ihn als schwuler Mann ein wichtiges Kapitel ist, lässt auf sich warten. „Deutschland ist Schlusslicht in Europa“, sagt er. Dass rechte Strömungen immer mehr Aufwind bekommen, beunruhigt ihn. Er sieht vieles von der Gleichberechtigung, die in den vergangenen Jahren erkämpft wurde, in Gefahr. „Ich habe Angst, dass es wieder rückwärts geht.“

Von seiner Familie habe er immer Unterstützung bekommen, auch als er mit 14 sagte, dass er homosexuell ist. Seine Mitschüler am Rangsdorfer Gymnasium reagierten nicht alle so entspannt. Weil er gemobbt wurde, verließ er die Schule ein Jahr vor dem Abitur. Dann folgten drei Jahre der Selbstfindung in denen er auf dem Friedhof jobbte und eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann machte. 2010 heiratete er seinen Freund, doch die Ehe zerbrach nach einem Jahr – für Benjamin Grossmann ein Tiefpunkt im Leben. Erst der Berliner Straßenchor, in dem Obdachlose, Prostituierte und andere Randfiguren der Gesellschaft miteinander singen, brachte ihn wieder ins Leben. Dort traf er auch auf Travestiekünstler.

Mittlerweile lebt er von der Schauspielerei, spielt kleinere Rollen bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ oder der Zombie-Serie „Blutsbrüder“, die im Online-Programm von RTL II läuft. Sein Traum ist die Schauspielausbildung. Dass er es schafft, daran lässt er keinen Zweifel. „Ich bin schließlich Manns genug, um ein Abendkleid zu tragen.“

Von Christian Zielke

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