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Freude bei Loge, Sorge um AfD-Erfolg

Landratswahl in Dahme-Spreewald Freude bei Loge, Sorge um AfD-Erfolg

Am Tag nach der Landratswahl in Dahme-Spreewald fallen die Reaktonen unterschiedlich aus. Während sich der amtierende und wiedergewählte Landrat Stephan Loge (SPD) über seinen Wahlerfolg freut, ist das Ergebnis der AfD besorgniserregend. Die Partei erzielte am Sonntag ihr bundesweit bestes Ergebnis bei einer Kommunalwahl.

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Landrat Stephan Loge (SPD) bleibt Verwaltungschef des Landkreises Dahme-Spreewald.

Quelle: Andreas Kämper

Königs Wusterhausen. Am Tag nach der Landratswahl in Dahme-Spreewald war der amtierende und wiedergewählte Landrat Stephan Loge (SPD) noch damit beschäftigt, das für ihn positive Ergebnis zu verarbeiten. Loge ist am Sonntag mit 52,6 Prozent der abgegebenen Stimmen wiedergewählt worden. Besonders überraschend war, dass er bereits im ersten Wahlgang mehr als 50 Prozent der abgegebenen Stimmen erlangt und zudem das Quorum – mehr als 15 Prozent der Stimmen aller Wahlberechtigter – erreicht hat. „Das macht mich sehr stolz“, sagte er.

Für seine kommende Amtszeit als Verwaltungschef des Kreises will er vor allem für Stabilität sorgen. „Wir wollen weiterhin Spitzenplätze in den Bereichen Wirtschaft und Familienfreundlichkeit erreichen“, sagte Loge. Zudem seien die Integration von Flüchtlingen, bezahlbarer Wohnraum sowie die Kreisgebietsreform wichtige Themen auf seiner Agenda.

Höchst- und Tiefstwerte

Bei der Landratswahl am Sonntag waren 139 768 Menschen in 252 Stimmbezirken in Dahme-Spreewald wahlberechtigt. 36,8 Prozent von ihnen haben ihre Stimme abgegeben. Für eine Landratswahl ist das eine relativ hohe Wahlbeteiligung.

Stephan Loge (SPD) hat in fünf Wahllokalen mehr als 70 Prozent aller abgegebenen Stimmen erhalten. Die höchste Prozentzahl erzielte er mit 79,2 Prozent in Köthen. Dafür waren lediglich 38 Stimmen notwendig. In einem Lübbener Wahllokal wählten 204 Menschen Loge, das waren 73,1 Prozent.

Die geringste Prozentzahl der Stimmen erhielt Loge in einem Wahllokal in Schwielochsee – 10,9 Prozent mit sechs Stimmen. Im selben Wahllokal stimmten 40 Wähler – 72,4 Prozent – für Jens-Birger Lange (AfD). Das ist prozentual gesehen das beste Wahlergebnis von Lange.

Mehr als 50 Prozent aller abgegebenen Stimmen erhielt Lange zudem in Zützen (63,8 Prozent), Heideblick (61,2 Prozent) und Löpten (53,7 Prozent).

In absoluten Stimmen erzielte die AfD in einem Schulzendorfer Wahllokal mit 136 Stimmen (27 Prozent) ihren Spitzenwert. Weitere AfD-Hochburgen sind Zützen (132 Stimmen), Bestensee (130 Stimmen), Zeesen (126 Stimmen) und Mittenwalde (125 Stimmen). In jedem der Wahllokale erreichte die AfD mindestens zwei Stimmen.


Carsten Saß (CDU) erhielt mit 190 Stimmen (30,2 Prozent) die meisten Stimmen in Schönefeld. In Lieberose hingegen wählte ihn niemand.

Birgit Uhlworm (UBL) erzielte in zehn Wahllokalen gar keine Stimme, darunter in Lübben, Waltersdorf und Egsdorf. Die meisten Stimmen erhielt Uhlworm in einem Schulzendorfer Wahllokal mit 83 Stimmen (13,5 Prozent).


Auffällig ist, dass die AfD vor allem in den Stimmbezirken gute Wahlergebnisse eingefahren hat, in denen bereits Flüchtlingsunterkünfte errichtet worden sind – oder in denen aktuell Unterkünfte geplant werden.

Neben der eindeutigen Wiederwahl von Loge überraschten der große Wahlerfolg des AfD-Kandidaten Jens-Birger Lange und das schlechte Abschneiden des CDU-Kandidaten Carsten Saß. Lange hat mit 22,9 Prozent der abgegebenen Stimmen das bislang beste AfD-Wahlergebnis in Brandenburg bei einer Kommunalwahl in dieser Größe erzielt. AfD-Landtagsabgeordneter Andreas Kalbitz spricht sogar vom bundesweit besten Ergebnis bei einer Kommunalwahl. Diese Wahl ist laut Kalbitz in riesiger Erfolg für die AfD.

Eine wichtige Ursache dafür, dass die AfD so viele Wählerstimmen bündeln konnte, sieht der Politologe Carsten Koschmieder darin, dass der AfD-Kandidat Lange das Flüchtlingsthema für sich genutzt hat. Koschmieder forscht an der Freien Universität Berlin zu politischen Parteien und Rechtsextremismus. Er weist darauf hin, dass es auf lokaler Ebene keine belastbaren Umfragen gibt, dennoch sei die Lage offensichtlich.

Bei Wahlen kommt es laut Koschmieder zum sogenannten Priming-Effekt: Für einzelne Bürger sind verschiedene Themen wichtig. Vor der Wahl sehr präsente Themen geben den Ausschlag für die Stimmenabgabe – in diesem Fall die Flüchtlingskrise. „Herr Lange hat die allgemeine Stimmung gezielt für sich genutzt“, so Koschmieder. Das sei auch daran zu erkennen, dass er mit Themen Wahlkampf gemacht hat, die ein Landrat nicht zu entscheiden hat – zum Beispiel Abschiebungen.

Hinzu komme, dass kleine Parteien bei kleineren Wahlen häufig mehr Stimmen erzielen als bei Bundestagswahlen. Insgesamt sieht Koschmieder die AfD deutlich im Aufwind, da ihre Themen in den Medien präsent sind und ein Problem für die Bevölkerung darstellen. Koschmieder schließt nicht aus, dass auch Stammwähler der SPD und der Linken bei der Landratswahl Lange gewählt haben.

Dass Carsten Saß (CDU) als langjähriger Stellvertreter Loges und Sozialdezernent von Dahme-Spreewald nur 17,9 Prozent der Stimmen erzielte, ist ein ungewöhnlich schlechtes Ergebnis. Mutmaßliche Ursachen für den Stimmenverlust der CDU könnte laut Koschmieder auch hier ein Wechseln zur AfD sein. „Weil es in Brandenburg keine CSU als Alternative gibt, tendieren CDU-Stammwähler zur AfD“, sagt er.

Saß’ Ergebnis könnte auch personenbezogene Gründe haben: Als Sozialdezernent ist er der Öffentlichkeit vor allem als Regionalmanager der Flüchtlingskrise bekannt. In den vergangenen anderthalb Jahren hat er auf Einwohnerversammlungen immer wieder Pläne für Asylbewerberunterkünfte verkündet und vertreten.

Die Landrätin des Nachbarkreises Teltow-Fläming, Kornelia Wehlan (Linke), sieht den Wahlerfolg der AfD ebenfalls eng mit der Flüchtlingskrise verknüpft. „Das AfD-Ergebnis ist absolut besorgniserregend“, sagte sie.

Sie freut sich über die Wiederwahl von Loge. „Bei einer Landratswahl auf Anhieb ins Amt gewählt zu werden, ist eine außergewöhnliche Leistung, vor der ich den Hut ziehe“, sagte sie. Als Gründe wertet sie Loges hohes Engagement sowie seine offene, ehrliche und bodenständige Art, Probleme anzusprechen. Auf die kommende, weitere Zusammenarbeit freut sich Wehlan. „Wir haben immer sehr eng und sehr gut zusammengearbeitet“, sagte sie.

Von Anja Meyer

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