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Fröhliches Hauen und Stechen

Mittelalterfest Fröhliches Hauen und Stechen

Sie prügelten aufeinander ein, warfen Streitäxte durch die Gegend und stießen hinterher mit Met und Schwarzbier auf das gute Wetter an. Beim Mittelalterfest in Bestensee war die Stimmung am Sonnabend bestens – vor allem auch, weil nicht nur die Schausteller in altertümlichen Gewändern gekommen waren.

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Schranke durchbrochen, gegen Baum geprallt

Mit ihren Schwertern flößen diese Ritter Respekt ein. In den Rüstungen stecken aber nette Kerle.

Quelle: Heidrun Voigt

Bestensee. Sie schwangen ihre Langschwerter und gingen wenig zimperlich miteinander um. Der hohe Herr von Radebeul und Chris der Raubeinige hauten drauf, dass die Funken stoben. Ihre Schilde krachten aufeinander. Es rumste immer wieder.

Ja, so war’ns, die „oiden“ Rittersleut’, die am Wochenende am Königlichen Wirtshaus in Bestensee ihr Lager aufgeschlagen hatten. Mittelalter war angesagt. Die Luft roch nach gebratenem Ochsen und Federvieh. Im „Saufhimmel“ flossen Met und Schwarzbier. Es gab Räuber- und Hexenpfannen. Das hölzerne Kettenkarussell wurde von Hand betrieben.

Dem hohen Herrn von Radebeul war nach seinem siegreichen Kampf warm. Kein Wunder, er trug über seinem Kettenhemd ein Gambeson, eine mit Rosshaar gefüllte Leinenjacke, die mit Metallplättchen gefüttert ist. „Die bietet einen hohen Schutz und eine große Beweglichkeit“, erklärt der 24 Jahre alte Bastian Seidel. Er ist Mitglied in „Midgards Feuerbund“, einer Gemeinschaft von Mittelalterfans, die auf Märkten ihre weißen Zelte aufschlagen – die nicht nur Staffage sind, ihn ihnen wird tatsächlich geschlafen.

Wer mal mit dem Schwertkampf angefangen habe, könne nicht mehr aufhören, meint Bastian Seidel. „Es gibt sogar Weltmeisterschaften, aber die Jungs sind noch eine Nummer verrückter als wir.“

Im Zeltlager wurde auch über die Gesundheit gewacht. Annett Gruber, die im Rettungsdienst arbeitet, hat mit ihrem Mann Ulf nicht nur die medizinische Absicherung des Festes übernommen. Sie weihte die Besucher auch in die Heilkünste des Mittelalters ein und schminkte für einen Taler gar fürchterliche Wunden. „Wir sind eigentlich schuld, dass das Spektakel hier stattfindet. Da die Festwiese in Königs Wusterhausen nicht zur Verfügung stand, haben wir dem Veranstalter den Tipp mit dem Forsthaus gegeben“, verrät Annett Gruber.

Dass der Ort gut gewählt war, zeigte die Resonanz der Besucher, die zwischen den Ständen flanierten oder vor der Bühne das Treiben verfolgten. Abseits der Schwertkämpfe erzählten die „Schmierenkomödianten“ witzige Geschichten von Königen und Prinzessinnen. Die Gruppe „Lamarotte“ bot einen Mix aus mittelalterlicher Marktmusik und Rock. Mit Sackpfeifen, Schalmeien, Drehleier, Geige und Teufelsbass sorgten sie für gute Laune. Besucherinnen ließen sich im Zelt von der Wahrsagerin aus der Hand lesen. Die Sportlichen zog es zum Bogenschießen und Axtwerfen. Bruder Ignatius führte derweil mittelalterliche Trauungen durch, verkaufte Ablassbriefe, Klosterbier und Weihrauch. Verheiratet hat er nicht viele. „Die Frauen wollen schon, aber die Männer bekommen immer kalte Füße“, sagte er. Dabei könne man sich doch beim Schmied – einen Scharfrichter habe man fürs Wochenende nicht gefunden – gleich wieder scheiden lassen, ergänzte er lachend.

Familie Stalla, die aus Spandau angereist war, gefiel es bestens. „Wichtig ist, dass solch ein Markt atmosphärisch dicht ist; das ist hier der Fall“, stellte Andreas Stalla fest. Er, seine Frau und die beiden Töchter (4 und 10) trugen Sonntagsstaat, mittelalterlichen versteht sich. „Wir mögen diese Zeit“, sagte Kristin Stalla. Kea und Karlotta haben das Mittelalter-Gen ihrer Eltern geerbt und fanden es einfach „cool“ in Bestensee.

Sarah und Kristian Tost aus Baruth waren auch in mittelalterliche Kleidung geschlüpft. „Das sind unsere Hochzeitskleider. Wir haben mittelalterlich geheiratet“, verriet Sahra Tost. Auch an den Marktständen gab es viele alte Gewänder: Blusen, Schürzen, Mieder, Wämser, Schnabelschuhe. Auf dem Markt finde sich für jeden etwas, meinte Uwe Buchin aus Klein Köris. Das konnte Susanne Kaim bestätigen. Ihr Enkel Jamie fand es bei den Rittern „ganz toll“. „Die Menschen in ihren Kostümen geben sich so viel Mühe. Ich bin begeistert“, so die Zossenerin.

Von Heidrun Voigt

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