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22:25 12.04.2016
Blick auf Wahlsdorfer Windräder von Petkus aus. Quelle: Privat
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Baruth

Jeder einzelne Flügelschlag der Windräder, die bald den Baruther Ortsteil Petkus einkreisen, wird von vielen Bewohnern auch nachts zu hören sein. 45 Dezibel Lärm am Tag, 40 in der Nacht. Zumindest so lange, bis der Bau des kompletten Windparks abgeschlossen ist. Dann wird sich der Lärm zu einem Geräusch transformieren, das wie eine Mischung aus Autobahn und Flugzeug klingt. Nicht mehr als 1000 Meter wohnen viele Petkuser in Zukunft weg von den Windkraftanlagen, freie Sicht auf die Natur wird es fast nicht mehr geben.

Visitenkarte

Gründungsdatum: 29. 10. 2012

Anliegen: Erhalt der Lebensqualität in der Region in und um Petkus. Mitgestaltung eines für Mensch und Natur verträglichen Windparks

Mitgliederzahl: etwa 30

Aktiv: Im Raum Petkus, Ließen und Charlottenfelde.

Treffen: bis 2015 alle 14 Tage, seit 2015 Treffen nach Bedarf

Ansprechpartner: Martin Pagenkopf

www.petkus-online.com/Buergerinitiative-NEWS

Im Jahr 2012 wurde im Regionalplan Havelland-Fläming beschlossen, das Windeignungsgebiet WEG 37 zu bauen: In Charlottenfelde, westlich von Petkus, fängt es an und erstreckt sich bis Groß Ziescht – das Gebiet hat eine Gesamtgröße von etwa 812 Hektar, am Ende sollen dort 170 Windräder stehen. An der Fläming-Skate liegt das so genannte Skaterdreieck um die Ortschaften Petkus, Wahlsdorf und Ließen, das insgesamt von 33 Windrädern betroffen sein wird. Allein um Petkus herum sind auf 366 Hektar insgesamt 22 Windkraftanlagen geplant. Sieben sind bereits genehmigt, Anfang 2016 begann der Bau.

Bürgerinitiative ist nicht gegen Windkraft

Martin Pagenkopf, einer der 600 Bewohner von Petkus, wollte sich nicht mit der Situation abfinden, denn sein kleiner Ort sollte bis zu 70 Prozent von Windrädern umkreist sein. Zusammen mit Nachbarn und Anwohnern aus Wahlsdorf und Ließen gründete er die Bürgerinitiative „Anwohnerfreundliches Skaterdreieck“: Im Herbst 2012 formulierten sie einen öffentlichen Brief, den sie an alle Haushalte verteilten. Damit wollten sie Anwohner mobilisieren. Von da an trafen sich regelmäßig etwa 30 Bürger, um darüber zu diskutieren, welche Möglichkeiten des Protests sie haben.

Gegen Windkraft spricht sich die Bürgerinitiative nicht aus, wie Martin Pagenkopf betont: „Windkraft ist in Ordnung, aber nur soweit alle, auch die Anwohner, damit einverstanden sind. Die Abstände zu den Wohnbebauungen sollten so gewählt sein, dass keiner direkt betroffen ist und die Lebensqualität sich nicht großartig verändert.“ Ein zweiter Bürgerbrief wurde verfasst, in dem die Anwohner darum gebeten wurden, ihre Stellungnahmen zur Gestaltung des Regionalplans abzugeben. Etwa 200 Briefe konnte die Bürgerinitiative in einem dicken Aktenordner sammeln. „Berücksichtigt wurde eigentlich fast nichts davon in der neuen Version des Regionalplans“, sagt Martin Pagenkopf.

Sichtachse sollte eingeplant werden

Ein herber Rückschlag für den Initiator der Bürgerinitiative und seine Mitstreiter, „das war wie ein kalter Schauer“, wie er sagt. Aufgeben war jedoch keine Option und so besuchten sie die Stadtverordnetenversammlung in Baruth, um Anregungen in den Bebauungsplan einzubringen. „Die Stadt hat aber keine Entscheidungsbefugnis, im Regionalplan ausgewiesene Flächen zu beschränken. Die Anwälte der Windkraftbauer können ihre Anliegen einklagen“, sagt Pagenkopf.

Die Bürgerinitiative setzte sich dafür ein, dass bei der Planung des Windparks eine Sichtachse eingebaut wird. Doch ihre Einwände wurden nicht beachtet, die Bebauung begann an der Westseite von Petkus, „genau dort, wo wir eine Sichtachse haben wollten. Außerdem ist Westen die Hauptwindrichtung, von dort aus wird der Lärm auf das ganze Dorf verteilt,“ sagt Martin Pagenkopf. Die Bürgerinitiative wehrte sich außerdem dagegen, dass durch den Bau der Windräder Flora und Fauna zerstört werden. Viele Fledermausarten, Rotmilane und Seeadler sind bedroht, ein Naturschutzgebiet verläuft am Rande des geplanten Windparks. Die Bürgerinitiative regte Gutachten zur Analyse der Naturschutzsituation vor Ort an, so konnte der Bau um etwa ein Jahr verzögert werden.

Bürgerinitiative kämpft weiter

Als der Bau der Windräder dann begann, musste viel Wald abgeholzt werden. Um Schadensbegrenzung zu betreiben, setzt sich die Bürgerinitiative nun für Ausgleichsmaßnahmen wie eine Obstallee, Streuobstwiesen oder humane Abschaltzeiten ein und beobachtet den Bau der weiteren Windräder. Außerdem wollen Martin Pagenkopf und seine Mitstreiter abklären, inwieweit ein zukünftiger Beschluss des Bebauungsplans noch möglich und für die nächsten Anlagen relevant ist.

Von Melanie Höhn

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