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Dahme-Spreewald Kuriose Fundsachen am Flughafen Schönefeld
Lokales Dahme-Spreewald Kuriose Fundsachen am Flughafen Schönefeld
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00:53 26.07.2014
Kistenweise lagern Brillen und andere Sachen im Schönefelder Fundbüro. Quelle: Degener
Schönefeld

Um zehn Uhr morgens liegen bereits eine Herrenbrieftasche und ein Smartphone in Plastikhüllen verpackt hinter der Theke von Ayman Beyers Souvenirgeschäft. In den Beuteln steckt außerdem jeweils ein Zettel mit Datum und Uhrzeit, einer Objektbeschreibung und vor allem dem Fundort. Beyers Laden am Haupteingang des Terminal A vom Flughafen Schönefeld dient als Fundbüro für alles, was an diesem Ort des Ankommens und Abreisens vergessen oder stehengelassen wird.

Manchmal bleibt auch Kurioses stehen, etwa eine Poliermaschine

In einer zum Zwischenlager umfunktionierten Toilette daneben hat er Regale und Kisten aufgestellt. Darauf steht „Brillen“, „Handys“ oder „Brieftaschen“. Papprollen mit Postern und Architekturplänen sammeln sich ganz oben, darunter sind Laptops und Tablet-Computer gestapelt. Hinter der Tür holt Beyer plötzlich ein Schwert hervor. Es ist mit chinesischen Schriftzeichen verziert und wurde Anfang Mai gefunden. „Ich gehe davon aus, dass der Besitzer es nicht mitnehmen durfte“, mutmaßt er. Es stand einfach im Terminal. So erklärt Beyer sich auch den Fund einer massiven Poliermaschine, die keinem der Reinigungsunternehmen am Flughafen gehört. „Viele Fluggesellschaften kassieren für solche Fracht extra und dann lassen die Leute das lieber stehen“, vermutet er.

Ayman Beyer mit einem chinesischen Schwert, das am Flughafen zurückgelassen wurde. Quelle: Degener

Verdächtige Inhalte gesprengt

Auch ein alter Rollstuhl, eine Kettensäge und viele Kinderwagen wurden schon bei Beyer abgegeben. Die meisten Objekte sind aber reisetypisch: Jacken, Schals, Schirme und Gepäckstücke. Diese werden von der Bundespolizei untersucht und bei verdächtigem Inhalt auch mal sicherheitshalber gesprengt. Nach Hinweisen auf die Identität der Besitzer suchen die Beamten auch, geben die Objekte aber an Beyer weiter. Zwei, drei Fundsachen kommen täglich hinzu. „99 Prozent der Dinge werden von Mitarbeitern des Flughafens gefunden“, sagt er. Nur Koffer, die bereits ein Check-In-Label haben und Sachen aus Flugzeugen gehören nicht zu seinem Verantwortungsbereich.

Der Buggy war zum Glück leer, als er vergessen wurde. Quelle: Degener

 

Service-Angebot mit acht Angestellten

Ayman Beyer ist ein umtriebiger Mensch. Der 47-jährige gebürtige Ägypter lebt seit mehr als 25 Jahren in Berlin, hat hier studiert und später ein Übersetzungsbüro eröffnet. Dieser Dienst führte ihn vor neun Jahren an den Flughafen, wo er die Behörden bei Sprachproblemen unterstützt. Der „Beyer Sprach- und Airport Service“ wuchs stückweise um das Sou venirgeschäft, einen Automatenbetrieb für Plastikbeutel (für die Sicherheitsschleuse) und seit kurzem auch ein Internetcafé. „Ich gucke, was auf dem Flughafen gebraucht wird“, erklärt der Geschäftsmann sein Angebotsspektrum, das er mit acht Angestellten betreibt. Vor vier Jahren kam das Fundbüro dazu.

Seit 9 Jahren unterstützt Ayman Beyer die Behörden bei Verständigungsproblemen in der Sprache. Nun kümmert er sich auch um Fundsachen. Quelle: Degener

Aufbewahrungspflicht endet nach einem halben Jahr

Auf der „Luftseite“ des Flughafens, also hinter der Sicherheitsschleuse, ist das eigentliche Lager, wo vor allem die sperrigen Gepäckstücke auf den Besitzer warten. Es ist ein unscheinbarer Raum neben einem Gepäckband. Zurzeit ist das Lager größtenteils leer, weil in der vergangenen Woche fast alles für die kommende Versteigerung abgeholt worden ist. Ein paar blaue Müllsäcke voller Klamotten, ein Dutzend Koffer und Reisetaschen, sowie eine handvoll Gehhilfen stehen herum. Eine Sackkarre in der Ecke scheint zum Transport schweren Gepäcks zu dienen, doch auch sie trägt einen Fund-Zettel.
Nach einem halben Jahr endet die gesetzliche Aufbewahrungsfrist, aber Beyer ist gemächlich. Einmal jährlich werden die Fundsachen in Berlin gegen Bargeld versteigert. Die Koffer werden zu diesem Zweck vorher geöffnet und kommen samt Inhalt unter den Hammer. Bereits am kommenden Dienstag ist es wieder so weit. Knapp 1000 Sachen sind in den vergangenen sechs Monaten am Flughafen stehen und liegen gelassen worden. „Mehr als die Hälfte konnten wir zurückgeben, vor allem wertvolle Sachen werden abgeholt“, sagt Beyer.

Versteigerung: Am 29. Juli um 11 Uhr werden die Flughafen-Fundsachen vom Auktionshaus Spier in der Bundesallee 220, 10719 Berlin, versteigert. Vorbesichtigung ab 10 Uhr.

So gehen die Kommunen mit Fundsachen um

  • Wildau bietet auf seiner Internetpräsenz eine Übersicht über alle aktuellen Fundsachen, die regelmäßig nach Ablauf der sechsmonatigen Lagerfrist im Bürgerbüro verkauft werden. Auch die Fundsachen aus dem A10-Center werden dort aufbewahrt.
  • Die Stadt Baruth gibt nicht abgeholte Fahrräder an eine karitative Einrichtung. In den letzten neun Jahren wurden 86 Dinge abgegeben, von denen jedes Dritte wieder zu seinem Besitzer zurückfand.
  • In Königs Wusterhausen werden Fundsachen automatisch nach Frist-ende auf der städtischen Internetseite zum Verkauf angeboten. Was nach einem Monat nicht verkauft wurde, wird karitativen Einrichtungen angeboten oder vernichtet. Jeden Monat werden rund vier Objekte, meist Handys, Taschen und Fahrräder, abgegeben. Derzeit wartet eine Stehleiter auf ihren Besitzer. Nur drei bis fünf Prozent der Sachen gelangen durchschnittlich zum Besitzer zurück.
  • In Trebbin werden Fundsachen, die nach sechs Monaten nicht abgeholt wurden, dem Finder angeboten. Bis auf ein paar rostige Fahrräder und einen Schülerrucksack lagert dort allerdings zurzeit nichts.
  • In Jüterbog werden Kleider gespendet und alle zwei Jahre funktionstüchtige Fahrräder versteigert. Im ersten Halbjahr 2014 konnten 13 von 34 Fundsachen zurückgegeben werden.
  • Erst vor einem Jahr hat man in Nuthe-Urstromtal mit der Dokumentation von Fundsachen begonnen. Seitdem wurden vier Dinge, darunter zwei Damenräder, abgegeben, die weiterhin aufgehoben werden.

Von Peter Degener

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