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Dahme-Spreewald Gänseschar als Markenzeichen
Lokales Dahme-Spreewald Gänseschar als Markenzeichen
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00:36 12.07.2015
Margrit und Mario Huschke mit den kleinen Gösseln, aus denen prächtige Gänse werden sollen. Quelle: Franziska Mohr
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Gräbendorf

Wer denkt schon kurz vor den Sommerferien an den Weihnachtsbraten? Fast möchte man meinen – kein Mensch. Irrtum. Bei Familie Huschke, den letzten noch verbliebenen Einzelbauern in Gräbendorf, laufen die Vorbereitungen dafür schon auf Hochtouren. Exakt 808 Eintagsgössel wurden von einer Firma in Königswartha für die Einstallung bereits geliefert.

Unter einer Art Rotlicht benötigen sie in den ersten acht Tagen eine Temperatur von 32 bis 35 Grad. Grundsätzlich bedarf es in dem bereits 1851 erbauten Gänsestall am Dorfanger einer Temperatur von 26 Grad. Nur so können die Tiere richtig gedeihen. Dabei verabreicht ihnen Margrit Huschke, die Seniorin auf dem Hof, anfangs Futterkonzentrat, ehe sie ab August Gerste und Grünes aus eigenem Anbau erhalten. Margrit Huschke hat da ihre Patentrezepte. Schließlich hat die heute 63-Jährige schon vor der Wende in der damaligen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) als Geflügelzüchterin gearbeitet. Für viele Dahmeländer ist daher die Gänseschar am Ortseingang längst zu Gräbendorfs Markenzeichen geworden.

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Mario Huschke mit seiner Familie ist der letzte Einzelbauer im Ort. Die Bauernfamilie mit ihrer über 100-jährigen Tradition sorgt alljährlich dafür, dass die Gänseschar zum Markenzeichen für Gräbendorf wird.

Der Neubeginn als Einzelbauer war nach der Wende allerdings keineswegs einfach. Aber die Bauernfamilie mit ihrer über 100-jährigen Tradition hat es gewagt. „Als ich 1990 den damaligen LPG-Vorsitzenden aufforderte, unserer Familie ihr Land zurückzugeben, erhielt ich anfangs eine schroffe Abfuhr“, erinnert sich Margrit Huschke. Aber davon ließen sich Margrit Huschke und ihr 2012 verstorbener Mann Walter nicht entmutigen. Am 29. März 1991, ein Datum, das die Bäuerin nie vergessen wird, starteten sie als Einzelbauern mit ganzen 3,5 Hektar Land. 1993 waren es schon 52 Hektar. Heute sind es 80 Hektar, davon etwa die Hälfte Grünland sowie Ackerflächen, auf denen Roggen, Gerste, Weizen oder Triticale für die Tiere angepflanzt werden.

Schon vor der Wende hatten die Huschkes privat jährlich etwa 90 Gänse, die sie kurz vor Weihnachten an die sogenannten Volkseigenen Erfassungs- und Aufkaufbetriebe (VEAB) abgaben. „Von Gänsezucht verstanden wir etwas. Da sahen wir eine Marktlücke, wollten die Tradition unbedingt fortsetzen“, erinnert sich Margrit Huschke. 1993 schnatterten daher schon knapp 400 Tiere auf dem Hof. „Nachdem es die Aufkaufbetriebe nicht mehr gab, bot uns ein Händler in Gallun so wenig für unsere Tiere, dass wir kurzerhand beschlossen, sie selbst direkt auf dem Hof zu vermarkten“, sagt Hausherr Mario Huschke, der damals knapp 20 Jahre alt war. „Eine Vermarktungskette, die sich bis heute bewährt hat. Die Mund-zu-Mund-Propaganda klappt prima“, sagt seine Frau Astrid Huschke, während sie in der einzigen Küche der mehrere Generationen umfassenden Bauernfamilie für alle ein leckeres Abendbrot zubereitet.

Die Familie Huschke

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272 wurde Gräbendorf erstmals urkundlich erwähnt. Im 14. Jahrhundert gab es etwa 14 Hofstellen im Ort.

Im Jahr 1734 lebten dort 138 Menschen, 1840 waren es 319 und 1946 zählte der Ort 821 Einwohner, viele von ihnen waren Umsiedler.

Familie Huschke ist in Gräbendorf seit mehr als 100 Jahren ansässig. Genauer gesagt seit dem Jahr 1904.

Mario Huschkes Urgroßvater, August Huschke, stammt aus Schöneiche im Kreis Teltow-Fläming. Er heiratete in die Wirtschaft ein. Seine Frau Emma war eine junge Witwe. Sie hatte den Hof mit Hilfe ihres Onkels, des damaligen Prieroser Bürgermeisters, kaufen können.

Mario Huschkes

verstorbener Großvater, Fritz Huschke, und seine beiden Geschwister wurden auf dem ehrwürdigen Hof in Gräbendorf geboren.

Fritz Huschkes Frau stammte aus der alteingesessenen Gräbendorfer Familie Metzing.

Die beiden hatten zwei Söhne, von denen der 2012 verstorbene Sohn Walter das Anwesen übernahm. Er hatte Margrit, eine geborene Heinrich aus Gräbendorf, die heutige Seniorin auf dem Hof, geheiratet.

Sie gebar ihm zwei Söhne – Mario und Sven. Die Bauerntradition wird fortgesetzt.

„Traditionell spielt sich bei uns alles in der Küche ab“, sagt Margrit Huschke. Dort werde nicht nur gekocht, sondern über die Arbeit, das Dorf und das Wetter geschwatzt. Richtig eng wird es dort aber erst ab 19. Dezember, wenn der Hausherr in der Waschküche die Gänse schlachtet. Ob ihm das nicht leid tue? „Keinesfalls. Ich weiß, dass die Gänse bei uns ein gutes Leben hatten“, sagt Mario Huschke gelassen. Seine Frau bereitet dann für all die fleißigen Helfer das Essen zu. Jeder hat dabei seit Jahren seine feste Aufgabe.

Mario Huschke schlachtet, zwei weitere Männer stehen am Brühkessel, damit sich die Federn von der Haut lösen. Die erst 2014 angeschafte Rupfmaschine bedienen zwei ehemalige Arbeitskolleginnen von Margrit Huschke. Andere nehmen die Tiere aus, ehe die Bauersfrau sie verpackt und auspreist. Die Kunden kommen inzwischen von überall her – aus Rangsdorf, Schöneiche, Schulzendorf, Eichwalde und natürlich aus Gräbendorf. „Manche bestellen schon beim Abholen gleich für das nächste Jahr ihre Weihnachtsgänse“, sagt Astrid Huschke. „Aber wenn irgendwann keine mehr für die eigene Familie übrig bleibt, dann ist Schluss mit lustig“, sagt der Hausherr lachend. Doch bis zum Schlachten vergehen noch Monate, in denen sich der Bauer um die Ernte sowie seine 33 Mutterkühe plus Kälber und Bullen kümmern muss. Und dieses Jahr sieht es nicht so rosig aus. Aufgrund des trockenen Frühjahrs rechnen die Huschkes mit einem Ernteausfall von mindestens 20 Prozent.

Tochter Antonia hat es die Schafherde angetan. Ein Aufwachsen ohne Tiere kann sich die Neunjährige nicht vorstellen. Mit Flaschenmilch zieht sie derzeit ihr „Fritzchen“ auf, ein Schaf, dessen Mutter einen Tag nach der Geburt gestorben ist. Zweifellos ist das Mädchen stolz darauf, dass ihr Vater Bauer ist, dass er Traktor fährt und geschickt mit Pflug und Drillmaschine umgehen kann.

Auch der 43-Jährige kann sich keinen anderen Beruf vorstellen. Dabei stimmt es ihn schon nachdenklich, dass er in Gräbendorf als einziger Einzelbauer verblieben ist. Anfang der 50er Jahre, als seine Mutter im Ort geboren wurde, waren es noch mehr als 30. „Land- und Viehwirtschaft kennt eben keinen Achtstundentag, keinen Sonntag und schon gar nicht 25 bis 30 Tage Urlaub“, sagt Margrit Huschke. Dieses Gebundensein an den Rhythmus der Tiere wolle sich heute kaum noch jemand antun. „Es ist schade, dass die Dörfer auf diese Weise mehr und mehr ihre Seele verlieren“, sagt die Bäuerin. Auch ihr Sohn bedauert das und denkt dabei an den letzten Sonnabend. Eigentlich wollte er zu einem runden Geburtstag, als plötzlich ein Jäger anrief: „Hey, Mario, deine Kühe sind ausgebüxst.“ Also ging’s los – Kühe einfangen und die Koppel reparieren. Als er gegen 22 Uhr fertig war, war der Geburtstag natürlich im Eimer. „Aber das ist nun einmal das Los eines Bauern“, nimmt es Mario Huschke gelassen.

Von Franziska Mohr

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