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Galgenfrist für Campingplatz in Gräbendorf

Umfangreiche Auflagen erteilt Galgenfrist für Campingplatz in Gräbendorf

Der seit über 20 Jahren schwelende Streit um den Erhalt des Campingplatzes D 66 am Schmöldesee in Gräbendorf soll endlich beigelegt werden. Am Tisch von Umweltminister Vogelsänger wurde diesbezüglich eine zweijährige Galgenfrist ausgehandelt, in denen der Betreiberverein zahlreiche „Hausaufgaben“ erledigen muss. Ansonsten ist dort definitiv Schluss.

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Für Naturschützer ein furchtbarer Anblick. Das von den Campern mit „Privatstegen“ verbaute Ufer am Schmöldesee.

Quelle: Franziska Mohr

Gräbendorf. „Wir sind Kummer gewöhnt und haben einen langen Atem“, sagt der Vorsitzende des Vereins „Campingclub Huschte See“, Berthold Tschorn, gelassen. Schließlich schwelt der Streit um den Erhalt des mit drei Sternen klassifizierten Zeltplatzes D66 am Schmöldesee in Gräbendorf seit mehr als 20 Jahren. Jetzt aber scheint sich durch die Fürsprache des einstigen SPD-Bundestagsabgeordneten Peter Danckert eine direkt am Tisch des Brandenburger Umweltministers Jörg Vogelsänger (SPD) ausgehandelte Lösung abzuzeichnen.

Vereinschef Berthold Tschorn (l) mit seinem Vorstand

Vereinschef Berthold Tschorn (l.) mit seinem Vorstand.

Quelle: Franziska Mohr

Demnach soll der 2009 gegen die Bedenken der Forst noch einmal bis Ende 2015 fortgeschriebene Pachtvertrag nun um weitere zwei Jahre verlängert werden. Die 121 Vereinsmitglieder erhalten damit die Chance, in diesen 24 Monaten alle baurechtlichen Fragen rund um den Campingplatz zu lösen, die seinem Erhalt derzeit entgegenstehen. Noch aber hat der Vereinschef keinen Vertrag in den Händen, obwohl die Saison am 1. April begonnen hat. „Das ist reine Formsache. Rechtliche Verstöße bezüglich des Landeswaldgesetzes liegen nicht vor“, sagt Carsten Lessner, Referatsleiter Forstwirtschaft im Ministerium für ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft (MLUL).

Werden die Auflagen nicht umgesetzt, gibt es keine Fristverlängerung

Der zeitliche Verzug sei durch formale Abläufe bedingt. Der Beschluss der Heideseer Gemeindevertretung zur öffentlichen Zuwegung über die dortige Urlauberstraße sei etwa erst Mitte März im Ministerium eingegangen. „Gelingt es dem Verein allerdings nicht, binnen zwei Jahren auf dem Campingplatz einen rechtskonformen Zustand herzustellen, ist eine weitere Verlängerung definitiv ausgeschlossen“, stellt der Referatsleiter klar. Die hier zu erledigenden „Hausaufgaben“ charakterisiert er als erheblich. „Ob dafür Investitionen von einer halben Million Euro ausreichen, weiß ich nicht“, sagt Lessner und verweist auf die Gefahr, wenn dort mitten im Wald ein schwerer Sturm tobt oder gar eine Gasflasche explodiert. „Für Rettungskräfte ist der D66 aktuell in keinem Navigationsgerät verzeichnet“, sagt er.

Hintergrund des Streits

Nach 1990 bekam die Forst die Flächen der Campingplätze D61 am Hölzernen See, D64 am Huschte See und D66 am Schmöldesee zugeordnet.

Nach dem Bundeswaldgesetz sind Zeltplätze im Wald nicht zulässig oder müssen eingezäunt werden. Nur der D61 am Hölzernen See sollte erhalten bleiben. Er wurde um die Flächen der beiden anderen Plätze erweitert. 2006 wurde der D64 geschlossen und der D66 kämpft noch um seinen Erhalt.

Die Größe der Aufgabe ist dem Vereinsvorstand bewusst. „Aber wir Camper wollen diese Freiheit und dieses Naturerlebnis nicht aufgeben“, sagt Tschorn. Das Projekt sei förderfähig und die Finanzierungsvereinbarung mit einem Kreditinstitut liege vor. Den Heideseer Gemeindevertretern soll schon im Mai der Entwurf eines Bebauungsplanes für das insgesamt 4,5 Hektar große Areal vorliegen.

Investitionen von einer halben Million Euro erwartet

Planer Holger Görlitz von der Dubrow GmbH geht gleichfalls von einer Investitionssumme von einer halben Millionen Euro aus und verweist nur auf einige der zu bewältigenden Brocken. Als ökologischer Ausgleich für die Waldumwandlung wurde bereits eine private Ersatzfläche von fünf Hektar in Bad Saarow gefunden. Allein dies verursacht mit dem notwendigen Pflegevertrag für die jungen Bäume Kosten von 180 000 Euro. Auch die von Naturschützern als grauenvoll charakterisierte Verbauung des Ufers am Schmöldesee, an dem sich Camper etwa 30 „Privatstege“ bauten, muss verschwinden und durch eine Gemeinschaftssteganlage ersetzt werden. Vorgesehen sind auch künftig etwa 190 Standplätze für Camper. „Das sind 600 Personen, ein ganzes Dorf“, sagt Görlitz und verweist auf notwendige Brandschutzschneisen, Fluchtwege, Stellplätze und Elektroanlagen. Ein weiteres Problem ist die 2,8 Kilometer lange Zufahrt, die sogenannte Urlauberstraße, von der B246 am Ortseingang Prieros bis zum Campingplatz, die mitten durch den Wald führt. Görlitz zufolge ist diese Straße zwar gewidmet, aber der Grund und Boden gehört nicht der Kommune, sondern noch der Forst. Gegenüber der Gemeinde Heidesee hat sich der „Campingclub Huschte See“ aber bereits verpflichtet – wieder eine Hausaufgabe mehr – künftig für ihre Unterhaltung zu sorgen.

Von Franziska Mohr

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