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Geld als „Gottheit des weißen Mannes“

Lesung in Wernsdorf mit Petra Kelling und Nadja Engel Geld als „Gottheit des weißen Mannes“

Die Schauspielerinnen Petra Kelling und Nadja Engel haben in Wernsdorf aus dem Buch „Der Papalagi“ von Erich Scheurmann gelesen. Der örtliche Kirchbauverein hat mit der Veranstaltung sein Kulturjahr 2015 eröffnet.

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Petra Kelling (l.) und Nadja Engel in Wernsdorf.

Quelle: Uta Schmidt

Wernsdorf. Eine heiter-besinnliche Lesestunde erlebte eine große Zuhörergemeinde am Sonnabend in der Wernsdorfer Dorfkirche. Der örtliche Kirchbauverein hatte mit der Veranstaltung „Immer wieder wächst das Gras“ von Petra Kelling und Nadja Engel sein Kulturjahr 2015 eröffnet und etwa 60 Gäste kamen. Die Vorfreude der Besucher galt sowohl der Lesung der Schauspielerinnen aus dem Buch „Der Papalagi“ von Erich Scheurmann als auch der Wiederbegegnung mit zwei Bekannten. Denn Petra Kelling und Tochter Nadja verbrachten nicht nur ihre Kindheit im Dorf, sondern die aus Film und Fernsehen bekannte Schauspielerin Kelling wählte vor drei Jahren Wernsdorf als Wohnort. „Ich bin schon gespannt. Ich kenne Petra noch aus der Schule“, sagte Siegrid Hoffmann.

Mutter und Tochter engagieren sich für das Miteinander der Bürger

Kelling und Engel engagieren sich seitdem für das gute Miteinander der Bürger, die kulturelle Bildung von Schülern sowie den Schutz der intakten Umwelt. Nicht zufällig wählten sie für ihre Lesung das 1920 erschienene Buch „Der Papalagi“. Es trägt den Untertitel „Reden des Südseehäuptlings Tuiavii aus Tiavea“ und wurde in Form eines Reiseberichts vom deutschen Maler und Schriftsteller Erich Scheurmann geschrieben, nachdem dieser ein Jahr lang auf Samoa gelebt hatte. Westsamoa war bis 1915 deutsche Kolonie. Das aus dem Samoanischen stammende Wort „Papalagi“ bedeutet im Samoanischen so viel wie „der Weiße“ oder „der Fremde“.

Das in naiver Sprache verfasste Buch beschreibt die fiktive Reise des Samoaners nach Europa und dessen Beobachtung der europäischen Lebensweise. Darin warnt er sein Inselvolk, die europäischen Wertevorstellungen zu übernehmen – mit den Worten „lieben wir unsere Sitten, bei denen einer nicht mehr hat als der andere“. Die Geschichte nimmt auf eigentümliche Weise heutige Zivilisationskritik an Europa vorweg. Kelling und Engel stellten drei von insgesamt elf „Reden“ vor. Vor allem die samoanische Sicht auf den Umgang der Europäer mit Geld stimmte die Zuhörer nachdenklich. Im Kapitel „Vom runden Metall und schweren Papier“ beschreibt der Häuptling das Geld als die wahre „Gottheit des weißen Mannes“. Sein Fazit: Die vielen Dinge, die der Mensch besitzt, machten ihn arm und nicht reich. Denn wer viele Dinge brauche, sei arm an Geist.

Kelling erinnerte an die einfache Kindheit im Dorf

„Bedeutet Fortschritt wirklich Fortschreiten der Menschheit?“, fragte Kelling vor dem fröhlichen Foto zweier Samoaner im Altarraum, erinnerte an die einfache Kindheit im Dorf nach dem Kriege und stieß damit eine kurze Debatte im Anschluss an die Lesung an. Bernhard Lehmann, der Vorsitzende des Kirchbauvereins, bestätigte, dass das Buch heute nichts von seiner Aktualität verloren habe.

Interessiert verfolgte auch Waltraud Stock den Lesenachmittag in der Kirche: „Wir sind im vorigen Jahr aus Zeuthen hierher gezogen und freuen uns über die kulturellen Angebote“, sagte sie. Weitere Höhepunkt werden das Sommerfest des Vereins auf der Kirchwiese am 4. Juli und das Dorffest am 22. August sein.

Von Uta Schmidt

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