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Dahme-Spreewald Gemeinde verkauft Vorflächen an Bürger
Lokales Dahme-Spreewald Gemeinde verkauft Vorflächen an Bürger
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00:28 18.07.2015
Die Zäune in der Thälmannstraße von Schulzendorf stehen rund vier Meter zu weit vorn. Quelle: Andrea Müller
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Schulzendorf

Dass Bürger Flächen der Gemeinde privat nutzen, damit soll nun Schluss sein. Schulzendorf will in seiner Grundstückskartei aufräumen und die sogenannten Vorflächen an die Anwohner verkaufen. Zuerst werden die Anwohner der Ernst-Thälmann-Straße an die Reihe kommen. Später soll Schritt für Schritt im ganzen Ort geprüft werden, wo Vorflächen von den Bürgern in das eigene Grundstück „eingemeindet“ wurden. Alle sollen diese Mini-Grundstücke dazu kaufen können. Wer nicht bezahlen kann, wird die Möglichkeit erhalten, zu pachten.

Seit Wochen ist das Thema in Schulzendorf. Zuletzt hatte in seiner jüngsten Sitzung der Hauptausschuss dazu diskutiert. Ins Rollen gekommen war der Stein durch den Bauantrag eines neuen Anwohners in der Thälmannstraße. Nach Aussagen von Bürgermeister Markus Mücke (parteilos) sah dieser sich vor dem Problem, dass das eigentliche Grundstück um rund vier Meter von der Straße selbst getrennt lag. Die Vorfläche dazwischen gehörte der Gemeinde Schulzendorf. Um überhaupt dort bauen zu können, musste das Problem gelöst werden. Der Bauherr bekam die Möglichkeit, die betreffende Fläche dazu zu kaufen. „In dem Zusammenhang wollen wir im gesamten Straßenbereich nun diesbezüglich rechtlich Ordnung schaffen“, so Mücke.

Entstanden war die groteske Situation nach Aussagen aus dem Rathaus in den 1930er Jahren. Damals war die Thälmannstraße im Zuge des Straßenbaus verengt worden. Zwischen den anliegenden Grundstücken und der dann neu entstandenen Straße bildeten sich Vorflächen. Mit der Zeit nutzten die Anwohner diese mit. Irgendwann wurden sie sogar mit dem eigenen Grundstück eingezäunt. So stehen die Zäune in der Straße nun rund vier Meter zu weit vorn. Dort sollen sie nach dem Willen der Verwaltung und auch der Gemeindevertreter bleiben. Allerdings sollen die Bürger diese Vorflächen nun dazu kaufen – und zwar zum gegenwärtigen Bodenrichtwert. Der liegt nach Auskunft des Gutachterausschusses für Grundstückswerte im Landkreis Dahme-Spreewald in der Ernst-Thälmann-Straße zwischen 65 und 100 Euro pro Quadratmeter. Bei einer Breite des Grundstücks von zehn Metern müsste der Eigentümer also zwischen 2600 und 4000 Euro bezahlen. Betroffen sind bis auf wenige Ausnahmen alle Anwohner.

„Wie viel Geld die Gemeinde damit einnehmen kann, haben wir noch nicht ermittelt“, sagt der Bürgermeister. Allerdings, so Joachim Kolberg, CDU-Fraktionsvorsitzender, gebe es bereits die Überlegung, mit diesem Geld ein Grundstück zu kaufen, damit das Tafelsilber Schulzendorfs unterm Strich erhalten bleibt. „Das wollen wir auf keinen Fall verscherbeln“, so der CDU-Mann. Ihm ist allerdings auch wichtig, dass von den betroffenen Bürgern nun keiner in finanzielle Not gerät. Deswegen sollten diejenigen, die es sich nicht leisten können, die Vorfläche zu kaufen, diese pachten können. „Gerade für ältere Menschen könnte das eine machbare Alternative sein“, meint Kolberg. Falls dies allerdings auch von Bürgern verwehrt würde, bliebe nur die Alternative, den Zaun zu versetzen. Dies würde jedoch das jetzt homogene Straßenbild zerstören. „Deswegen wird der Verkauf favorisiert“, erklärt der Gemeinde-Chef. Schon bald soll es für die Anwohner dazu nähere Auskünfte geben.

Christin Ferres gehört zu ihnen. „Ich warte jetzt erst einmal ab, wie sich das genau darstellt“, sagt sie. Ein bisschen ärgerlich findet sie es dennoch. Denn ihrer Familie sei bei Erwerb des Grundstücks versichert worden, sie könnten die Vorfläche einfach mitnutzen. Bei ihr wie bei vielen anderen in der Straße ist darauf nun ein Vorgarten entstanden, Wege sind angelegt, oftmals befinden sich dort die Anschlüsse für die Medien. Darum wird für die meisten gar nichts anderes übrig bleiben, als zu kaufen.

Von Andrea Müller

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