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Gepriesen und gehasst: Heinrich Mauersberger

Malimo-Erfinder aus Bestensee Gepriesen und gehasst: Heinrich Mauersberger

Heinrich Mauersberger war ein Bestenseer, der sein ganzes Leben viel tüftelte und erfand. Die berühmteste Erfindung ist wohl die Malimo-Nähwirktechnik. Sie wurde damals in der DDR erfunden und patentiert, das Patent schließlich von den Amerikanern gekauft. Die Malimo Technologie findet bis heute Anwendung. So in der Raumfahrt oder bei der Herstellung von Windkraft-Anlagen.

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Die Flügel der Windkrafträder werden mit der Malimo-Nähwirktechnik produziert.

Quelle: Gerlinde Irmscher

Bestensee. Heinrich Mauersberger kommt aus Bestensee. Er ist der Erfinder des Verfahrens Malimo. Zu DDR-Zeiten stand der Begriff vor allem für Geschirrhandtücher, Stoffkalender oder Kleider. Heute wird Malimo auf den verschiedensten Gebieten angewendet. Zum Beispiel in der Raumfahrt, bei der Herstellung von Windkraftflügeln, bei der Produktion von Traglufthallen, bei der Schalldämmung, der Auto-Produktion. In diesem Jahr jährt sich die Erfindung von Malimo zum 70. Mal. Heinrich Mauersberger arbeitete daran von 1946 bis 1949.

Mauersberger starb 1982 in Bestensee. Sein Grab ist bis heute auf dem Friedhof zu finden. Witwe Lisa Mauersberger ist noch immer in Bestensee zu Hause und hält das Andenken an ihren Mann in Ehren. Der ist inzwischen sogar Ehrenbürger der Gemeinde. Stolz zeigt Lisa Mauersberger auf die Urkunde aus dem Jahr 2009 an der Wand in ihrem Haus. „Ein Großteil seines Nachlasses habe ich für ein zukünftiges Heimatmuseum an die Gemeinde übergeben“, sagt sie. Mauersberger soll ebenso unvergessen sein wie sein DDR-Patent Nummer 8184, das später auch in den USA angemeldet wurde.

Hintergrund

Das Malimo-Verfahren wird verwendet zur Herstellung eines textilen Flächengebildes.

Dabei spielt es keine Rolle, was als Grundwerkstoff (Kettgut) verwendet wird, weil dieser durch die von Mauersberger erfundene Technologie übersteppt wird.

Der Vorteil gegenüber der Webtechnologie besteht darin, dass gleichzeitig mehrere Nadeln zum Einsatz kommen.

Als Kettgut kann fast jedes Material verwendet werden.

Heinrich Mauersberger, der 1909 in Neukirchen geboren wurde, musste in den Zweiten Weltkrieg ziehen, überlebte, geriet in Gefangenschaft, aus der er 1946 zurückkehrte. Seine Witwe kann sich daran erinnern, wie er ihr immer erzählte, danach gesucht zu haben, wie man den Leuten helfen könnte, aus der Armut zu kommen. Aus nichts etwas machen, dieser Gedanke habe ihn nicht mehr losgelassen. Schließlich ließ er sich zum Strickermeister ausbilden und baute eine eigene Strickmaschine. Lieber hätte er mit Stoffen gearbeitet. Doch nach dem Krieg gab es einfach nichts. Eines Abends aber sah Heinrich Mauersberger seiner ersten Frau beim Ausbessern einer Tischdecke zu. Da muss ihm der Einfall für das Verfahren gekommen sein, dass er später Malimo nannte. Der Name steht für Mauersberger, Limbach, Oberfrohna. Hier bekam er nämlich die Möglichkeit, seine Idee umzusetzen. Hier bekam er 5000 DDR-Mark, eine Betriebshalle und sechs Wochen Bedenkzeit zur Entwicklung seiner Maschine.

Tag und Nacht soll er gebaut und gegrübelt haben. Auf Mülldeponien kramte er nach Material, das er für seine Maschine gebrauchen könnte. Ganz schwierig sei das Problem mit der Nadel gewesen, die eine Zunge zum Klappen brauchte ähnlich wie beim Knüpfen. Schließlich stellte er die ersten Handtücher her, die er auf eigene Faust in Berlin an der Sporthalle in der damaligen Stalin-allee verkaufte. Hier lernte er seine Lisa kennen, die er später heirate. Beruflich folgte eine erste Präsentation auf der Leipziger Messe, dem Aushängeschild der DDR. Und tatsächlich. Das Wunder von Leipzig gelang und ein Amerikaner wurde auf die Nähwirktechnik mit dem seltsamen Namen Malimo aufmerksam. Heinrich Mauersbergers Patent war das erste, das in das kapitalistische Ausland verkauft werden konnte.

Heinrich Mauersberger präsentiert seine Malimo-Produkte

Heinrich Mauersberger präsentiert seine Malimo-Produkte.

Quelle: Andrea Müller

Dennoch war der ehrgeizige Mann nicht besonders beliebt unter den Machthabern der DDR. Zwar erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. Doch weil er nicht in die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) eintreten wollte, wurde ihm die Mitgliedschaft in der Kammer der Technik gekündigt und ein Redeverbot für Konferenzen erteilt. Man brachte ihn in die Psychiatrie, als er heftig dagegen vorging. Den Posten als Malimo-Institutsleiter wurde er los und die Einnahmen aus der Malimo-Lizenz zahlte man ihm nicht einmal teilweise aus. 1969 starteten westdeutsche Kollegen deswegen in einer Fachzeitschrift einen Solidaritätsaufruf mit der Überschrift „DDR-Erfinder nagt am Hungertuch“. Man reagierte in der DDR und ließ ihm eine Ehrenpension zukommen.

Lisa Mauersberger ist bis zum heutigen Tag stolz auf ihren Heinrich, auf sein Können, aber auch auf sein Durchsetzungsvermögen und die Fähigkeit, sich nicht verbiegen zu lassen. Als Wissenschaftler habe für ihn immer der Fortschritt im Mittelpunkt gestanden, als Mensch habe er stets sozial gedacht. Politisch hatte er seine Ansichten. Trotz seiner Verdienste hatte Mauersberger so keine Privilegien. Für ein Auto musste er – wie alle anderen DDR-Bürger auch – viele Jahre warten. 13 Jahre wartete er auf einen Wartburg, dessen Auslieferung er nicht erlebte. Die Malimo-Technologie wird heute in über 40 Ländern der Welt angewendet, auch wenn kaum noch jemand das Wort Malimo kennt und seinen Erfinder. Besonders in der Raumfahrt – die Weltraumanzüge der Astro- und Kosmonauten werden mit dieser Nähwirktechnik produziert – hat Malimo große Bedeutung. Aber auch im normalen Alltag spielt die Entdeckung Mauersbergers fast überall eine Rolle.

Von Andrea Müller

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