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Dahme-Spreewald Geschäftsmodell Einsamkeit
Lokales Dahme-Spreewald Geschäftsmodell Einsamkeit
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02:19 08.04.2018
Petra S. hat den Humor nicht verloren und sich das Leben inzwischen wieder gemütlich eingerichtet. Quelle: Franziska Mohr
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Bestensee

Heute fragt sich Petra S., wie sie als gestandene Frau von Mitte Fünfzig nur so gutgläubig sein konnte. Warum sie alle von Freunden und Bekannten geäußerten Warnungen in den Wind schlug. Freimütig bekennt die 55-Jährige: „Ich war verknallt wie ein Backfisch, taub für jeden Hinweis.“ So blieben ihr viele Tränen und eine bittere Erfahrung, die sie fast aus der Bahn geworfen hätte, nicht erspart.

Was war geschehen? Kurz nach dem Jahreswechsel 2014 wurde sie von einer Freundin gefragt, ob sie nicht ihr Abonnement für eine Single-Börse im Internet nutzen wolle. Die Gebühr sei noch für Monate bezahlt. Die Freundin hatte darüber einen tollen Mann kennengelernt, mit dem sie inzwischen sogar verheiratet ist. Für die 51-jährige Petra S., seit 2012 Witwe, war dies eine Chance. Sie änderte das dortige Profil und wartete, ob sich jemand meldet. Sie beschrieb sich als aufgeschlossene, gesellige Frau, die gern lacht und so manches Kilo zu viel auf die Waage bringt.

Der Mann ließ nicht locker

Das Profil sprach Männer zwischen 48 und 73 Jahren an. Darunter war auch der 49-jährige Herbert Vanth (Name von der Redaktion geändert) aus Bayern, der, wie sich später herausstellte, aber polizeilich bei Bronkow in Brandenburg gemeldet war. Da die Bestenseerin wenig Lust auf eine Fernbeziehung hatte, reagierte sie nicht.

Aber der Herr ließ nicht locker: Ihr Profil mit dem sympathischen Foto und dem lebensbejahenden Lachen habe ihn sofort angesprochen, er wolle sie unbedingt kennenlernen. Zudem sei er häufig in ihrer Nähe und habe eine Wohnung in Berlin. Komplimente, die nach drei Jahren Einsamkeit in den Ohren der kinderlosen Petra S. wie Musik klangen. Hatten doch die zahlreichen Erkrankungen ihres 14 Jahre älteren Mannes schon ihre letzten Ehejahre überschattet.

Erstes Rendezvous in Königs Wusterhausen

Also verabredete sich Petra S. zum ersten Rendezvous mit Herbert Vanth in einem Restaurant in Königs Wusterhausen. „Ich war total aufgeregt, nach mehr als 23 Jahren der erste neue Mann“, erinnert sich Petra S.. Er befand sich auf der Durchreise nach Görlitz, wo er angeblich ein Haus besaß.

Beide plauderten eine Stunde, er erzählte, dass er geschieden und gelernter Koch sei. Jetzt aber arbeite er auf Provision für einen kleinen Verlag als Außendienstmitarbeiter. Er sei viel unterwegs und müsse häufig auch an Wochenenden Schulungen organisieren. Telefonate könnten da stören, so dass er sie schon beim ersten Date bat, darauf möglichst zu verzichten. Stattdessen solle sie auf WhatsApp ausweichen. So wurden im Laufe der Monate hunderte WhatsApps ausgetauscht, während ihre ohnehin seltenen Telefonate fast ständig weggedrückt wurden.

Erste Warnungen von Freunden kamen schnell

Schon da kamen von Freunden die ersten Warnungen, dass mit diesem Herren etwas nicht stimme. Er aber war äußerst charmant, immer „very busy“ und er überhäufte sie per WhatsApp mit Komplimenten. Gelegentlich sahen sie sich auch, wobei er nicht selten bei geplanten Ausflügen oder Kurzurlauben in letzter Minute absagte, weil angeblich ein Kollege erkrankt war, die Schulung kurzfristig vorverlegt wurde oder es seiner Mutter schlecht ging. Petra S. erlag seinem Charme und zeigte Verständnis.

„Ich hatte Angst, wieder allein zu sein“, sagt sie heute. Das herrliche Gefühl, dass Leben wieder mit einem Menschen teilen zu können, habe alle Zweifel verdrängt. Als er sie nach Monaten endlich in sein vermeintliches Haus in Franken einlud, freute sie sich riesig. Sie verlebten schöne Tage. Als eigentümlich empfand Petra S. aber, dass sie offenbar niemand sehen sollte. Aber auch das wischte sie beiseite und genoss die schönen Stunden.

Petra S. gab dem Mann 1500 Euro für Rechtsanwaltsgebühren

Er zeigte ihr auch ein Haus bei Görlitz, gab ihr sogar die Schlüssel und meinte, sie könne hier auch wohnen, wenn sie ihm monatlich für Unkosten 150 Euro überweisen würde. Petra S. fuhr gelegentlich dort hin und sorgte für Ordnung. Er gestattete es ihr sogar, seine Briefe zu öffnen. Darunter befanden sich auch Mahnungen für nicht bezahlte Stromrechnungen sowie Post vom Job-Center. Als sie ihn fragte, ob er arbeitslos sei, hieß es, es gehe lediglich um einen Gerichtskosten-Zuschuss. Er benötige dringend 1500 Euro für Rechtsanwaltsgebühren. Petra S. gab sie ihm. Als er sie allerdings schon wenige Wochen später um weitere 30 000 Euro für eine angebliche Dachreparatur bat, sagte sie erstmals „Nein“.

Irgendwann verschwand Herbert Vanth für 14 Tage von der Bildfläche. Bei Petra S, die in einem Schönefelder Unternehmen als Buchhalterin arbeitet, blieb das sonst ständig summende Smartphone plötzlich stumm. Kein Anruf, keine WhatsApp – nichts. Als sie ihn anschließend zur Rede stellte, hieß es, dass er plötzlich geschäftlich auf die Kanaren fliegen musste. Tatsächlich verlebte er, wie sich herausstellte, mit einer anderen Frau dort schöne Urlaubstage. Die Warnungen der Freundinnen wurden lauter, verhallten aber weiterhin.

Mehr als 60 Frauen in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Bei einer Zusammenkunft kam plötzlich der Anruf einer Frau aus Espenhain. Als Petra S. stutzig wurde, reagierte er, der Charmeur, so gereizt, wie sie ihn noch nie erlebt hatte. Seine Besuche wurden zunehmend seltener, bis zu jenem Sonntag im Oktober 2015. „Den Tag werde ich nie vergessen“, sagt die Bestenseerin. Sie war völlig aufgelöst, konnte einfach nicht glauben, dass ihre Freunde Recht hatten. In ihrem Handy tauchte plötzlich eine WhatsApp-Gruppe auf, die alle Damen-Kontakte von Herbert Vanth offenlegte. „Ich möchte euch nur mitteilen, dass jede von euch nur eine unter vielen ist. Das war’s und goodbye“, hieß es.

Über den Urheber kann Petra S. bis heute nur spekulieren. Möglicherweise hat ein ehemaliger Komplize oder eine verschmähte Dame sein Handy gehackt. In der Gruppe waren offenbar über mindestens vier bis sechs Jahre über 60 Kontaktdaten von Frauen aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz verzeichnet. Einige verabschiedeten sich aus der Gruppe, andere aber wollten dem skrupellosen Treiben von Herbert Vanth auf den Grund gehen und traten untereinander in Kontakt.

Immer nach dem gleichen Muster

Schnell zeigte sich, dass Vanth immer nach gleichem Muster vorging. Es handelte sich fast ausnahmslos um kurvige, nicht ganz mittellose Frauen um die 50, die es bei der Partnersuche nicht einfach haben. Um eine Verwechslung auszuschließen, nannte er jede „Schatz“. Ein (Geld)-Schatz waren all die Frauen für ihn offenbar wirklich. Schließlich war Herbert Vanth mit seinem Geschäftsmodell Einsamkeit in mindestens zehn bis zwölf Single-Börsen aktiv.

Einst hatte er tatsächlich in einem Verlag gearbeitet, jetzt lebte er von Hartz-IV. Die Behörden waren ihm schon auf der Spur, weil ihnen bei der Überprüfung seiner drei Konten viele Zahlungseingänge ohne Verwendungszweck aufgefallen waren. Die Anzeigen einiger Frauen waren bisher nicht von Erfolg gekrönt. Viele händigten ihm nicht unerhebliche Geldbeträge ohne Nachweis aus. Drei Frauen nahmen sogar Kredite für einen Hauskauf auf. Herbert Vanth aber war klug genug, keiner der Damen die Ehe zu versprechen.

Häuser gehörten größtenteils betrogenen Frauen

Bei all seinen Dates war er, stets nur mit der Bahn unterwegs, auch ein Meister der Logistik. Die im Chat verbundenen Frauen rekonstruierten eines seiner „Geschäftswochenenden“ im September 2015. Demnach fuhr ihn ein erster „Schatz“ mit dem Auto zum Bahnhof Naumburg, wo er den Zug nach Bad Dürrenberg bestieg, um dort von Petra S., dem zweiten „Schatz“, abgeholt zu werden, die gemeinsam mit ihm den 80. Geburtstag ihrer Mutter feierte. Anschließend brachte sie ihn zum Zug nach Dessau, wo er einen dritten „Schatz“ besuchte.

Petra S. geht davon aus, dass Vanth in „ihrer“ Zeit noch sieben bis acht Liebesbeziehungen mit anderen Frauen unterhielt. Aufgeflogen ist auch der Schwindel mit „seinen“ Häusern, die nicht ihm, sondern größtenteils betrogenen Frauen gehörten, für die er dort angeblich nach dem Rechten sah.

In einigen Singlebörsebn ist Vanth noch immer aktiv

Heute fragt sich Petra S.: „Wie konnte ich nur auf diesen Typen reinfallen?“ Passieren kann dies jedem, da ist sie sich sicher. Die meisten Single-Börsen haben Herbert Vanth übrigens von ihren Portalen gestrichen. In einigen ist er aber mit seinem perfiden Geschäftsmodell noch immer aktiv. Heute kann Petra S. über die Affäre Herbert Vanth schon wieder lachen. In jedem Fall aber ist sie in Zukunft vorsichtiger.

Von Franziska Mohr

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