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Graffiti über Graffiti

Schmierereien aus der Sprühdose Graffiti über Graffiti

Im Mittenwalder Ortsteil Ragow wurden jetzt wiederholt Bushaltestellen, Stromkästen und Schilder beschmiert. Die Sprüher brachten vor allem Zahlen an, die sich im ganzen Ort wiederholen. Sie stimmen in den letzten drei Ziffern mit der Postleitzahl von Mittenwalde überein. Deswegen geht man im Ort davon aus, dass die Täter aus Ragow kommen. Die Polizei ermittelt.

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Beschmiert: Ein von Künstlern der Potsdamer Firma Art-Efx gestalteter Stromverteiler in Ragow.

Quelle: Fotos: Müller (2)

Ragow. Wiederholt sind jetzt in Ragow Sprüher durch den Ort gezogen und haben Stromhäuschen, Verteilerkästen, Bushaltestellen und Schilder mit Zahlen und Schimpfwörtern versehen. Die Polizei ermittelt.

Maja Buße, Ortsvorsteherin und Stadtverordnete in Mittenwalde (CDU), ist entsetzt. „Das ist ja schon ein paar Mal passiert, aber dieses Mal hat es eine neue Qualität erreicht“, sagt sie. Betroffen zeigt sie auf den Stromverteiler am Spielplatz im Ragower Lindenring. Über dem Bild mit dem stolzen Fuchs steht in roter Krakelschrift das Wort „Nutte“. Darunter sind zweifarbig drei Zahlen notiert: 749. Die Ortsvorsteherin hat sich nach der Bedeutung bereits erkundigt. „Auf diese Weise hinterlassen die Sprüher wohl, woher sie kommen“, meint sie. Die Zahlen seien die letzten der Postleitzahl. Ragow, das zu Mittenwalde gehört, führt die Postleitzahl 15749. „Wir müssen davon ausgehen, dass Jugendliche von hier das gemacht haben“, so Buße.

Ein paar Meter weiter in Richtung Brusendorf steht ein Stromverteiler von Eon Edis. Er ist mit grünen Blättern bemalt gewesen. Jetzt stehen in goldener und weißer Schrift mehrmals drei Buchstaben darauf. „Sinnlos“, meint Buße. „Die müssen wirklich einfach Langeweile gehabt haben.“ Sie ist vor allem entsetzt darüber, dass die Vandalen dieses Mal keinen Halt vor jenen Stromhäuschen und Verteilern gemacht haben, die vor etwa fünf Jahren von Künstlern mit Bildern aus der Sprühdose verziert worden waren. „Ich habe damals so dafür gekämpft, dass wir auch in Ragow solche schönen Stromhäuschen bekommen“, erinnert sich die CDU-Frau.

Fast überall im Landkreis Dahme-Spreewald sind die Stromhäuschen mit Graffiti verziert worden. Eine Potsdamer Firma hatte das übernommen. Meist werden darauf ortstypische Ansichten, Sehenswürdigkeiten und Motive aus Fauna und Flora mit Farben aus der Spraydose in Szene gesetzt. In Königs Wusterhausen am Kreisverkehr findet man etwa Motive mit Wasser wegen der Nähe des Nottekanals. In Ragow wurde ein solches Häuschen mit der Paul-Gerhardt-Kirche verziert. Am Lindenring suchten sich die Künstler den Fuchs aus, der auf einer Wiese mit blauen Blümchen steht und wohl Ausschau nach Beute hält.

In Ragow ärgert man sich über den finanziellen und ideellen Schaden. „Momentan wissen wir noch gar nicht, ob die Schmierereien über den Bildern so einfach entfernt werden können, ohne das darunter befindliche Kunstwerk zu zerstören“, so die Ortsvorsteherin. Norbert Schubert, er ist Stadtarbeiter, hat einige der Schäden bereits behoben. „Mit Graffiti-Reiniger geht das einigermaßen“, sagt er. Mit der chemischen Keule brachte er die drei betroffenen Bushaltestellen wieder in Ordnung. Eine Farbe allerdings halte sich hartnäckig. „Lila will nicht abgehen“, berichtet Schubert. Auch die Krakelei mit jenen drei Zahlen auf einem gemeindeeigenen Stromkasten habe er beseitigt. Der befindet sich im Stegepfuhl. Für Maja Buße ist diese Adresse ein Zeichen dafür, dass die Täter mit ihren Sprühdosen wirklich durch den ganzen Ort gezogen sind. Ein Indiz dafür sei auch, dass der Stadtarbeiter Dosen verschiedener Farben gefunden hat. In Ragow wird gemutmaßt, dass die jungen Leute erst irgendwo gefeiert haben, anschließend zum Sprühen aufgebrochen seien.

„Die Polizei war vor Ort und hat das alles aufgenommen“, berichtet Maja Buße, die selbst in der Vergangenheit versucht hatte, solche negativen Aktivitäten etwas zu lenken. So konnten Jugendliche eine große Wand am Jugendklub mit Graffiti gestalten. Darüber hinaus sollten sie die Möglichkeit erhalten, eine Litfaßsäule nach Lust und Laune zu besprühen. Die sollte dann von Zeit zu Zeit immer wieder geweißt werden, damit es wieder Platz gibt. Nun muss Maja Buße feststellen: Geholfen hat das nicht.

Graffiti-Schmierereien sind ein Phänomen, das ganz Deutschland beschäftigt. Laut Städte- und Gemeindebund werden mit Farben aus der Sprühdose Schäden von alljährlich zwischen 200 und 400 Millionen Euro angerichtet. Oftmals ziehen Gangs durch die Straßen und hinterlassen ihre Tags. Das sind Signaturkürzel, die das Pseudonym eines sogenannten Writers (aus dem Englischen für Schreiber) darstellen. Maja Buße geht davon aus, dass auf dem grünen Stromkasten solche Tags angebracht wurden.

Von Andrea Müller

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