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Dahme-Spreewald Wie das Amt Schenkenländchen um die Abiturstufe kämpft
Lokales Dahme-Spreewald Wie das Amt Schenkenländchen um die Abiturstufe kämpft
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01:15 17.03.2019
Müsste für eine gymnasiale Oberstufe deutlich erweitert werden: Das Gebäude der Grund- und Oberschule Schenkenland. Quelle: Karen Grunow
Groß Köris

Vor wenigen Wochen hat Oliver Theel mal wieder einen Brief an den Landkreis geschrieben. Der Tenor: Die Schülerzahlen in Groß Köris entwickeln sich planmäßig, man möge doch noch einmal darüber nachdenken, eine gymnasiale Oberstufe an der dortigen Grund- und Oberschule einzurichten.

Die Antwort aus dem Lübbener Schulverwaltungsamt kam prompt, sie war negativ. Die Schülerzahlen in Groß Köris würden für eine gymnasiale Oberstufe leider derzeit nicht reichen, hieß es.

Oliver Theel war nicht überrascht. Die Argumentation war die gleiche wie immer, und Theel, Amtsdirektor im Amt Schenkenländchen, reagierte deshalb auch so wie immer. Er zuckte mit den Schultern und tat, als sei der Inhalt bedeutungslos. „Solche Schreiben ignoriere ich“, sagt er. „Der Kampf geht weiter.“

Ringen geht ins vierte Jahr

Dabei wäre es auch verständlich, wenn bei Theel langsam Ermüdungserscheinungen einsetzen würden. Denn das Ringen um eine Abiturstufe im 2300-Einwohner-Ort Groß Köris geht inzwischen ins vierte Jahr. Eine Zeit lang sah es zwar recht gut aus. Der Kreistag hatte den Wunsch unterstützt und mehrfach beschlossen, dass eine Abiturstufe in Groß Köris eingerichtet werden soll. Dazu gekommen ist es aber trotzdem nicht. Denn obwohl eine Machbarkeitsstudie der Schule das Potenzial zuerkannte, argumentierte der Landkreis im Schulentwicklungsplan dagegen.

Das Bildungsministerium genehmigte daraufhin eine weitere gymnasiale Oberstufe in Königs Wusterhausen, für Groß Köris aber verwehrte man sie. Die Argumente könne er bis heute nicht nachvollziehen, sagt Theel. „Die Aussagen im Schulentwicklungsplan sind schlicht falsch.“

Weber: Mehr als 50 Orte betroffen

Theel ist nicht der einzige, der sich für eine Abiturstufe in Groß Köris einsetzt. Das ganze Amt Schenkenländchen steht hinter der Idee, es gibt viele Eltern, die sich dafür stark machen, auch Kreispolitiker finden den Gedanken nach wie vor charmant. Karin Weber von den Linken etwa redete erst Anfang Februar im Kreistag dem Landrat wieder ins Gewissen: Mehr als 50 Gemeinden und Ortsteile seien von der Absage der Abiturstufe betroffen. „Ich habe den Eindruck, dass das Ziel, den ländlichen Raum zu stärken, verloren geht“, so Weber.

Rein geografisch spräche tatsächlich einiges für eine gymnasiale Oberstufe in Groß Köris. Es gibt zwar schon elf Schulen im LDS, an denen Abitur möglich ist. Aber drei davon sind Privatschulen. Und die acht staatlichen liegen entweder ganz im Norden oder ganz im Süden des Landkreises. Auf den 50 Kilometern dazwischen herrscht Abiturwüste. Im Amt Schenkenländchen geht man deshalb davon aus, dass das Projekt auch für Schüler aus Mittenwalde, Bestensee und Heidesee interessant sein könnte.

Theel: Haben Schule stabilisiert

Die Schule in Groß Köris war zuletzt freilich bei den Schülern nicht sonderlich beliebt, das räumt auch Oliver Theel ein. Er meint auch die Gründe dafür zu kennen: Das Gebäude ist zu klein, einige Räume liegen im Keller, zudem schleppt die Schule einen schlechten Ruf mich sich herum, der aus einer schwierigen Zeit um 2010 stammt.

„Inzwischen haben wir aber unsere Hausaufgaben gemacht und die Schule stabilisiert“, sagt Theel. Der Binnenklima soll besser sein, baulich wird das Haus demnächst um zehn Räume erweitert. Zudem hat die Amtsverwaltung zusammen mit der Verkehrsgesellschaft RVS auch die Busanbindung deutlich verbessert. Und die Einwohnerentwicklung im Amt tut ihr Übriges. Die Schülerzahlen legen seit Jahren in allen Altersgruppen zu. „Wir haben inzwischen ausreichend Kinder“, sagt Theel.

Für eine Grund- und Oberschule stellt das auch niemand mehr infrage. Für eine gymnasiale Oberstufe reichen die Schülerzahlen aber trotzdem nicht aus, heißt es aus dem Kreis. Und das ist der Punkt, an dem alles zur Interpretation wird.

Schulgesetz schreibt zwei elfte Klassen vor

Denn das Schulgesetz schreibt für die Einrichtung einer Abiturstufe nur vor, dass mindestens zwei elfte Klassen gebildet werden können, und das über fünf Jahre hinweg. „Das wären 54 Schüler pro Jahr, das kriegen wir hin“, sagt Oliver Theel. Abfragen unter Eltern scheinen die Annahme zu bestätigen. Einen Beweis kann Theel aber nicht erbringen. Es gibt ja keine Abiturstufe.

Land und Kreis reichen diese optimistischen Annahmen aber nicht. Immerhin hängt eine zweistellige Millioneninvestition an der Entscheidung, auch Lehrpersonal müsste aufwändig gesucht werden. Da will man auf Nummer sicher gehen.

Stabile Oberschülerzahl gefordert

Land und Kreis fordern deshalb von den Groß Körisern erst einmal eine stabile Oberschülerzahl. Die Schule soll mindestens 108 Siebtklässler aus dem eigenen Gemeindegebiet anziehen, und das über vier Jahre hinweg. Dann könne man über die Einrichtung einer Abiturstufe reden, heißt es aus dem Kreis.

108 Siebtklässler pro Jahr sind viel. In diesem Schuljahr haben nur 49 die Oberschule Groß Köris angewählt. Das waren mehr als im vorigen Jahr, aber eben längst keine 108. Ziel also klar verfehlt? Beim Kreis sieht man es so.

Gymnasiasten fehlen in der Rechnung

Der gelernte Ökonom Theel aber sieht es völlig anders – und seine Argumente klingen logisch. Denn erstens, sagt Theel, sind rund 60 Prozent der Schüler aus dem Schenkenländchen und dem umliegenden Gemeinden Abiturienten. „Die können unsere Schule bisher gar nicht anwählen. Deshalb ist es kein Wunder, wenn nur so wenige zu uns kommen.“

Und zweitens, sagt Theel, können die Schüler, die derzeit kommen, deshalb auch kaum ausschlaggebend für eine Abiturstufe sein. „Denn selbst wenn wir 108 Siebtklässler hätten, hätte keiner davon eine Gymnasialempfehlung“, so Theel.

Bei Landkreis und Land kommen diese Argumente bislang nicht an. Aber immerhin wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet. Auch der Kreistag will sich dem Thema nun noch einmal widmen. Das ist eine Folge des Briefs, den Theel geschrieben hat. Auf solche Erfolge baut er. „Wir wissen, dass wir aktuell blockiert sind“, sagt Theel. „Aber wir bleiben am Ball. Denn wenn wir aufhören, haben wir verloren.“

Von Oliver Fischer

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