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Große Unterschiede zwischen Kommunen

Kita-Gebühren in der Region Große Unterschiede zwischen Kommunen

Die Beiträge für die Kinderbetreuung unterscheiden sich sehr stark in den Kommunen der Landkreise Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming. In Ludwigsfelde bezahlen Eltern für die Betreuung ihres Kindes am wenigsten, teurer wird es in Luckenwalde oder Schönefeld.

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Eine Erzieherin und Kinder der Kita „Brüderchen und Schwesterchen“ in Königs Wusterhausen.

Quelle: Gerlinde Irmscher

Dahmeland-Fläming. Die Beiträge für die Kinderbetreuung unterscheiden sich sehr stark in der Region. Das hat eine landesweite Erhebung der Bürgerinitiative für beitragsfreie Krippen- und Kitaplätze ergeben. In der Studie wurden acht Städte und Gemeinden aus dem Einzugsgebiet Dahmeland-Fläming berücksichtigt. In Teltow-Fläming gibt es derzeit 111 Kindertagesstätten, im Landkreis Dahme-Spreewald sind es etwa 120.

Beim Vergleich der Gebühren wird deutlich, dass die Kitabetreuung in Ludwigsfelde am günstigsten ist. Eine bis zu zehnstündige Betreuung eines Krippenkindes ohne Verpflegung kostet dort zwischen 125 und 129 Euro, wenn die Eltern ein Bruttoeinkommen von 50 000 Euro haben. „Wir sind von acht Stunden Arbeitszeit plus Fahrtweg ausgegangen, denn viele, die im Speckgürtel wohnen, arbeiten in Berlin und brauchen längere Betreuungszeiten, etwa 50 Stunden pro Woche“, sagt der Vorsitzende der Elterninitiative, Danilo Fischbach, zu den Kriterien der Studie.

Aufgaben von Kindertagesstätten

Nach dem Kita-Gesetz erfüllen Kindertagesstätten einen eigenständigen alters- und entwicklungsadäquaten Betreuungs-, Bildungs-, Erziehungs- und Versorgungsauftrag.

Die Bildungsarbeit der Kita unterstützt die natürliche Neugier der Kinder, fordert ihre Bildungsprozesse heraus, greift die Themen der Kinder auf und erweitert sie. Die Kitas ergänzen die familiäre Erziehung und ermöglichen den Kindern Erfahrungen über den Familienrahmen hinaus.

Der eigenständige Bildungsauftrag der Kindertagesstätten schließt ein, die Kinder in geeigneter Form auf die Grundschule vorzubereiten. Die Kitas sind berechtigt und verpflichtet, bei den von ihnen betreuten Kindern im letzten Jahr vor der Einschulung den Sprachstand festzustellen.

Einrichtungen in freier Trägerschaft können diese Aufgabe auch für Kinder durchführen, die in keinem Betreuungsverhältnis zu einer Kindertageseinrichtung stehen; kommunale Einrichtungen sind hierzu verpflichtet.

In Blankenfelde-Mahlow kostet der gleiche Betreuungsfall 140 Euro, in Zossen sind es 178 Euro. Rangsdorf liegt bei 180 Euro. Noch teurer wird es in Großbeeren mit 230 Euro, sechs Euro mehr kostet die Betreuung in Schönefeld. In Luckenwalde müssen Eltern 286 Euro, in Jüterbog 292 Euro und in der Gemeinde Am Mellensee 300 Euro bezahlen. Weil die Satzungen unterschiedliche Zahlen und Berechnungsgrundlagen beinhalten, ist es schwierig, alle Städten und Gemeinden der Region in den Vergleich einzubeziehen. So kostet etwa in Königs Wusterhausen eine bis zu zehnstündige Betreuung maximal 281,40 Euro, die Höchstgebühr in Wildau beträgt monatlich 263 Euro.

Kritik vom neuen Kita-Elternbeirat

Der Vorsitzende des Kita-Elternbeirates im Landkreis Teltow-Fläming, Mathias Vogel, kritisiert die unterschiedlichen Beitragshöhen in den einzelnen Kommunen. Er hat es sich zusammen mit den Vertretern des Elternbeirates zur Aufgabe gemacht herauszufinden, warum sich die Gebühren so drastisch unterscheiden. „Es ist absolut ungerecht und unglaublich, welche Unterschiede es gibt. Der Elternbeirat möchte mehr Transparenz bei der Berechnungsgrundlage der Gebühren schaffen“, sagt er. Mathias Vogel plädiert dafür, dass auf Landesebene darüber diskutiert wird, die Gebühren zu vereinheitlichen. „Das wäre fair, damit niemand bevor- oder benachteiligt wird.“ Eigentlich würde er sich eine Beitragsfreiheit wünschen.

Spaß in der Kita

Spaß in der Kita.

Quelle: dpa

Axel Hagedorn, Initiator des Kreiskitarates in Dahme-Spreewald, kritisiert ebenfalls die unterschiedlichen Beitragshöhen und pocht auf eine beitragsfreie Kinderbetreuung. „Es wäre ja schon mal ein Anfang, die Beitragsfreiheit ab dem zweiten Kind durchzusetzen“, sagt er. „Die Kita ist für Bildung zuständig und Bildung sollte kostenfrei sein, wie die Schule“, so Hagedorn. Am Sonnabend, wenn der Kreiskitarat Dahme-Spreewald gewählt wird, werde sich zeigen, welche weiteren Pro-bleme die Kitas im Landkreis haben, sagt er. Auch dann werde das Thema noch einmal diskutiert. Bei der Kita-Bedarfsplanung wollen die Kommunen Zeuthen, Eichwalde und Wildau eng zusammenarbeiten.

Kommunen legen Gebührenhöhe fest

Wie setzen sich die Gebühren für die Betreuung eines Kindes aber nun zusammen? „Das legen die Träger der Kindertagesstätten fest“, sagt Carsten Saß, Jugenddezernent des Landkreises Dahme-Spreewald. Die Elternbeiträge werden bei den kommunalen Trägern in Satzungen und bei den freien Trägern in Gebührenordnungen festgeschrieben. Die meisten Gemeinden haben bei der Berechnung der Gebühren eine Mischkalkulation.

„Geregelt ist das im Kita-Gesetz und in der Kitabetriebskosten- und Nachweisverordnung“, sagt Saß. In die Betriebskosten werden Personal- und Sachkosten eingerechnet, unter anderem Gebühren für Miete oder Pacht, Heizungskosten, Wasser, Energie, öffentliche Ausgaben, Spiel- und Beschäftigungsmaterial, Kosten für Verpflegung, Reinigung und die notwendigen Verwaltungskosten des Trägers, erklärt Saß. Jedes pädagogische Konzept erfordere zudem unterschiedlichen Aufwand, auch die Versicherungskosten und der Erhaltungsaufwand für die Spielanlagen seien sehr unterschiedlich. Durch diese Faktoren ergebe sich eine große Spreizung der Gebühren.

Staffelung der Gebühren nach Einkommen

„Ich denke schon, dass für unterschiedlichen Aufwand auch unterschiedliche Gebühren angebracht sind“, sagt der Jugenddezernent. „Wenn man eine vernünftige Leistung haben will, sollte die was wert sein. Ein großer pädagogischer Aufwand muss refinanziert werden.“ Die Staffelung der Gebühren nach Einkommen ist für Saß gerecht und sozial ausgewogen. „Eltern, die sehr wenig verdienen, können auch beim Jugendamt eine komplette Gebührenübernahme beantragen“, sagt der Sozialexperte. Nach dem Kindertagesstättengesetz in Brandenburg werden die Elternbeiträge sozialverträglich gestaltet und nach dem Elterneinkommen, der Zahl der unterhaltsberechtigten Kinder sowie dem vereinbarten Betreuungsumfang gestaffelt.

Unterschiedliche Personal- und Sachkosten

Auch Katrin Melzer, Mitarbeiterin bei der Kreisverwaltung Teltow-Fläming, akzeptiert, dass die Platzgebühren in den Kindertagesstätten sehr variieren. Das hänge mit unterschiedlichen Personal- und Sachkosten zusammen. Insgesamt werden die Kosten zur Betreuung eines Kindes neben den Elternbeiträgen durch die Eigenleistungen des Trägers der Einrichtung, durch die Gemeinde und durch Zuschüsse des Jugendamtes gedeckt, sagt Melzer.

Diese Antworten sind für Danilo Fischbach unzureichend. Der Familienvater versteht noch immer nicht ganz, was alles genau in den Kosten für einen Kitaplatz enthalten ist. Seit Anfang 2015 versucht er, die Zusammensetzung transparent zu machen und wird dafür auch weiter kämpfen. „Ich habe noch immer nicht alles verstanden, es ist ein Prozess“, sagt er. Klar ist für ihn: Bildung ist ein Menschenrecht, das frei von Gebühren sein sollte. Fischbach: „Berlin macht es uns vor.“

Von Melanie Höhn

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