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Dahme-Spreewald Große Verantwortung, geringe Wertschätzung
Lokales Dahme-Spreewald Große Verantwortung, geringe Wertschätzung
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12:45 31.03.2016
Tägliche Blutdruckkontrolle: Die Auszubildende Sabrina Donath (r.) betreut Inge Kaschinsky im ASB-Seniorenwohnheim. Quelle: Anja Meyer
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Dahmeland-Fläming

Bevor Sabrina Donath zu Inge Kaschinsky geht, prüft sie noch einmal ganz genau, ob sie die richtigen Medikamente für die 85-Jährige zusammengestellt hat. Im roten Gläschen liegt eine Tablette gegen Magenbeschwerden, alles richtig. Die Altenpflege-Auszubildende klopft und betritt das kleine Zimmer des Ludwigsfelder Seniorenwohnheimes. Bewohnerin Inge Kaschinsky sitzt auf ihrem Sofa, im Fernsehen läuft eine Serie. Die Seniorin ist gut drauf, der abendliche Besuch der Altenpflegerin ist für sie eine schöne Abwechslung. Ein kurzer Plausch, dabei schiebt sie selbst den Ärmel ihres Pullovers hoch. Sabrina Donath setzt das Blutdruckmessgerät an und wartet aufs Ergebnis: Alles in Ordnung.

Die tägliche Blutdruckkontrolle ihrer Klientin ist für Sabrina Donath Routine. Seit mehr als drei Jahren arbeitet die 28 Jahre alte Ludwigsfelderin mit pflegebedürftigen Senioren. Sie möchte nichts anderes mehr machen. „Die Arbeit erfüllt mich“, sagt Sabrina Donath. „Ich spüre, wie dankbar die Menschen sind.“ Angefangen hat sie, die gelernte Restaurantfachfrau, als Pflegehelferin in der Hauskrankenpflege. Später wechselte sie in dieser Position in das Seniorenwohnheim des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB).

Fachkräfte werden in der Altenpflege immer gesucht

Doch sie wollte mehr, wollte nicht für immer Pflegehelferin bleiben. Vor allem wollte sie mehr wissen über die alten Menschen und ihre speziellen Bedürfnisse. „Ich interessiere mich sehr für Wunden“, erzählt sie. „Mich fasziniert es, wie die Wunde sich regeneriert und man diesen Prozess unterstützen kann.“ Sabrina Donath wollte stärker medizinisch tätig sein. Aus diesem Grund entschied sich die alleinerziehende Mutter im vergangenen Jahr zur Ausbildung als Fachkraft für Altenpflege.

Altenpflegeausbildung

Die Ausbildung zur Fachkraft für Altenpflege dauert drei Jahre, die zum Pflegehelfer ein Jahr.

Viele Pflegehelfer lassen sich nach einigen Berufsjahren noch zum Altenpfleger weiterbilden.

Voraussetzungen sind: Ein erweiterter Hauptschulabschluss, körperliche Eignung und der Wille, mit alten Menschen in ihrer letzten Lebensphase zusammenzuarbeiten.

Die Bundesregierung debattiert darüber, die Ausbildungen für Kranken- und Kinderkranken- und Altenpfleger zu einer einheitlichen Pflegeausbildung zusammenzufassen und sie zu modernisieren.

Hintergrund dieser Diskussion ist der Mangel an Fachkräften in der Altenpflege.

Kritiker fürchten eine Verflachung der Ausbildungsinhalte.

Altenpfleger haben einen der krisensichersten Jobs in der Region, sie werden immer gesucht. Die Zahl der Pflegefälle steigt in Zeiten des demografischen Wandels jährlich weiter an. Während im Landkreis Dahme-Spreewald im Jahr 2005 noch 4657 Menschen pflegebedürftig waren, waren es 2013 schon 5770, für 2030 werden gut doppelt so viele Pflegefälle prognostiziert. In Teltow-Fläming dürften sich die Daten in einem ähnlichen Rahmen bewegen. Gleichzeitig schließen für diesen erhöhten Fachkräftebedarf nicht genügend Menschen eine Ausbildung in der Altenpflege ab. Die Träger von Senioreneinrichtungen und ambulanten Pflegediensten sind ständig auf der Suche nach qualifizierten Fachkräften.

Hohe Abbruchquoten bei der Ausbildung

So geht es auch Susan Malszewski, die als Personalchefin beim ASB-Regionalverband Mittelbrandenburg sowohl Altenpfleger als auch Pflegehelfer für die ASB-Einrichtungen in Ludwigsfelde, Luckenwalde, Rangsdorf, Zeuthen, Mittenwalde, Königs Wusterhausen, Senzig und Märkisch Buchholz einstellt. „Es wird zunehmend schwieriger, qualifizierte Fachkräfte zu finden“, sagt sie. „Bei uns ist eigentlich immer mindestens eine Stelle frei.“ Künftig werde sich die Situation noch weiter zuspitzen, mutmaßt sie. Deshalb bemühe sich der Träger, die Arbeitsbedingungen so attraktiv wie möglich zu gestalten: Feste Betreuer, flache Hierarchien und regelmäßige Fortbildungen für Altenpfleger zählen dazu.

Dabei ist das reine Interesse an der Ausbildung gar nicht einmal das Problem. Das berichtet Medizinpädagogin Gabriele Peisker von der Schule für Gesundheitsberufe in Luckenwalde. In der Region absolvieren die meisten angehenden Kranken- und Altenpfleger den theoretischen Teil ihrer dreijährigen Ausbildung an der zum DRK-Krankenhaus gehörenden Schule. Wie Gabriele Peisker erzählt, seien die Altenpflegeklassen zu Beginn des ersten Ausbildungsjahres noch gut ausgelastet. „Aber die Abgänge in der Praxis sind hoch, darüber sind wir schon ein bisschen traurig“, sagt Gabriele Peisker. Zu den häufigsten Abbruch-Gründen zählen neben einer Schwangerschaft das Nichtbestehen der Probezeit oder der Prüfungen.

Geringe Wertschätzung in der Gesellschaft

„Die Altenpflegeausbildung ist sehr anspruchsvoll“, erläutert Gabriele Peisker. Sie stehe den Ansprüchen an Gesundheits- und Krankenpfleger in nichts nach, der Schulstoff ähnele sich. In der Theorie sind beide Ausbildungen gleichwertig, in der Praxis nicht. Altenpflegern hafte ein deutlich schlechteres Image an. „Ich habe schon von Patienten gehört, die sagten, sie wollten von einem richtigen Krankenpfleger betreut werden und nicht nur von einem Altenpfleger“, erzählt Gabriele Peisker. Außerdem wird die Ausbildung im Ausland nicht anerkannt – die des Krankenpflegers schon. Die Medizinpädagogin befürwortet deshalb die von der Bundesregierung geplante Vereinheitlichung beider Ausbildungen.

Katharina Ringleb dokumentiert Pflegeschritte auf ihrer Station. Quelle: Anja Meyer

Katharina Ringleb weiß um das schlechte Image ihres angestrebten Berufes. Wie Sabrina Donath ist sie Altenpflege-Auszubildende im Ludwigsfelder ASB-Seniorenwohnheim. Sie wird in diesem Jahr fertig und freut sich auf viele weitere Jahre in ihrem Beruf. „Ein Danke und ein Lächeln der Klienten sind eine tolle Anerkennung“, sagt die 29-Jährige. In der Gesellschaft fehle diese Anerkennung jedoch. „Viele Menschen denken noch, wir sind die Po-Abwischer vom Dienst“, sagt Katharina Ringleb. Windeln wechseln, waschen, füttern sind typische Klischee-Tätigkeiten ihres Berufes. Dass Altenpfleger auch Katheter legen, würde kaum jemand wissen.

Der Job erfordert menschliche Reife

Auch Katharina Ringleb hat vor ihrer Ausbildung schon als Pflegehelferin gearbeitet. Während ihrer Tätigkeit in einer Demenz-WG war sie in Nachtschichten mit 18 Demenzpatienten allein. „Ich fühlte mich da oft überfordert“, erinnert sie sich. Sie wollte fachlich mehr lernen, deshalb entschied sie sich für die Ausbildung. „Nach der Schule hatte ich mir das noch nicht zugetraut.“ Jetzt ist sie froh, immer mehr über klassische Krankheitsbilder, Medikamente und den menschlichen Körper in seiner letzten Lebensphase zu lernen. Das Wissen mache sie sicherer und selbstbewusster.

Direkt nach der Schule, Katharina Ringleb hat die erweiterte Berufsbildungsreife abgelegt, hätte sie sich die Ausbildung noch nicht zugetraut, sie hatte Angst vor der Theorie. Der Mut kam erst später. So gehe es vielen Auszubildenden, die Mitschüler in ihrer Klasse sind bis zu 53 Jahre alt. Personalchefin Susan Malzewski weiß darum, sie sieht es positiv. „In dem Beruf hat man mit Menschen in letzter Lebensphase zu tun“, sagt sie. „Dazu gehört eine gewisse Reife.“

Von Anja Meyer

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