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Günter Böhme betätig sich jeden Tag künstlerisch

Schulzendorf Günter Böhme betätig sich jeden Tag künstlerisch

Günter Böhme fertig Malerei, Grafik und Keramik. Seine Kunst entsteht in zwei Ateliers. Im Sommer arbeitet er in Schulzendorf. Sein anderes Atelier befindet sich in einem Zweifamilienhaus in Berlin-Karlshorst. Er lebt dort während des Winters.

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Günter Böhme arbeitet jeden Tag künstlerisch.

Quelle: Heidrun Voigt

Schulzendorf. Der Weg zu Günter Böhmes Sommeratelier führt durch den Garten. Überall finden sich kleine Inszenierungen unter dem Novemberhimmel. Alte Hohlziegel kunstvoll aufgeschichtet, eine Metallskulptur erinnert an einen Schiffsrumpf, Torsos aus hellem Stein, Fundstücke aus der Natur als Mosaik an der Wand des Sommerhauses. „Die Keramiken habe ich schon reingeräumt und die blaue Säule dort ist schon frostsicher verpackt“, erzählt der Künstler, während er die Tür zum Atelier öffnet.

Überall Bilder

Durch einen engen Flur gelangt man in einen etwa zwölf Quadratmeter großen Raum. Überall Bilder – an die Wand gelehnt, auf den Tischen gestapelt, der Schrank ist zugebaut, nur ein kleiner Tisch mit einem Kofferradio und Büroutensilien ist frei. Daneben erweitert sich der Raum: ein etwa drei Quadratmeter großes Rechteck. Durch die knietiefen Fenster fällt Novemberlicht. Auf einem bunten Flickenteppich steht eine Staffelei, davor ein Hocker.

Das Bild auf der Staffelei ist bereits gerahmt Es gehört zur abgeschlossenen Serie „Verspannungen“. Es sind Farbfelder, die ineinandergreifen und sich auflösen. Die Anordnung in der Vertikalen und Horizontalen baut Spannungen auf. „Letztendlich sind das alles Sinnbilder für mich, Befragungen. Nichts steht für sich allein. Es gibt Beziehungen, die nach außen und nach innen gehen“, meint Günter Böhme mit Blick auf diese Arbeit. Der Maler betont, dass er in erster Linie für sich male. „Mich bildhaft auszudrücken, war mir immer wichtig; ich brauche das für mein Seelenheil.“ Der 77-Jährige erzählt, dass er ein Frühaufsteher sei, aber keine festen Arbeitszeiten habe. „Wenn es mich packt, versuche ich anderen Verpflichtungen aus dem Weg zu gehen und nur zu malen“, gesteht er lächelnd. Das funktioniere aber nur, weil seine Frau viel Verständnis habe und „das schon ewig mitmacht“. Böhmes anderes Atelier befindet sich in einem Zweifamilienhaus in Berlin-Karlshorst. Er lebt dort während des Winters. Im Keller steht eine Druckpresse für Grafiken.

Kunstpädagoge aus Überzeugung

20 Jahre hat Günter Böhme als Kunstpädagoge gearbeitet – aus Überzeugung, wie er betont. Er hat am Institut für Kunsterziehung an der Humboldt-Universität Berlin studiert. „Ich finde es wichtig, junge Leute zu fördern, damit sie eine Beziehung zur Kunst aufbauen können“, fasst er es zusammen. „Die Situation crashte an den Bildungsvorgaben für die Schüler. Es ging nur um die platte Ideologie und nicht darum, wie der individuelle, künstlerische Ausdruck zum Tragen kommen kann.“ Als Günter Böhme bei einer Ausstellung im Haus des Lehrers am Alexanderplatz aufgefordert wurde, seine Grafiken zu Peter Weiss’ kritischen Roman-Essay „Die Ästhetik des Widerstands“ abzuhängen, reichte es dem Lehrer und er kündigte 1986.

„Mit Unterstützung des Verbandes Bildender Künstler bin ich dann am Institut für Lehrerbildung in Berlin als Dozent untergekommen.“ Als das Institut abgewickelt wurde, sei er plötzlich Betriebsratsvorsitzender gewesen, erinnert er sich schmunzelnd. Mit der Wende zählte er zu den Mitbegründern des Bundes Deutscher Kunsterzieher/Ost.

Böhme überlegte Anfang der 90er Jahre kurz, ob er freischaffend arbeiten solle. Dann entschied er sich aber für die Kunstpädagogik, weil ihm der Kontakt mit Kindern wichtig war. Bis zu seinem Ruhestand war er Fachleiter für Kunst am Coppi-Gymnasium in Berlin-Karlshorst. „Es war beruflich eine sehr befriedigende Tätigkeit, weil ich etwas aufbauen konnte.“ Böhme ging dabei stets seiner künstlerischen Arbeit nach, weil man ohne eigenes kreatives Tun, keine Impulse weitergeben könne. Seit er im Ruhestand ist, malt er intensiver. Neben Ölarbeiten auf Leinwand sind Papierarbeiten in Mischtechnik, Keramikobjekte und Holzschnitte in den Jahren entstanden.

Günter Böhme ist Mitglied der Künstlergruppe 2010. Ihr gehören sechs Maler aus dem Dahme-Spreewald an, die ihre Wurzeln in der klassischen Moderne sehen.

Erster Platz

Im Oktober fand zum dritten Mal eine Kunstausstellung im A10-Center Wildau statt: die „Art A10“. Insgesamt 25 aus Bewerbungen ausgewählte Künstler zeigten ihre Arbeiten. Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr ein Kunstpreis ausgelobt. Der erste Platz war mit 3000 Euro dotiert. Günter Böhme überzeugte die Jury und erhielt den Preis. In seinen im A10-Center ausgestellten farbintensiven Bildern zerlegt er Figuren, Instrumente, architektonische Elemente, um die Fragmente neu zusammenzusetzen, ihnen eine ausschweifende Sprache zu geben.

Was wird er mit dem Geld tun? „Ein Teil kommt in die Bilderkasse für Materialien, ein Teil fließt in Studienreisen.“ Böhme sagt, dass er es für eine „nachahmenswerte, kulturpolitische Tat“ halte, dass das A10-Center Künstler unterstützt und gleichzeitig ein niederschwelliges Angebot an die Besucher macht.

Von Heidrun Voigt

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