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Hartes Saisongeschäft

Strandbäder in Dahmeland-Fläming Hartes Saisongeschäft

Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, die Wasserqualität ausgezeichnet. Seit etwa zwei Wochen ist die Badesaison in vollem Gange. Dennoch: Unter der Woche ist tagsüber wenig los in den Strandbädern der Region. Die Betreiber, meist private Pächter, müssen trotzdem alles am Laufen halten. Das schafft nur, wer seinen Job aus Leidenschaft macht.

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Arbeitsplatz mit Ausblick: Sylvia Greulich möchte nicht mehr tauschen.

Quelle: Anja Meyer

Dahmeland-Fläming. Die Sonne knallt, das Seewasser ist klar, der Himmel blau, im Café gibt es Schattenplätze und Torten. Dieser Dienstagvormittag im Strandbad Sperenberg könnte der perfekte Badetag sein. Doch am Ufer ist noch nicht viel los: Ein paar befreundete Rentner drehen ihre Runden im Krummen See. Gerade kommt noch ein junges Paar mit ihrem Sohn dazu. Sonst ist es leer. So wie an allen Vormittagen unter der Woche und außerhalb der Schulferien.

Sylvia und Marcel Greulich sind trotzdem schon seit 7 Uhr an Ort und Stelle, um alles vorzubereiten, sauberzumachen, das Strandbad zu beaufsichtigen und ihre Gäste im Café zu versorgen. Seit 2012 hat das Ehepaar das Strandbad Sperenberg von der Gemeinde gepachtet. Dass sie damit nicht reich wird, war Sylvia Greulich von Anfang an bewusst. Sie ist froh, dass der diesjährige Badebetrieb dank Sonne vor zwei Wochen richtig an den Start ging. Ab 13 Uhr kommen Schulkinder, Richtung Feierabend Erwachsene. Gegen 20 Uhr schließen die Greulichs das Bad, beschäftigt sind sie noch zwei Stunden länger.

Fünf offizielle Strandbäder

In der Region gibt es fünf offizielle Strandbäder, für die Besucher Eintritt bezahlen müssen – für Erwachsene liegt er bei 2 Euro bis 2,50 Euro. Damit verpflichten sich die Betreiber dazu, das Gelände in Schuss zu halten und eine Wasseraufsicht zu stellen. Die meisten Strandbäder werden von privaten Betreibern geführt, die das Bad von ihrer Kommune pachten. Eine Ausnahme ist das Strandbad „Neue Mühle“ in Königs Wusterhausen, das die Stadt in dieser Saison temporär selbst betreibt.

Zur Gemeinde Am Mellensee gehören neben dem in Sperenberg noch zwei weitere Strandbäder. Lange betrieb die Gemeinde sie selbst. Wie Bürgermeister Frank Broshog (parteilos) sagt, stieß er damit an seine Grenzen. „Das ist eine freiwillige Leistung, die als erstes gestrichen wird und eine immense Außenwirkung hat.“ Deshalb gab es keine andere Möglichkeit, als Pächter zu suchen. Als Unterstützung zahlt die Kommune Investitionen und Reparaturen am Bad in Höhe des jährlichen Pachtzinses. „Für die Gemeinde ist das ideal“, sagt Broshog. „So haben wir keine Ausgaben und gepflegte Strandbäder.“

Hartes Saisongeschäft

Für die Betreiber selbst ist das Saisongeschäft hart. „Man muss ein leidenschaftlicher Optimist sein, um so ein Strandbad zu führen“, sagt Sylvia Greulich. Das Wetter ist der größte Risikofaktor, jeden Morgen blickt Greulich gespannt in den Himmel und hofft, dass die Sonne scheint. Im Winter arbeitet sie in der Gastronomie oder in der Hauskrankenpflege. Trotzdem bereut sie nichts.

Ursprünglich wollte die gelernte Restaurantmeisterin ein eigenes Café aufmachen und dort ihre selbst gebackenen Torten anbieten. Über einen Bekannten erfuhr sie von der leerstehenden Gaststätte in Sperenberg. Als sie sich das Grundstück anschaute, verliebte sie sich sofort. „Dieser DDR-Charme und die unberührte Natur – kann man einen schöneren Arbeitsplatz haben?“, fragt Sylvia Greulich und zeigt auf den See vor sich. Mit ihrem Ehemann schrieb sie den Businessplan und bekam den Zuschlag. „Plötzlich hatten wir ein Strandbad.“ Es folgten Monate der Renovierung, bis sie aufmachen konnten. Über die Summe will Sylvia Greulich nicht sprechen – es sei viel gewesen, sagt sie.

Viel investieren, damit es läuft

Überhaupt müssen sie viel investieren, damit alles läuft: Strom, Gas, Abwasser, Wasser, Mitarbeiter. Sie und ihr Mann kümmern sich um alles, harken sogar die kleinen Muscheln aus dem Sand im Kinderschwimmbecken und fischen regelmäßig Entenkot aus dem Wasser. „Das alles kriegen wir mit den 2 Euro Eintritt für Erwachsene und 1 Euro für Kinder und Rentner nicht wieder heraus.“ Der Eintritt müsste mindestens 5 Euro kosten, damit der Betrieb wirtschaftlich ist, erzählt sie. „Das können wir hier in Sperenberg nicht machen.“ Einige Gäste würden sich schon jetzt über den Preis beschweren. „Eine goldene Nase verdienen wir uns bestimmt nicht“, sagt Greulich.

Das sieht auch Reinhard Schulz so, der etwa 20 Kilometer entfernt das Strandbad Kallinchen führt. Auch dort ist an diesem Vormittag noch nicht viel los. Jahrelang betrieb der örtliche Heimatverein das Bad ehrenamtlich. Als es immer größer wurde, gründete der Heimatverein die Kalli GmbH. „Wir erzielen nur wenig Gewinne“, erzählt Schulz. „In guten Jahren um die 10 000 Euro, in schlechten auch mal nur 3000.“ Davon zahlt die GmbH Reparaturen oder mal ein neues Boot, viel mehr ist nicht drin.

Saison ist gut angelaufen

Reinhard Schulz ist froh, dass diese Saison gut angelaufen ist. „2015 hatten wir nur wenige Wochen, um unsere Kosten wieder hereinzuholen“, sagt er. Wenn sich das Wetter hält, sind es die Wochenenden und Ferien, an denen die Kosten reinkommen. Das Geschäft unter der Woche sei wenig lukrativ. „Rentner, die ihre Füße ins Wasser halten, bringen uns keine Einnahmen.“

Die Einnahmen kommen vor allem durch Parkgebühren und Zusatzangebote: Minigolf, Bootsverleih oder Wassertreter. „Das alles machen wir, um auch an Tagen attraktiv zu sein, an denen kein Badewetter ist“, sagt Schulz.

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Von Anja Meyer

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