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Hase und Wolf als Verkehrsteilnehmer

Wildbrücken in der Region Hase und Wolf als Verkehrsteilnehmer

Manche sorgen wegen ihrer Kosten für Kopfschütteln, andere gefallen aufgrund ihrer Gestaltung: Wildbrücken werden über Verkehrswege gebaut, damit Tiere unbeschadet Straßen oder Bahnstrecken kreuzen können. An dort aufgestellten Kameras kann man zudem sehen, welche Arten in der Region aktiv sind. Neben Hase und Igel sind auch Wölfe zu entdecken.

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Wildbrücke über die B101 bei Woltersdorf.

Quelle: Margrit Hahn

Dahmeland-Fläming. In Brandenburg bewegt sich seit einigen Jahren sogar das Wild in geordneten Bahnen – zumindest, wenn Füchse, Hasen und inzwischen sogar Elche und Wölfe Autobahnen oder Bundesstraßen überqueren wollen. Acht so genannte Grünbrücken gibt es im ganzen Bundesland, drei davon in der Region Dahmeland-Fläming: Über die B101 nördlich und südlich von Luckenwalde sowie über die A13 bei Teupitz.

Letztere ist eine von drei Brücken, an der mit einer Infrarotkamera überwacht wird, wie häufig Wildtiere die Brücke nutzen. Die Auswertung der Bilder übernimmt Kornelia Dobiáš, Wildökologin am Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE). „Ich bin überzeugt vom ökologischen Nutzen der Grünbrücken“, sagt die Biologin mit Blick auf ihren jüngsten Bericht. „Die Querungshilfen werden von den Tieren sofort angenommen und helfen, der Zerschneidung der Landschaft entgegenzuwirken.“

Die eifrigsten Nutzer der Wildbrücke bei Teupitz sind übrigens Feldhasen: 772 haben sie die Blitzerkamera zwischen Oktober 2012 und Ende Dezember 2014 ausgelöst. „Man muss aber sagen, dass es auch häufiger dieselben Tiere sein könnten“, sagt Kornelia Dobiáš. „Wir haben die einzelnen Exemplare ja nicht markiert.“ Auf Platz zwei steht Rehwild mit 548 Fotos, gefolgt von Rotfüchsen mit 436 Schnappschüssen.

Hintergrund

An den Grünbrücken über die B 101 bei Woltersdorf und Forst Zinna gibt es zwar keine Videoüberwachung. Doch auch sie erfüllen ihren Zweck, wie die zuständigen Revierförster berichten.

„Jede Grünbrücke ist anders“, sagt Kornelia Dobiáš. Stimmt: So wird etwa die Brücke über die A 9 bei Niemegk am häufigsten von Damwild genutzt, gefolgt von Rotfüchsen und Rehwild.

Auch Menschen werden immer wieder von den Kameras aufgezeichnet. Mehr als 300 Mal lösten sie die Auslöser aus. Spaziergänger, Fahrrad- und Motorradfahrerstören die Tiere, die die Brücke dann weniger nutzen.

Jäger begrüßen die Wildbrücken, weil sie Inzuchterscheinungen bei Wildtierpopulationen entgegenwirken. Außerdem tragen die Bauten erheblich zur Reduzierung von Wildunfällen bei und machen die Straßen damit sicherer.

Mit jeweils 59 Auftritten lassen sich aber auch Dachse und Kraniche immer wieder ablichten, Damwild lief in dem Zeitraum 48 Mal vor die Linse, Schwarzwild 22 und 17 Mal wurden Hauskatzen fotografiert. Besondere Freude löst bei den Ökologen allerdings die Sichtung von Wölfen aus: Drei Mal haben sich die scheuen Tiere auf der Wildbrücke sehen lassen. In Sachen Spektakel können da eigentlich nur die zwei Elche mithalten, die Anfang Juni 2014 über die Brücke marschierten. Es handelte sich dabei um eine Elchkuh mit vermutlich ihrem jungen Kalb.

In den vergangenen Jahren sind mehrfach Elche in diesem Bereich gesichtet worden. Laut der Elch-Erfassung aus dem Jahr 2012 hielt sich im Winter 2007 ein Elch mit einem Jungtier in Baruth auf, 2008 wurde ein Muttertier mit zwei Kälbern gesichtet.

Experten vermuten, dass die Elche aus Polen kommen und sich neue Lebensräume suchen. Brandenburg sei ein Durchzugsland für die großen Säugetiere, die bis zu 800 Kilogramm wiegen können. Sie bevorzugten offene Waldlandschaften, Feuchtgebiete und suchten die Ruhe. Das Monitoring mit den Kameras – das übrigens vom Naturschutzverein WWF finanziert wird – soll helfen, den Nutzen der Brücken zu belegen und damit auch der Politik gute Argumente für deren Bau zu liefern. Je nach dem, wie umfangreich die Bauarbeiten ausfallen, kann eine Grünbrücke zwischen drei und acht Millionen Euro kosten – Ausgaben, die vor dem Wähler gerechtfertigt sein wollen. „Wenn Zäune an Autobahnen aufgestellt werden, um diese sicherer zu machen, dann sollte sich das Land auch die Grünbrücken leisten“, sagt Kornelia Dobiáš. „Und das Monitoring kann helfen, das Thema im Gespräch zu halten.“

Über mangelndes Interesse der Bevölkerung kann sich Kornelia Dobiáš nicht beklagen. „Gerade wenn eine Brücke neu ist, sind die ersten Besucher häufig Menschen. „Irgendwann lege sich dann das Interesse und die Tiere können die Brücken – geführt von Wildzäunen entlang der Fahrbahn – für sich erobern. „Aber echte Wildnis haben wir in Brandenburg ohnehin nicht mehr, sagt Kornelia Dobiáš. „Die Tiere sind an den Menschen gewöhnt und lassen sich davon nicht abschrecken.“

Von Martin Küper

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