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Dahme-Spreewald Eltern wollen freie demokratische Schule gründen
Lokales Dahme-Spreewald Eltern wollen freie demokratische Schule gründen
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00:25 18.04.2019
Kleine Lerngruppen, flexible Zeiteinteilung, viele Spiele: Die Schule des Lebens ist seit einem halben Jahr in Werder in Betrieb und Vorbild für die Heideseer Initiative. Quelle: Luise Fröhlich
Heidesee

Das klassische Bild der Schule sieht immer noch so aus: Die Schüler bekommen einen Stundenplan, sie haben erst Mathe, dann Deutsch, und der Lehrer versucht in diesen Stunden ihnen so viel Stoff wie möglich einzubläuen. Am Ende wird ein Test geschrieben, es gibt Zensuren und schlimmsten Falls noch eine Standpauke von den Eltern. Ulrike Weißbach und Elisa Florstedt wollen genau das für ihre Kinder nicht.

Die beiden jungen Mütter aus der Gemeinde Heidesee arbeiten deshalb mit einigen Mitstreitern seit einem halben Jahr daran, eine eigene Schule ins Leben zu rufen. Es soll eine freie, demokratische Grundschule sein, möglicherweise sogar eine kombinierte Grund- und Oberschule, und sie soll gänzlich anders funktionieren als die typische Regelschule.

Kinder entscheiden selbst, was sie lernen

Die Grundidee ihrer Schule skizziert Ulrike Weißbach wie folgt: Es gibt kleine Klasse von höchsten zehn Kindern, die Schüler arbeiten aber eher in altersübergreifenden Lerngruppen zusammen. Sie richten sich dabei nicht nach Stundenplänen, sondern entscheiden in morgendlichen Runden selbst, wonach ihnen der Sinn steht. Und wenn ihnen der Sinn nach spielen steht, dann spielen sie eben.

Ulrike Weißbach gehört zu den initiatorinnen von „Immerkind Heidesee“. Quelle: privat

Überhaupt sollen die Kinder viel mehr selbst entscheiden, als es in einer Regelschule der Fall ist. „Einmal in der Woche soll es Schulversammlungen geben, wo die Kinder über alle Dinge mitentscheiden können, die sie betreffen“, sagt Ulrike Weißbach. Und Noten werden auch nicht verteilt. Am Ende des Schuljahres gibt es stattdessen schriftliche Einschätzungen.

„Neugier tief in den Kindern verankert“

Das Argument, dass die Kindern dann möglicherweise nur noch ihren Neigungen nachgehen und bestimmte Fachgebiete beim Lernen vernachlässigen könnten, lässt Ulrike Weißbach nicht gelten. „Ich glaube ganz fest daran, dass die Neugier tief in den Kindern verankert ist. Sie lernen von sich aus laufen und sprechen, und ich glaube, dass sie auch alles andere lernen, wenn man ihnen den freien Lauf lässt“, sagt sie.

Die Idee ist nicht neu. Die weltweit ersten demokratischen Schulen wurden bereits vor 100 Jahren gegründet. In den vergangenen Jahren hat das Modell aber zunehmend in Berlin und Brandenburg Verbreitung gefunden. Im vorigen Jahr hat in Werder die „Schule des Lebens“ ihren Betrieb aufgenommen, ein Jahr zuvor ist in Biesenthal (Barnim) eine Freie Naturschule ans Netz gegangen. In Berlin gibt es inzwischen etwa zehn vergleichbare Einrichtungen, die alle als Vorbild für „Immerkind-Schule“ in Heidesee dienen könnten.

Erster Schritt: Vereinsgründung

Aus Besuchen und Gesprächen dort wissen die Initiatorinnen auch schon ziemlich genau, was alles notwendig ist, um eine Schule zu gründen. Diese Schritte sollen jetzt nach und nach abgearbeitet werden.

Zuerst gelte es, einen Verein zu gründen, der als Träger auftritt, sagt Ulrike Weißbach. Bei einer Vortrag am Wochenende haben die drei Frauen ihre Idee erstmals präsentiert, am 4. Mai soll es eine zweite Veranstaltung geben, in der das Projekt vorgestellt werden soll. Die Hoffnung ist, dass sich möglichst viele Interessierte einfinden, die mithelfen wollen.

Gespräche mit Gemeinde müssen geführt werden

Im nächsten Schritt werde man das Gespräch mit der Gemeinde Heidesee suchen und vorfühlen, ob die Gemeinde das Projekt unterstützt und eventuell sogar Räume oder ein Grundstück anbieten kann. Danach müssen die Finanzierung erarbeitet und ein Konzept geschrieben und beim Schulamt genehmigt werden. Und zu guter letzt braucht es natürlich auch Lehrer und Pädagogen, um eine Schule betreiben zu können.

Wie lange es bis dahin dauern wird, sei noch völlig unklar, sagt Ulrike Weißbach. Aber die jüngsten Beispiele in Brandenburg haben von der Vereinsgründung bis zum Schulbetrieb eineinhalb bis zwei Jahre verstreichen lassen. Das ist zumindest ein Ansporn.

Organsiert werden muss das alles freilich nebenbei, denn die Initiatoren haben alle Vollzeitjobs. „Aber wir sind von dem Konzept einer freien demokratischen Schule so angetan, dass wir das auf uns nehmen“, sagt Ulrike Weißbach.

Von Oliver Fischer

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