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Heiraten in kaiserlichem Prunk

Halbe Heiraten in kaiserlichem Prunk

Der Neuseeländer Peter Macky restauriert seit 2010 den Kaiserbahnhof in Halbe, der künftig auch als Standesamt genutzt werden soll. Zuvor war das 1865 als Empfangsgebäude für die preußischen Könige und späteren Kaiser erbaute Gebäude seit 1994 nicht mehr genutzt worden – und in einem entsprechend schlechten Zustand.

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August Orth entwarf den Bahnhof als herrschaftliches Empfangsgebäude.

Quelle: Karen Grunow

Halbe. Keinen Meter konnte man auf das Grundstück gucken, „so zugewachsen war es“, erinnert sich der Halber Willi Schwabe. Der einst so prachtvolle Bahnhof in seinem Heimatort, als Empfangsgebäude für die preußischen Könige und späteren Kaiser 1865 durch den Architekten August Orth realisiert, wurde seit 1994 nicht mehr genutzt.

Neue alte Pracht

Neue alte Pracht: Restauratoren, Maurer und Stuckateure haben es geschafft, das eindrucksvolle Innere des Halber Kaiserbahnhofs wiederherzustellen.

Quelle: Karen Grunow

Verlassen, vergessen, verkommen – bis eines Tages ein Neuseeländer mit dem Rad vorbeikam. Peter Macky war auf dem Weg von Berlin nach Dresden. Er beschloss, den Bahnhof zu kaufen. Das war 2010. Seitdem kämpft er für dieses Gebäude und immer wieder auch mit sich. Schwamm überall, fehlerhafte Sanierungen durch seine früheren Architekten – oft war Peter Macky kurz davor, von diesem Bahnhof abzulassen. Doch es gab und gibt viele, die ihm helfen und Mut machen.

Bahnhof war ein Heim für Eisenbahner-Familien

Allen voran Willi Schwabe, der 1957 im Bahnhofsgebäude nebenan seine Eisenbahner-Ausbildung begann. Damals war der einstige Kaiserbahnhof längst ein Wohngebäude. Schon nach dem Ersten Weltkrieg wurden hier Büros und bald eine Wohnung eingerichtet, ab 1947 entstand auch in der oberen Etage Wohnraum. „Hier waren immer Eisenbahner-Familien“, erinnert sich Willi Schwabe. Gepflegt sei es damals gewesen. Nun ist Schwabe sozusagen Peter Mackys Mann vor Ort. „Ohne Willi hätte ich aufgegeben“, sagte der Neuseeländer einmal.

Blick in den Garten, der nun nach historischem Vorbild gestaltet wird

Blick in den Garten, der nun nach historischem Vorbild gestaltet wird.

Quelle: Karen Gunow

Es war wie ein finaler Akt, als Macky 2014 auf den Architekten Stefan Zappe traf. Mit ihm und seinem Team fand er endlich die Fachleute, die sich von dem verrückten Projekt genauso begeistern ließen wie er und Schwabe und all die anderen Unterstützer im Schenkenländchen. Dem Schwamm, der sich ausgebreitet hatte, wurde endgültig der Garaus gemacht, Fehler wurden beseitigt. Ein restauratorisches Gutachten entstand, das Grundlage wurde für die umfangreichen Arbeiten durch das Restauratorenkollektiv Schwarzer/Ricken, das auch am Wiederaufbau des Neuen Museums in Berlin beteiligt war.

Bauarbeiten stagnieren wegen Verhandlungen mit der Bahn

Ähnlich wie dort befürworteten Klaus Ricken und Hartmut Schwarzer, das Fragmentarische der Decken- und Wandmalereien in Vestibül, Gefolgesaal und Kaisersaal sichtbar zu lassen. „Wir haben uns dann aber doch entschieden, eine komplette Restaurierung mit allen Oberflächen zu machen“, erklärte Klaus Ricken in der Endphase der Arbeiten vor einigen Monaten.

Eine Aufnahme des Bahnhofs von etwa 1915

Eine Aufnahme des Bahnhofs von etwa 1915.

Quelle: archiv Peter Macky

Im nächsten Jahr gibt es die Strecke der Berlin –  Görlitzer Eisenbahn 150 Jahre, es wäre für alle Beteiligten grandios gewesen, wenn ausgerechnet dann auch die Wiedereröffnung des Bahnhofs hätte gefeiert werden können. Trotz aller Erfolge ist das Bauprojekt allerdings noch nicht soweit. Es fehlt noch die definitive Zusage der Deutschen Bahn, dass Peter Macky ein kleines Grundstück gleich neben seinem Bahnhof kaufen kann. Seit zig Monaten geht es hin und her. Die Bauarbeiten stagnieren deshalb. Die Planungen jedoch nicht.

Servicegebäude neben dem Bahnhof geplant

Ein modernes kleines Servicegebäude soll auf dem erhofften Grundstück errichtet werden, um das Innere des Kaiserbahnhofs nicht mit Toiletteneinbauten und Küche verschandeln zu müssen. Denn in den eindrucksvollen Räumen des Orth-Baus sollen ein Café und ein Ausstellungsbereich entstehen, der Kaiserbahnhof kann künftig außerdem für Seminare genutzt werden. Und das Standesamt des Schenkenländchens kann hier eine Außenstelle einrichten.

So sah es noch im Sommer 2014 im Kaiserbahnhof aus

So sah es noch im Sommer 2014 im Kaiserbahnhof aus.

Quelle: Karen Grunow

Der angegliederte Neubau soll schlicht werden, betont Architekt Zappe, aber dennoch mit einer eigenen Ästhetik. Er habe kürzlich erst in Bielefeld das Besucherzentrum der Sparrenburg besichtigt, erzählt er, ein kleiner eingeschossiger Bau von Max Dudler aus Stampfbeton. Als er dort so beobachtete, wie gut man mit den Angeboten in dem Gebäude auf die vielen Radtouristen eingestellt ist, inspirierte das Zappe für den in Halbe geplanten Neubau. „Man könnte auch in die Küche einen kleinen Ausschank integrieren mit Außenbewirtung an der Nordseite“, überlegt er nun. Das würde nicht nur Radfahrer ansprechen, sondern auch die Bahnreisenden, die daneben zu den Gleisen laufen.

Eröffnung frühestens im Sommer 2018

Doch erst wenn die Grundstücksfrage endlich geklärt ist, kann eine Baugenehmigung beantragt werden. Mit dem Neubau würde dann auch der Ausbau der oberen Etage des historischen Gebäude zu einer Ferienwohnung realisiert werden. Wenn die Genehmigung vorliegt, kann Peter Macky versuchen, sich für Fördergelder aus dem EU-Programm Leader zu bewerben. „Ich hoffe noch auf Sommer 2018, aber möglicherweise wird es Sommer 2019, bis der Bahnhof eröffnet werden kann“, sagt Macky, der ein umfangreiches Buch über seinen Bahnhof plant. Auch dafür fand er viele Ratgeber, der Eichwalder Wolfgang Müller beispielsweise konnte durch intensive Recherchen in alten Tageszeitungen beweisen, dass der Bahnhof nicht nur für die Hohenzollern errichtet, sondern tatsächlich auch von Kaiser Wilhelm I. und Kaiser Wilhelm II. für Fahrten ins nahe Jagdrevier genutzt worden war.

Die in Denkmalpflegeprojekten erfahrene Landschaftsplanerin Christa Ringkamp, die mit ihrem Büro Hortec unter anderem Projekte zu Unesco-Welterbestätten gartendenkmalpflegerisch betreute, hat einen Entwurf für den Garten vorgelegt. Einem Plan von 1877 zufolge gab es symmetrisch angeordnete Parterres, die wieder entstehen sollen mit Rosenbüschen und Rasenflächen. Kräuterbeete und Streuobstwiesen können im hinteren Teil des Gartens und zur Straße hin angelegt werden. „Wir wollen dieses Jahr noch die halbrunde Terrassenanlage nach Süden raus bauen“, so Stefan Zappe. Die Form der Terrasse wird auch in der Gartengestaltung anklingen.

Ob es nun 2018 oder 2019 wird, ist Peter Macky mittlerweile beinahe egal. Er spürt: Es wird und wächst. Glücklich sagt er: „Ich bin sehr begeistert und optimistisch.“

Von Karen Grunow

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