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Dahme-Spreewald Herr Trotzki trotzt dem Tod und kehrt zurück ins Leben
Lokales Dahme-Spreewald Herr Trotzki trotzt dem Tod und kehrt zurück ins Leben
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07:54 07.10.2016
Gerald Trotzki bekam mit einer neuen Leber ein neues Leben geschenkt . Das ist jetzt zehn Jahre her. Quelle: Andrea Müller
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Senzig

Es ist jetzt zehn Jahre her, dass Gerald Trotzki eine neue Leber transplantiert wurde. Sie hat ihm ein zweites Leben geschenkt. Wenn es den Organspender damals nicht gegeben hätte – Trotzki will sich das nicht vorstellen. Er lebt.

Nein, ganz so ist es wohl doch nicht. Er lebt, aber anders als Menschen, die in der eigenen Biografie keinen solchen Einschnitt haben. Seine Frau, die inzwischen erwachsenen Kinder, die Arbeit, das Haus, der Garten in Senzig – dass er all das noch haben kann, dafür ist Gerald Trotzki unendlich dankbar. Es klingt banal, ist es aber nicht. Er sieht alles durch eine besondere Brille. Sie macht ihm das Leben besonders lebenswert. „Wenn man dem Tod schon ins Gesicht geschaut hat, verändert sich der Blickwinkel“, sagt er.

Unerwartete Diagnose ist ein Schock

Das erste Mal dachte Trotzki als Junge über den Tod nach, als der Vater starb. Da war er gerade erst 13 Jahre alt. Der Vater starb plötzlich, mit kaum 40 Jahren. Er litt an einer seltenen Blutkrankheit. Als Gerald Trotzki selbst 40 wurde, beschloss er, sich mal richtig von Kopf bis Fuß untersuchen zu lassen. Eigentlich war er sich sicher, dass bei ihm alles in Ordnung ist. War es aber nicht. Man stellte Hepatitis C fest, eine Krankheit, die die Leber sehr stark schädigt. Trotzki verstand die Welt nicht mehr. Bis eben stand er voll im Leben, fühlte sich gesund zum Berge versetzen. Und nun das. Wie konnte das passieren, obwohl er doch – zu DDR-Zeiten – regelmäßig zur Blutspende gegangen war? Er begann nachzudenken, zu recherchieren und kam zu dem Schluss, dass gerade die Blutspende der Grund für seine Krankheit sein könnte. Wohl darum habe man später sein Blut nicht mehr haben wollen.

Gerald Trotzki stürzte sich in die Arbeit. Er wollte nicht krank sein. Nach der Wende war er von der Polizei – er ist studierter Kriminalist – in die Marktwirtschaft gewechselt, leitete später eine Dienstleistungsfirma. Dass die kranke Leber seine Kräfte fraß, ignorierte er, baute sogar für die Familie noch ein Haus. Seine Hausärztin in Königs Wusterhausen aber drängelte. Sie wollte, dass er sich für die Lebertransplantation anmeldet. Doch Trotzki war trotzig. Er wollte nicht. Denn eine Transplantation stellt immer auch ein hohes Risiko dar. Was wenn die neue Leber nicht arbeitet? Der Körper sie abstößt? Trotzki vertraute weiter auf die eigene Leber. Erst 2002 ging es nicht mehr. Ihm war klar, dass er mit dem eigenen Organ nicht mehr weit kommt.

Transplantation klappt im zweiten Anlauf

„Dann hab ich am 24. November 2005 den lange ersehnten Anruf bekommen“, erinnert sich der Senziger. Mit Blaulicht wurde er ins Krankenhaus gefahren. Doch wenige Stunden später war er wieder zu Hause. „Die Leber war nicht transplantationsfähig“, sagt er. Damals glaubte Trotzki den Ärzten. Heute hat er seine Zweifel, ob nicht vielleicht jemand dringender als er eine Leber brauchte. Der Transplantationsskandal von vor wenigen Jahren wirft sein Licht auf den eigenen Fall. Nach dem missglückten Versuch begann das Warten erneut. Trotzkis Gesundheitszustand verschlechterte sich dramatisch. Zudem war es ungewiss, ob er einen zweiten Anruf erhalten würde. Doch im September 2006 klingelte das Telefon am frühen Morgen. Es war soweit. Die Operation glückte. Bis heute fühlt sich der Mann gut, obwohl er auch sehr auf sich achten muss. Gerald Trotzki bekam mit der neuen Leber ein neues Leben geschenkt. Am Tag seiner Operation starb seine Mutter. Trotzki selbst hat die Trauerrede für sie geschrieben. Sein wieder gewonnenes Glück und das Sterben der Mutter hatten wieder einmal verdeutlicht, wie nah Leben und Tod beieinander liegen.

Das ist nun zehn Jahre her. Er wird bald 60. Was er sich zum runden Geburtstag wünscht? „Dass ich ihn erreiche“, sagt er. Und dass noch mehr Menschen einen unterschriebenen Organspendeausweis bei sich haben.

Von Andrea Müller

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