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Hochkonjunktur in der Kleiderkammer

ABS Wildau Hochkonjunktur in der Kleiderkammer

1992 vor allem als Auffanggesellschaft für die vielen hundert Menschen gegründet, die ihren Job im Wildauer Schwermaschinenbau „Heinrich Rau“ verloren hatten, hat sich die ABS inzwischen zu einem Dienstleister für Kommunen und Bürger entwickelt. Vor allem die Kleiderkammer sowie die Fahrradwerkstatt erfreuen sich großer Beliebtheit.

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Carmen Herrmann (r.) und Marlis Plantikow (3.v.l.) freuen sich über die Besucher in der Kleiderkammer.

Quelle: Franziska Mohr

Wildau. Kheda Kagirova freut sich. In der Kleiderkammer der Wildauer ABS mit dem für die Tschetschenin unaussprechlich langen Namen „Arbeits-, Beschäftigungs- und Strukturentwicklungsgesellschaft“ hat sie eine kleine Jeanshose für ihren Sohn gefunden. Stolz zeigt sie das gute Stück ihrer Bekannten Luba Badaefa, die gleichfalls aus Tschetschenien nach Deutschland geflohen ist. Letztere hat eine Bratpfanne entdeckt, die sie gut gebrauchen kann. Jetzt sucht sie – unterstützt von den beiden Mitarbeiterinnen der Kleiderkammer, Carmen Herrmann und Marlis Plantikow – noch Töpfe. Diesbezüglich aber ist die Auswahl nicht groß. „Gefragt sind nicht zuletzt aufgrund der vielen Flüchtlinge, die jetzt in eigene Quartiere umziehen müssen, vor allem Kinderkleidung, Spielzeug, aber auch Bettwäsche, Handtücher, Decken sowie Gläser und kleine Elektrogeräte wie Wasserkocher“, sagt ABS-Geschäftsführer Siegmar Kny. Bei monatlich etwa 120 Besuchern gebe es kaum Ladenhüter. Saubere Spenden seien daher sehr gefragt.

Patrick Bratschke gefällt die Arbeit in der Radwerkstatt

Patrick Bratschke gefällt die Arbeit in der Radwerkstatt.

Quelle: Franziska Mohr

Hochbetrieb herrscht auch in der Fahrrad-Werkstatt. Der Ein-Euro-Jobber Patrick Bratschke hat gemeinsam mit seinen beiden Kollegen alle Hände voll zu tun, um die von Polizei, Wohnungsbaugesellschaften und Privatpersonen abgegebenen Räder wieder in einen verkehrstüchtigen Zustand zu versetzen. Oft müssen sie die Schläuche erneuern, Ketten reparieren oder gebrochene Speichen auswechseln. „Aber es ist immer wieder schön, wenn sich bei uns jemand ein Fahrrad aussucht und dann glücklich davonradelt“, sagt Bratschke. Immerhin wurden allein in diesem Jahr schon 61 Frauen, Männer und Kinder auf diese Weise stolze Fahrrad-Besitzer.

Ein wenig Kopfzerbrechen bereitet Geschäftsführer Kny allerdings, dass in seinem Unternehmen derzeit nur zehn vom Job-Center geförderte Personen beschäftigt sind, denen fünf festangestellte Mitarbeiter plus Geschäftsführer gegenüberstehen. An die Berg- und Talfahrt der Politik hinsichtlich der Arbeitsmarktförderung hat man sich bei der ABS allerdings gewöhnt. Ursprünglich war sie 1992 vor allem als Auffanggesellschaft für die vielen hundert Menschen gegründet worden, die im Schwermaschinenbau „Heinrich Rau“ ihren Job verloren hatten. 1993/94 fanden in der ABS knapp 500 Frauen und Männer Arbeit, die vor allem das 30 Hektar große Areal des Schwermaschinenbaus beräumten.

Wildauer Unternehmen wurde Dienstleiter der Kommunen

Parallel dazu engagierte sich das Unternehmen, dessen einziger Gesellschafter die Stadt Wildau ist, immer stärker im Natur- und Landschaftsschutz und wurde diesbezüglich zum Dienstleister der Kommunen. Hier sah auch Kny, der sich demnächst nach 15-jähriger Tätigkeit in den Ruhestand verabschiedet, seinen Schwerpunkt. Gern denkt er an den Bau des Dahme-Wanderweges oder die Sanierung des Wildauer Kurparks zurück. Unermüdlich waren die Beschäftigten aber auch auf dem ehemaligen Ausbildungsgelände der Staatssicherheit in Massow tätig. Hier beseitigten sie unter anderem Ruinen, in denen Stasi-Mitarbeiter einst den Häuserkampf probten. „Auch Bunker haben wir dort für immer verschlossen sowie einstige Hangars oben bepflanzt und zu Unterkünften für Fledermäusen umgebaut“, erinnert sich Kny. Arbeitsfelder waren unter seiner Regie aber auch die Renaturierung der Rieselfelder und des Gutshofes in Deutsch Wusterhausen. Als bedrückend empfand Kny in den all den Jahren aber vor allem, dass vielen der bei der ABS beschäftigten Menschen nach wenigen Monaten oft wieder nur eines blieb – die Arbeitslosigkeit.

Von Franziska Mohr

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