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Holocaust-Überlebende in Königs Wusterhausen

Erzählen ist zum Schicksal geworden Holocaust-Überlebende in Königs Wusterhausen

Esther Bajarano hat Grausames erlebt. Am Mittwoch berichtete die Holocaust-Überlebende am Schiller-Gymnasium in Königs Wusterhausen von ihren Erlebnissen während der Nazidiktatur und von der Zeit danach. Seit vielen Jahren lebt die 91-Jährige wieder in Deutschland.

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Esther Bejarano sang gemeinsam mit dem Chor des Friedrich-Schiller-Gymnasiums.

Quelle: Uta Schmidt

Königs Wusterhausen. Eine bewegende Begegnung hatten am Mittwochabend Schüler und Lehrer des Friedrich-Schiller-Gymnasiums mit der Holocaust-Überlebenden Esther Bejarano. In einem berührenden Zeitzeugengespräch berichtete die 91-jährige Hamburgerin von ihren Erlebnissen in der Nazidiktatur, dem Leiden im Vernichtungslager Auschwitz, der Flucht auf dem Todesmarsch vom KZ Ravensbrück, der Befreiung durch sowjetische und amerikanische Truppen sowie ihrer Reise nach Israel nach dem Krieg. Die lebhafte Seniorin sparte in diesem Gespräch aber auch ihre kritischen Ansichten zu aktuellen Themen wie Flüchtlingskrise, Neonazis und Asylpolitik nicht aus.

Im Anschluss an diese Diskussionsrunde präsentierten Bejarano und die „Microphon Mafia“ gemeinsam mit dem Chor des Friedrich-Schiller-Gymnasiums ein mitreißendes Konzert vor zahlreichen Zuschauern unterschiedlicher Generationen im Theatersaal.

Schüler haben das KZ Auschwitz besucht

„Wir haben in einer Projektgruppe von etwa 70 Schülern aus den Klassenstufen 9 bis 12 die Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar in der Stadt ausgerichtet. Dazu gehörte auch ein vorbereitender Besuch der Gedenkstätte von Auschwitz. Das hat uns alle sehr berührt“, erzählte Lisa Mahlow aus der elften Klasse. Im Theaterstück habe sie in einer Szene eine Musikerin aus dem Mädchenorchester von Auschwitz dargestellt. Ein Thema, das die Jugendliche seitdem nicht mehr loslasse. Deshalb sah Lisa Mahlow der Begegnung und der Erzählung von Esther Bejarano mit Spannung entgegen, spielte die betagte Zeitzeugin doch selbst im Mädchenorchester von Auschwitz Akkordeon. „Es ist wohl eine der letzten Möglichkeiten, mit Überlebenden ins Gespräch zu kommen“, so die Schülerin.

Esther Bejarano, die 1924 als Tochter eines Oberkantors geboren wurde, fand mit ihrer frischen Art schnell den Kontakt zu den Jugendlichen. Sie erzählte, wie sie 1943 aus einem Berliner Sammellager nach Auschwitz deportiert wurde und dort zunächst Steine schleppen musste. „Wir sollten immer schwächer werden. Das war Vernichtung durch Arbeit“, so Bejarano. Sie habe ein schlechtes Gewissen gehabt, als sie nach der Gründung des Orchesters Musik machen konnte, während andere schwer arbeiten mussten. „Ich habe mir immer gesagt: Ich muss überleben.“ Sie berichtete ebenso von einer großen Solidarität im Lager, der gegenseitigen Hilfe. Ihre Rache an den Nazis würde heute darin bestehen, so lange wie möglich Jugendlichen in den Schulen von diesem Leben und Leiden zu berichten. „Ich durchlebe vieles wieder, wenn ich darüber erzähle. Das ist mein Schicksal“, sagte sie. Es habe an die 30 Jahre gedauert, um überhaupt über all das Erlebte reden zu können.

Esther Bejarano setzt sich für die Aufnahme von Flüchtlingen ein

Nach der Familiengründung in Israel nach 1945 übersiedelte sie 1960 nach Hamburg. Ein Schritt, den viele Israelis nicht verstanden hätten, sagte sie. Heute tritt die Seniorin vehement für die Aufnahme von Flüchtlingen in Europa ein. „Die menschenverachtende Ideologie, die damals zur Vernichtung der Menschen geführt hat, gibt es heute noch“, so ihr Fazit.

Im anschließenden Konzert mit jüdischen und anderen Liedern gelang es Esther Bejarano und ihren Mitstreitern, dem Publikum Zuversicht, Mut und Lebensfreude zu vermitteln. Die Begegnung kam auf Einladung der Kreisvereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten Dahme-Spreewald zustande. „Wir haben am Holocaust-Gedenktag im Gymnasium teilgenommen und waren von der Projektarbeit der Schüler stark beeindruckt. Deshalb haben wir diesen Kontakt vermittelt“, so Vorstandsmitglied Berrios Miranda.

Von Uta Schmidt

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