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Homosexuelle auf dem Land feiern Coming-Out-Day

Königs Wusterhausen Homosexuelle auf dem Land feiern Coming-Out-Day

Am Coming-Out-Day soll darauf aufmerksam gemacht werden, wie wichtig dieser Schritt für Homosexuelle ist und wie schwer er gleichzeitig ist, da viele negative Erfahrungen befürchten. Thomas Schäfert und Nancy Engel aus Königs Wusterhausen sprechen über Homosexualität auf dem Land und ihr eigenes Coming-Out.

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Thomas Schäfert vom Gay-Stammtisch Königs Wusterhausen und Nancy Engel von den Schwusos.

Quelle: Danilo Hafer

Königs Wusterhausen. Für Schwule und Lesben zählt das Coming-Out, also der Schritt, mit der eigenen Homosexualität offen umzugehen, zu den wichtigsten Ereignissen in ihrem Leben. Gleichzeitig ist es für die meisten einer der schwersten Schritte, den sie gehen müssen. Der heutige Coming-Out-Day möchte genau auf diese Probleme aufmerksam machen. Denn noch immer wird Homosexualität von vielen Menschen nicht als Normalität angenommen.

Ohne Outing ist es „nicht normal“

Das weiß auch Thomas Schäfert. Der 30-Jährige steht offen zu seiner Homosexualität und engagiert sich seit Jahren beim Gay-Stammtisch in Königs Wusterhausen. Er sagt: „So lange man sich noch outen muss, ist es nicht normal.“ Schäfert selbst gab Anfang des Jahres in einem Artikel in der MAZ öffentlich bekannt, dass er schwul ist. Zu dem Zeitpunkt nahm er schon seit mehreren Jahren an den Treffen des Stammtisches teil und auch seine Freunde wussten Bescheid. „Man outet sich ja nicht von heute auf morgen, das geschieht alles schrittweise“, erklärt Schäfert.

Die Regenbogenfahne als Symbol für Homosexualität

Die Regenbogenfahne als Symbol für Homosexualität.

Quelle: dpa

Nachdem sich Betroffene selbst darüber bewusst seien, erzählen es die meisten zunächst dem besten Freund oder der besten Freundin. Danach dann erst der Familie. Doch vor diesem Schritt stehe ein noch viel wichtigerer. „Zunächst muss man im Grunde ein inneres Coming-Out vollziehen und für sich akzeptieren, dass man eben schwul, lesbisch oder bisexuell ist“, so Schäfert.

Familie akzeptiert Lebenseinstellung

Es selbst zu wissen mache vieles leichter, sagt Nancy Engel. Die 40-Jährige aus Königs Wusterhausen engagiert sich in der Kommunalpolitik und ist seit 2012 stellvertretende Vorsitzende der Schwusos Brandenburg, der Arbeitsgemeinschaft der Lesben und Schwulen in der SPD. Vor knapp einem Jahr hatte auch sie ihr Coming-Out. „Ich habe seither keine negativen Erfahrungen machen müssen, nicht in der Familie und auch nicht von Fremden“, so Engel. Ihre Freundin sei bei Familienfeiern inzwischen fest eingeplant. „Wenn sie mal nicht mitkommt, wird gleich gefragt, wo sie ist und ob alles in Ordnung ist, das ist schön“, sagt sie.

Nancy Engel und Thomas Schäfert hatten beide das Glück, bisher kaum negative Erfahrungen machen zu müssen. „Natürlich gibt es manchmal auch Sprüche, aber das ist eher selten“, sagt Thomas Schäfert. Er gibt aber auch zu, dass schwule oder lesbische Menschen ein gutes Selbstbewusstsein haben sollten. „Denn es ist ja so, dass in der Regel vor allem die Schwächeren gemobbt werden“, so Schäfert.

Studie: Jeder Vierte hält Homosexualität für unmoralisch

Vor einigen Jahren mussten auch zwei junge Männer aus Königs Wusterhausen diese Erfahrung machen. „Inzwischen leben beide in Berlin, weil sie sich hier nicht mehr wohlgefühlt haben“, erzählt Thomas Schäfert.

Laut einer im Juni veröffentlichten Studie der Universität Leipzig ist die Prozentzahl derjenigen, die Homosexualität generell für unmoralisch halten, von 15,7 auf 24,8 Prozent gestiegen. 36,2 Prozent sind laut Studie dafür, dass Ehen zwischen zwei Frauen oder zwei Männern nicht erlaubt sein sollten. 2009 waren es noch 29,4 Prozent.

Der Schlüssel, um etwas in den Köpfen der Menschen zu ändern, sei richtige Aufklärung, da sind sich Nancy Engel und Thomas Schäfert einig. „Eigentlich ist es wie bei Flüchtlingen, wer persönlich noch nie Kontakt zu einem hatte, ist oft voreingenommen. Lernt man sich aber kennen und kommt ins Gespräch, spielt es meist keine Rolle mehr, woher man kommt oder ob man schwul ist oder nicht“, so Schäfert. Sicher gebe es auch Menschen, die eine feste Meinung haben, von der sie sich auch nicht abbringen lassen, da macht sich Thomas Schäfert nichts vor. Dennoch ist er optimistisch.

Thema sollte in der Schule angesprochen werden

Er sieht aber auch die Politik in der Pflicht. „Es wäre einfach schön, wenn das Thema regelmäßiger in der Schule vorkommen würde“, so Schäfert. Denn dies sei die Phase, in der am meisten erreicht werden könne. „Wenn schon in der Schule klargemacht wird, dass Homosexualität etwas völlig Normales ist, dann wäre es spätestens nach drei Generationen kein Thema mehr“, so Schäfert.

„In Brandenburg wird derzeit auch über die Einführung eines Aktionsplans gegen Homophobie und Transphobie nachgedacht“, erzählt Nancy Engel. Brandenburg sei bisher eines der wenigen Länder, in denen es einen solchen Plan noch nicht gebe. Mit einem Aktionsplan könnten gezielt Maßnahmen gefördert und finanziert werden, die sich um die Aufklärung kümmern. Denn den wenigen Vereinen und Anlaufstellen für Homosexuelle, die es in Brandenburg gibt, fehlt häufig das Geld, um ihre Angebote aufrechtzuhalten.

„Unser Stammtisch wird auch ohne Finanzierung weiter bestehen, aber Beratungsstellen, in denen es auch Psychologen gibt, brauchen finanzielle Mittel“, so Schäfert. Der Gay-Stammtisch in Königs Wusterhausen sei derzeit wieder gut besucht. Nach einer mehrjährigen Durststrecke, in der nur wenige zu den regelmäßige Treffen gekommen seien, gehe es jetzt wieder bergauf. „Inzwischen kommen wieder zehn bis 15 Personen“, so Schäfert.

„Wir werden einfach immer sichtbarer, weil sich immer mehr Menschen trauen, zu ihrem eigenen Ich zu stehen“, sagt Nancy Engel. Auch in Königs Wusterhausen könne sie immer häufiger auch lesbische Paare auf der Straße beobachten. Ein Weg in die richtige Richtung, findet sie.

Von Danilo Hafer

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