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Hürden im Alltag der Flüchtlingskinder

Minderjährige Flüchtlinge in Prieros Hürden im Alltag der Flüchtlingskinder

In der Kinder- und Jugendeinrichtung in Prieros (Dahme-Spreewald) werden in diesen Tagen unbegleitete, minderjährige Flüchtlingskinder aufgenommen. Zwei Jungs aus Syrien im Alter von 13 und 16 Jahren wohnen bereits dort. Doch nicht nur die Sprachbarriere ist schwierig, sondern auch die kulturellen Unterschiede. Frauen etwa müssen als „Chef“ erst akzeptiert werden.

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Anja Raschke-Tarnick leitet die Awo-Jugendeinrichtung in Prieros.

Quelle: Franziska Mohr

Prieros. In der schon seit 1961 bestehenden Jugendeinrichtung „Haus Prierosbrück“ rücken Kinder und Erzieher gegenwärtig zusammen. Und dies, obwohl die dort lebenden Kinder und Jugendlichen nach Angaben von Leiterin Anja Raschke-Tarnick „alle ihr Päckchen zu tragen haben“. Sie kommen aus Familien, in denen, wie es im Amtsdeutsch heißt, „die Erziehungsfähigkeit der Eltern nicht sichergestellt ist oder nie war.“ Dahinter verbergen sich nicht selten aufgrund von Alkohol- und Drogenmissbrauch unglaubliche Schicksale, die sich von halb verhungerten Kindern und totaler Verwahrlosung über häusliche Gewalt bis zu sexuellem Missbrauch erstrecken. Nicht wenige dieser Mädchen und Jungen weisen Defizite auf und sind schon jetzt vom Leben gezeichnet.

Allein in einem fremden Land

Dennoch opfern die Jugendlichen ihr Besucherzimmer, damit dort zwei auf der Flucht unbegleitete Flüchtlingsmädchen Aufnahme finden. Außerdem schrauben und hämmern Handwerker, so dass auf dem Areal noch weitere sechs männliche Flüchtlingskinder heimisch werden können. Zwei syrische Jungen, 13 und 16 Jahre alt, sind bereits da. Einer von ihnen muss nach den Strapazen der Flucht jetzt auch verkraften, dass ihm sein Bruder mitteilte, dass er sich nicht in der Lage sieht, sich künftig ausreichend um ihn zu kümmern. Er übergab ihn dem Jugendamt. Die Eltern sind in Syrien, zu ihnen hat der Junge nur über Skype Kontakt. Ansonsten lebt er mutterseelenallein in einem fremden Land, von dessen Sprache er augenblicklich nicht viel mehr als „Bitte“ und „Danke“ beherrscht.

Die Sprachbarriere ist das größte Problem. Zumal einer der Jungen auch kein Wort Englisch spricht. Es war daher schon nicht einfach, ihnen zu erklären, wie sie allein mit einem Linienbus von Prieros in die Volkshochschule nach Königs Wusterhausen gelangen, um dort jetzt am Sprachkurs teilzunehmen. Das klappt aber inzwischen.

Kulturelle Unterschiede nicht unterschätzen

Auch die kulturellen Unterschiede sind nicht zu unterschätzen. „Anfangs gab es so manchen verächtlichen Blick, weil es ihnen schwer fiel, eine Frau als Chefin zu akzeptieren“, sagt die Sozialpädagogin. Das sei so weit gegangen, dass sie nicht gegessen hätten, nur weil eine Kollegin mit am Tisch saß. Auch den respektvollen Umgang mit behinderten Kindern sind sie nicht gewohnt. Sie wollten nur mit arabischen Kindern zusammen sein. „Anpassung muss immer von beiden Seiten geschehen“, sagt Anja Raschke-Tarnick. Das habe man ihnen mit Hilfe eines Dolmetschers unmissverständlich gesagt. Ansonsten hätten sie in dieser Einrichtung nichts verloren.

„Hier gibt es klare Regeln, die alle Heimbewohner unabhängig von ihrer Herkunft zu respektieren haben“, sagt die Sozialpädagogin, die das Awo-Heim seit 2011 leitet. Zumal die Einrichtung mit ihren 18 Plätzen diesbezüglich in den vergangenen Jahren schon gute Erfahrungen mit Jugendlichen aus Somalia sowie einer jungen Mutter mit ihrem Neugeborenen aus Kamerun gesammelt hat. Neben der Lage direkt am Wasser und den gemütlich eingerichteten Zimmern erweisen sich dabei vor allem gemeinsames Angeln, Ballspiele und Comics als Türöffner, um den Neuankömmlingen das Ankommen sowie das respektvolle Miteinander aller Kinder in der Jugendeinrichtung zu erleichtern.

Von Franziska Mohr

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