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Dahme-Spreewald Ideen gegen die Agrarmarktkrise
Lokales Dahme-Spreewald Ideen gegen die Agrarmarktkrise
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00:16 14.03.2017
Der Bauernverband Südbrandenburg hat in Luckau getagt. Gut 200 Teilnehmer sprachen über Probleme und die Zukunft der Landwirtschaft. Quelle: Andreas Staindl
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Luckau

Südbrandenburger Landwirte kämpfen gegen die Agrarmarktkrise. Sie haben Probleme, die ihre Existenz bedrohen: Niedrige Preise für Milch und andere Agrarprodukte, Verschärfung des Düngerechts, Forderungen nach mehr Tier- und Umweltschutz, wachsende Wolfs-und Wildpopulation, organisierte Viehdiebstähle. Der Vorsitzende des Bauernverbands Südbrandenburg, Thomas Goebel, fordert deshalb verlässliche politische Rahmenbedingungen. Nur so könne Planungssicherheit geschaffen werden. Mehr als 200 Teilnehmer aus der Politik, der Landwirtschaft und der Wissenschaft diskutierten am Donnerstag ihr Verständnis von moderner Landwirtschaft und wie sie sich behaupten kann. Sie waren zum 23.Verbandstag des Bauernverbands Südbrandenburg in Luckau zusammengekommen. Ihr Motto: „Die moderne Gesellschaft braucht die moderne Landwirtschaft“. Das setze voraus, dass „Fortschritt befördert und nicht durch bürokratische Hürden behindert wird“, wie Thomas Goebel sagte.

Die Geschäftsführerin des Verbands in Südbrandenburg, Carmen Lorenz, plädierte für mehr Augenmaß und höhere Anerkennung der Arbeit der Bauern: „Unsere Landwirte haben bereits hohe Investitionen in Tierwohl und Umweltschutz getätigt. Um dieses Niveau zu halten und noch weiter auszubauen, benötigen sie eine angemessene Entlohnung für ihre Produkte. Noch höhere Standards kann es nicht zum Nulltarif und auf Kosten der Bauern geben.“ Die Geschäftsführerin setzte auch kulinarisch ein Zeichen, servierte den Gästen statt der üblichen Molkereiprodukte diesmal frische Vollmilch und Äpfel von regionalen Erzeugern. Für sie ist das „ein klares Signal gegen das Preisdumping der Molkereien. Wir brauchen keine Almosen, sondern faire Preise für die Erzeugnisse unserer Bauern.“

Harte Bewährungsprobe auch für gut aufgestellte Betriebe

Die meisten Betriebe verzeichneten 2016 im zweiten Jahr in Folge drastische Einkommensrückgänge, wie Thomas Goebel sagte: „Schweinehalter, Ferkelerzeuger, Milch-und Ackerbauern haben unter den niedrigen Aufkaufpreisen stark gelitten.“ Selbst gut aufgestellte und moderne Betriebe würden auf harte Bewährungsproben gestellt.

Wie der Agrarmarktkrise begegnet werden kann, versuchten Politiker und Wissenschaftler während einer Podiumsdiskussion herauszufinden. Regionale Vermarktung wäre ein Weg. „Wir brauchen eine Mischung aus Regionalität und Export“, sagte Rainer Gießhübel vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Anja Müller-König von der Agrargenossenschaft Goßmar hatte zuvor aus der Praxis berichtet: „Wir vermarkten regional. Doch das ist nicht die Zukunft, sichert nicht unser Auskommen. Unsere Absatzmärkte sind die urbanen Märkte. Wir dürfen nicht nur für Regionalität, sondern müssen vor allem für die hervorragende Qualität unserer Produkte werben.“ Sie kritisierte die Politik, die sich im VW-Skandal geschlossen hinter den Konzern stellt, doch für die Landwirte ein solches Zeichen vermissen lässt.

Landwirte wollen offen sein für neue Lösungen

Brandenburgs Minister für Infrastruktur und Landwirtschaft, Jörg Vogelsänger (SPD), ist für „regionale Vermarktung. Wir brauchen aber das Bewusstsein in der Gesellschaft, dass regionale Produkte etwas wert sind.“ Er machte den Bauern Hoffnung: „Sie haben einen weltweiten Markt, aber auch regionale Chancen.“ Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbands, ist skeptisch: „Regionalität wird nicht die Lösung für die Landwirtschaft in Brandenburg sein, sondern womöglich sogar kontraproduktiv. Etwa dann, wenn mehrere Betriebe mit ihren regionalen Produkten konkurrieren.“ Er warnte vor „deutschen Alleingängen“ und sprach sich für einen „gemeinsamen europäischen Markt“ aus. Kirsten Tackmann (Linke), Mitglied im Deutschen Bundestag, wünscht sich, dass „Landwirte wieder in enge Beziehung zu den Verbrauchern treten“. Trotz aller Probleme der Bauern: „Wir Landwirte sind zur Veränderung bereit und wollen uns den gesellschaftlichen Anforderungen stellen“, sagte Thomas Goebel. „Und wir sind offen für neue Lösungen, wenn diese wirtschaftliche Perspektiven bieten.“ Für den Vorsitzenden des Bauernverbands Südbrandenburg hat „Landwirtschaft eine Zukunft. Wir müssen sie aber aktiv mitgestalten.“

Von Andreas Staindl

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