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„Im Alter zeigt sich, wer sich pflegt“

Fachgespräch „Im Alter zeigt sich, wer sich pflegt“

Nadine Aulig ist Kosmetikerin aus Leidenschaft. Am liebsten verwöhnt die 37-Jährige ihre Kunden mit Massagen. Im MAZ-Fachgespräch spricht sie Technik bei der Behandlung, Trends bei der Nagelpflege sowie Tipps und Tricks für eine reine Haut.

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Nadine Aulig während einer Kosmetikbehandlung,

Quelle: Anja Meyer

Königs Wusterhausen. Nadine Aulig (37) ist Kosmetikerin im Salon „Loreen Cosmetic“ in Königs Wusterhausen. Schon während der Schulzeit war ihr klar, dass sie einen handwerklichen und künstlerischen Beruf lernen wollte. 1995 ging sie in die Ausbildung an einer Kosmetikfachschule. Zum Fachgespräch empfängt sie am Abend perfekt geschminkt im Salon. Nach neun Stunden Arbeit, eigentlich wären es zehn geworden, aber die letzte Kundin hat kurzfristig abgesagt.

Frau Aulig, welche Behandlung haben Sie heute zuletzt gegeben?

Die klassische Kosmetikbehandlung. Das bedeutet Ausreinigen, das Auftragen einer Wirkstoffampulle und eine wohltuende Gesichtsmassage. Eine solche Behandlung wird hier am häufigsten nachgefragt.

Und was machen Sie persönlich am liebsten?

Ach, eigentlich mache ich alles gerne – auch Maniküre oder Fußpflege. Am liebsten gebe ich aber Massagen, dabei entspanne ich selbst und träume mich kurz aus der Realität. Insgesamt finde ich es schön, dass mein Beruf so abwechslungsreich ist. Das ist auch wichtig, um den Körper nicht einseitig zu belasten. Die Arbeit als Kosmetikerin ist körperlich sehr anstrengend, viele bekommen dadurch schon früh Rückenprobleme.

Massagen bei der Kosmetik? Ich wusste gar nicht, dass das zum Programm eines Kosmetikstudios gehört.

Doch, das ist ein sehr wichtiger Teil unserer Arbeit. Natürlich vor allem die Gesichtsmassage nach der Behandlung. Die ist wichtig, um die Durchblutung der Haut anzuregen. Aber wir bieten hier auch Rücken-, Nacken- oder Handmassagen an. In der Kosmetik steht heutzutage der Wohlfühlfaktor ganz weit oben. Sich entspannen und eine Auszeit aus dem hektischen Alltag gönnen, das steckt dahinter.

Hat sich Ihre Branche auch technisch verändert?

Oh ja, die technische Entwicklung verläuft sehr schnell – jedoch nicht unbedingt zum Positiven. Es gibt immer mehr Technik, die nicht in ein Kosmetikstudio gehört. Zum Beispiel Laser für dauerhafte Haarentfernung. Das gehört meiner Meinung nach nicht in unsere Hände. So etwas muss ein Hautarzt machen. Ich weiß doch als Kosmetikerin nicht, welche dermatologischen Anomalien der Kunde hat, auf die ich eventuell nicht lasern darf. Oder ich könnte Leberflecke verletzen. Außerdem entstehen schnell Verbrennungen, wenn man nicht vom Fach ist.

Gibt es noch andere Beispiele?

Ich war kürzlich auf der Kosmetikmesse, da habe ich den neuesten Trend gesehen: Zahnbleaching, während die Kundin bei der Maniküre sitzt. Um bloß keine Zeit zu verlieren. So etwas ist doch gruselig! Würde man das Zahnärzten erzählen, würden sie die Hände über dem Kopf zusammenschlagen! Nur sie wissen, ob sie die Zähne ihrer Patienten bleichen dürfen. Ob die Zähne dafür nicht zu empfindlich sind oder ob sie eine Verblendung drauf haben. Für mich hat das bei der Kosmetik nichts zu suchen.

Das heißt, Sie haben gar keine technischen Geräte im Studio?

Nur eine elektrische Gesichtsbürste, mit der ich das Peeling verstärken kann. Ansonsten nichts. Ich bin noch eine Kosmetikerin der alten Schule und mache viel lieber alles per Hand. Mir ist es wichtig, dass die Kunden sich richtig entspannen können. Leider merke ich, dass es den Kunden selbst häufig schwerfällt. Vor allem Frauen. Sobald sie das Handy vibrieren hören, kommen sie nicht mehr runter. Männer schalten besser ab, die schlafen bei der Massage ein.

Wie viel Prozent ihrer Kunden sind männlich?

Etwa zehn Prozent würde ich sagen. Den Großteil machen immer noch die Frauen aus.

Mit welchem Anliegen kommen Männer vor allem zu Ihnen?

Um abzuschalten. Die meisten nehmen die klassische Kosmetik in Anspruch. Wir haben ein spezielles Männerprogramm mit längerer Massage. Die ist den Herren besonders wichtig. Und die Augenbrauen lassen sich manche zupfen.

Ich kenne einige Männer, die sich nicht einmal eincremen – und keine Probleme mit der Haut haben. Sieht man es den Leuten langfristig an, ob sie zur Kosmetik gegangen sind.

Natürlich. Im Alter zeigt sich, wer sich ein Leben lang gepflegt hat und wer nicht. Diejenigen, die sich nicht gepflegt haben, bekommen einmal viel mehr Trockenheitsfältchen als andere.

Muss man sich denn unbedingt von der Kosmetik pflegen lassen oder reicht auch eine Pflege zu Hause?

Man kann sich natürlich auch allein gut pflegen. Dazu gehört eine tägliche Reinigung der Haut und das Auftragen der auf den Hauttyp abgestimmten Pflegecreme. Besonders am Abend ist so eine Reinigung wichtig, um die ganzen Umweltgifte herunterzuwaschen. Eine Kosmetikbehandlung ist wirksamer. Da wird die Haut richtig gereinigt, die Wirkstoffe sind konzentrierter und die Gesichtsmassage durchblutet die Haut. Wir empfehlen, das einmal im Monat machen zu lassen. Aber natürlich ist das auch Luxus, das verstehe ich. Dafür hat nicht jeder das Geld. Dann ist eine gute Pflege zu Hause auch in Ordnung.

Es gibt ständig neue Kosmetikprodukte in der Drogerie, die jugendliche Haut versprechen. Wie kann ich da als Kunde noch durchblicken?

Gar nicht. Es ist viel zu viel auf dem Markt, das erschlägt einen. Für einen schnellen Check kann es helfen, sich auf den Internetseiten von Stiftung Warentest oder Ökotest über die Inhaltsstoffe zu informieren. Generell kann ich nur dazu raten, bei einem Produkt zu bleiben, mit dem man zufrieden war. Und sich nicht zu überpflegen. Wer zu viele Produkte benutzt, bekommt auch Hautunreinheiten.

Achten Sie auf die Haut anderer, wenn Sie privat unterwegs sind?

Ja, ich scanne unbewusst immer. (lacht) Und denke mir: Die müsste mal zum Ausreinigen oder der würde eine andere Lippenstiftfarbe besser stehen. Ich gebe dann manchmal eine stille Typberatung.

Was würden Sie mir raten?

Eine Augencreme zu verwenden. Wenn Sie lachen, sieht man schon deutliche Krähenfüße. Und einen Concealer zum Überdecken der Augenringe.

Was fällt Ihnen auf, wenn Sie in der Region unterwegs sind?

Dass die jungen Mädchen heutzutage sehr gepflegt und gut geschminkt sind. Das liegt wohl an den neuen Medien. Sie schauen sich Schminktipps auf Youtube an und setzen die ziemlich gut um.

Wie sehen die aktuellen Fingernageltrends aus?

Das ändert sich ständig, die Nagelbranche muss sich ja immer wieder neu erfinden. Derzeit ist es besonders hip, sich nur einen Nagel mit Glitzer zu lackieren. Ansonsten sind Metallicfarben und spitz zulaufende Nägel angesagt. Bei der Schminke hingegen liegt es im Trend, so natürlich wie möglich auszusehen.

Schminken Sie hier im Salon häufig?

Schon immer wieder mal. Zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten oder runden Geburtstagen lassen sich die Kundinnen gerne ein Tages-Make-up verpassen. Im Endeffekt schminken wir viel seltener, als Außenstehende denken. Das ist ja das Klischee des Berufs: Schminken und Pickel ausdrücken. Aber Kosmetik ist so vielfältig. Es ist auch ein sehr psychologischer Beruf.

Inwiefern?

Wir hören schon viele Geschichten unserer Kunden und stellen uns auch immer auf ihre aktuelle Verfassung ein. Das erfordert viel Feingefühl. Und natürlich die Fähigkeit, das dann abends nicht mit nach Hause zu nehmen.

Eine Frage zum Schluss: Gibt es etwas, das Sie nie machen würden?

Ja, Intimhaarentfernung. Das habe ich einmal an einer alten Arbeitsstelle gesehen und da hat sich alles entzündet. Schrecklich. Dazu sollte man zu Spezialisten in ein Waxing-studio gehen, die haben auch das richtige Warmwachs dafür.


Von Anja Meyer

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