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Im Cockpit eines A320

Wildau Im Cockpit eines A320

Der Flugsimulator der Technischen Hochschule Wildau ist für die angehenden Luftfahrtingenieure gedacht. Hier lernen sie zu verstehen, wie Piloten denken und arbeiten.

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Beim Rundflug über Berlin im Flugsimulator der Technischen Hochschule Wildau. Der wird vor allem für die Arbeit mit Studierenden genutzt.

Quelle: Karen Grunow

Wildau. Mitten im Landeanflug bricht Hektik aus. Ferdinand Behrend hatte eben mit ruhiger Stimme darum gebeten, die Flugrichtung anzupassen. Doch statt des Steuerkursreglers erwische ich den für die Geschwindigkeit. Wir ziehen an. Die Turbinen röhren. Schnelle Korrektur, wir drehen schwungvoll ab. Mir wird leicht schwummrig.

Wie Behrend bleibt auch Marius Schlingelhof ganz entspannt. Der Professor für Luftverkehrsmanagement an der Technischen Hochschule Wildau sitzt auch mit im Cockpit, das genau genommen ja „nur“ ein Simulator ist. Den gibt es seit 2014 an der Hochschule. Nicht zur Ausbildung von angehenden Piloten, sondern für die künftigen Ingenieure des Studiengangs Luftfahrttechnik/Luftfahrtlogistik. Schließlich sollen sie verstehen können, was im Cockpit eines Airbus’ beispielsweise passiert. Der Simulator jedenfalls ist einem A320 nachempfunden. „Er bildet alle Funktionalitäten ab“, erklärt Schlingelhofs Mitarbeiter Behrend.

Beim Hochschulinformationstag dürfen Besucher mitfliegen

Er kennt sich richtig gut aus. Der promovierte Wissenschaftler hat als Fluglotse gearbeitet, bevor er selbst studierte und später spezielle und bewegliche Simulatoren betreute, in denen angehende Piloten wie unter Realbedingungen trainieren. Seit Oktober nun arbeitet er in Wildau. Hier absolviert er Flugstunden mit Studierenden oder hebt auch mal mit besonderen Gästen der Hochschule für einen Rundflug ab. Zum Hochschulinformationstag am 20. Mai dürfen auch andere Interessierte mal Platz nehmen auf dem Pilotensitz. Zu besonderen Aktionen wie kürzlich beim Fachtag Informatik oder am 27. April beim Zukunftstag können Jugendliche den Simulator ausprobieren. Manchmal müssen Schlingelhof und Behrend dann auch Illusionen nehmen. Nein, Crashs mit ordentlichem Rumms und viel Feuer können und wollen sie hier nicht provozieren. Der Simulator ist schließlich kein Computerspiel, sondern ein Lehrinstrument. „Es ist eben ein Labor wie andere auch“, sagt Marius Schlingelhof.

TH-Professor Marius Schlingelhof (l) und Mitarbeiter Ferdinand Behrend lassen auch schon mal Schüler im Simulator fliegen

TH-Professor Marius Schlingelhof (l.) und Mitarbeiter Ferdinand Behrend lassen auch schon mal Schüler im Simulator fliegen.

Quelle: Karen Grunow

Die meisten aber sind fasziniert, wenn sie selbst mal einige der Knöpfe und Schalter bedienen dürfen. Und auch ich bin durchaus aufgeregt, als mir der Pilotensitz zurecht gedreht wird. Wir wollen vom Flughafen Tegel aus starten, eine Runde drehen an Spandau vorbei und über die Havel weiter Richtung Flugfeld in Tempelhof und von dort allmählich wieder zurück nach Tegel. Zunächst tippt Ferdinand Behrend verschiedene Daten ein – Gesamtgewicht der Maschine, Spritmengen, die aktuelle Wetterlage. Er erläutert eine Berlin-Karte, auf der nicht sämtliche Straßen verzeichnet, wohl aber die höchsten Erhebungen und die Funkfeuer angegeben sind. „Wir steigen dann mal auf 5000 Fuß und dann fliegen wir so eine Runde", sagt er ermutigend und tippt weiter. Also Landeklappen einfahren, das Zeichen für die Anschnallgurte einschalten. „Bei 125 Knoten würde ich beginnen, das Flugzeug abzuheben“, zeigt er auf eine Art Joystick zu meiner Linken.

Mit 210 Knoten in Richtung Tempelhofer Feld

Schnell sind wir in der Luft, es ist ziemlich bewölkt. Als wir auf das Tempelhofer Feld zusteuern, sind wir bei 210 Knoten – knapp 400 Kilometer in der Stunde. Wir drosseln die Höhe auf 3000 Fuß, um unter den Wolken zu bleiben. Das Berlin-Panorama baut sich vor den großen Scheiben des Cockpits auf. Allerdings nicht ganz pixelfrei, der Sound dafür wirkt real. Ich reagiere reflexhaft wie ein pawlowscher Hund, sogar Druck vermeine ich kurz mal in den Ohren zu spüren – wie bei einem echten Flug. In der Ferne blitzt es. Der Flughafen Tegel. Die Landeklappen sind längst ausgefahren, wir folgen dem Leitstrahl, Behrend erklärt einige der Anzeigen. Das Fahrwerk wird ausgefahren. „Jetzt sitzt man drin und wartet auf eine Landefreigabe des Fluglotsen“, sagt er dann und: „Wir aktivieren das automatische Bremssystem.“ Die Landung klappt reibungslos. Beim Einparken am Gate jongliere ich wieder, Behrend greift sachte ein. „Das Bugrad ist unter dem Cockpit“, gibt Schlingelhof hinter mir zu bedenken. Also nicht gleich heftig lenken, sobald die Airbus-Schnauze den Abzweig erreicht hat, noch einen Moment warten, dann rollt der Vogel elegant auf der Markierungslinie entlang.

Schlingelhof selbst hat an der Technischen Universität Berlin studiert und dort bereits solche Simulatoren kennengelernt. Das begeisterte ihn damals so sehr, dass er daraufhin den Pilotenschein für kleine Maschinen machte. Seit 2009 ist er Professor an der TH. Dort einen Flugsimulator zu integrieren, war schon früh ein Traum einiger Dozenten. Möglich wurde das letztlich, weil im Zuge des Neubaus von Haus 16, wo die Luftfahrttechnik sitzt, auch ausreichend Gelder für die Ausstattung bereitgestellt wurden. Verstärkt sollen nun auch Forschungsprojekte mit dem Simulator umgesetzt werden, sagt Schlingelhof, derweil Behrend die Technik runterfährt. Am Ende wird einfach das Licht ausgemacht. Und ich laufe, noch immer leicht wankend, raus durch die unscheinbare Tür des besonderen Labors auf den Platz vor Haus 16.

Von Karen Grunow

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