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Immer mehr Häuser werden zwangsversteigert

Amtsgericht Königs Wusterhausen Immer mehr Häuser werden zwangsversteigert

Bei Zwangsversteigerungen registriert das Amtsgericht Königs Wusterhausen einen steilen Anstieg. Waren 2013 „nur“ 75 derartige Verfahren zu verzeichnen, so werden in diesem Jahr schon 130 erwartet. Dabei gewinnt aufgrund der guten Marktlage die Auseinandersetzungs- gegenüber der Forderungsversteigerung immer mehr die Oberhand.

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 Matthias Deller, Leiter des Amtsgerichts Königs Wusterhausen, mit den Rechtspflegerinnen Mandy Zeising (l.) und Tessa Noack.
 

Quelle: Franziska Mohr

Wildau.  Die Mitarbeiter am Amtsgericht Königs Wusterhausen verzeichnen bei Zwangsversteigerungen einen steilen Anstieg. In diesem Jahr werden dort knapp 130 derartige Verfahren erwartet. 2013 waren es „nur“ 75.

„Die Versteigerung erlebt eine Renaissance. Angesichts der niedrigen Zinsen ist der Markt sehr lukrativ, die Nachfrage hoch“, sagt Rechtspflegerin Mandy Zeising. Viele Betroffene halten den Zeitpunkt für günstig und beantragen daher jetzt eine sogenannte Teilungs- oder Auseinandersetzungs-Versteigerung, obwohl die Konflikte in der Familie oder der Erbengemeinschaft oft schon seit Jahren schwelen. Dabei geht es nicht um die Begleichung von Schulden, sondern die Aufhebung einer Gemeinschaft an einem Grundstück (siehe Infobox). Nicht selten kaufen Ehepaare oder Partner gemeinsam ein Grundstück, bei einer Trennung aber gestaltet sich dies oft problematisch. Ähnlich verhält es sich bei Geschwistern bezüglich des elterlichen Erbes. Streit um Haus und Hof ist meist programmiert, bis einer der Beteiligten die Reißleine zieht und beim Amtsgericht eine Auseinandersetzungs-Versteigerung beantragt. Die Erfahrungen der Rechtspflegerinnen besagen, dass die Partner oft derart zerstritten sind, dass sie sich im Gerichtssaal nicht eines Blickes würdigen.

„Angesichts der allgemeinen Flucht ins ‚Betongold‘ erhoffen sich viele jetzt bei einer Teilungsversteigerung einen guten finanziellen Ertrag“, stellt Rechtspflegerin Tessa Noack fest. Für die Justizbediensteten liegt es daher im Trend, dass bei den Zwangsversteigerungen die Auseinandersetzungs- gegenüber der Forderungsversteigerung mehr und mehr die Oberhand gewinnt. Letztere ist nach Angaben der Rechtspflegerinnen sogar rückläufig.

 Eigentümern, die in finanzielle Engpässe geraten sind, gelingt es im Speckgürtel rund um Berlin aufgrund der guten Marktlage derzeit meist noch rechtzeitig, ihre Immobilie zu verkaufen und damit eine Zwangsversteigerung abzuwenden. Kommen die Grundstücke mit oder ohne Haus im Amtsgericht Königs Wusterhausen aber dennoch unter den Hammer, so können sich die beiden Rechtspflegerinnen über mangelnde Interessenten nicht beklagen. In diesem Jahr erinnern sich die beiden Gerichtsbediensteten lediglich an ein einziges Grundstück in Schwerin, das beim ersten Termin nicht ersteigert wurde. Die vorgeschriebenen 30 Minuten tickten auf der Uhr unendlich langsam herunter, es blieb mucksmäuschenstill im Saal und nichts, aber auch gar nichts geschah. Ein Gebot – Fehlanzeige. Andersherum verblüfft es die Rechtspflegerinnen, für wie viel Geld so manches Grundstück bei einer Zwangsversteigerung den Besitzer wechselt. „Wer glaubt, bei Zwangsversteigerungen hier im Berliner Umland echte Schnäppchen erhaschen zu können, wird meist enttäuscht“, sagt Mandy Zeising. Rechtlich dürfe das Grundstück beim ersten Versteigerungstermin ohnehin nicht unter 50 Prozent des Verkehrswertes den Besitzer wechseln. Es sei auch nicht selten, dass Interessenten ein bestimmtes Grundstück unbedingt ersteigern wollen, koste es, was es wolle. „Sie steigern sich in einen regelrechten Bieterrausch hinein“, sagt Zeising. Dieses Eindrucks konnten sich die Rechtspflegerinnen beispielsweise bei der Zwangsversteigerung eines gleichfalls im Schenkenländischen Schwerin gelegenen, nur knapp 500 Quadratmeter großen Wassergrundstücks mit einem maroden Steg und einer kleinen Datsche nicht erwehren. Das Areal war nicht einmal direkt mit dem Auto erreichbar, sodass ein Gutachter den Verkehrswert auf nur knapp 8000 Euro festgesetzt hatte. Mehr als 70 Interessenten kamen zu dieser Versteigerung, die sich gegenseitig so hochschaukelten, dass das kleine Areal beim dritten Hammerschlag einen Erlös von mehr als 70 000 Euro erzielte.

Als schwierig bewerten die Rechtspflegerinnen auch den Ausgang einer Zwangsversteigerung, bei der der Mann nach einer Scheidung die Teilungsversteigerung des einst gemeinsamen Hauses beantragte. In dem Haus wohnen aber nicht nur seine Ex-Frau, sondern auch die Schwiegereltern, die sich gleichfalls finanziell am Erwerb von Haus und Grundstück beteiligten. Sie sind aber nicht als Miteigentümer im Grundbuch eingetragen, sondern besitzen nur einen Mietvertrag.

 Das Verfahren endete damit, dass der Mann das Haus selbst ersteigerte und nun den Mietvertrag mit den ehemaligen Schwiegereltern kündigen kann. Für die Rechtspflegerinnen ist dies kein Einzelfall. Sie raten daher allen Beteiligten auch in noch so glücklichen Familien, bei derartigen Bauvorhaben vorher eine notarielle Beratung aufzusuchen. Das sei ein Gebot der Vernunft, um nicht eines Tages unvermittelt auf der Straße zu stehen.

 „Ohnehin könnten viele Teilungsversteigerungen verhindert werden, wenn alle Betroffenen offen über die zu klärenden Probleme reden würden und dies möglichst noch zu Lebzeiten der Eltern“, weiß Rechtspflegerin Tessa Noack aus Erfahrung.

Von Franziska Mohr

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