Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Dahme-Spreewald Immer mehr Menschen in der Schuldenfalle
Lokales Dahme-Spreewald Immer mehr Menschen in der Schuldenfalle
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:26 16.11.2015
Wer Schulden hat, muss jeden Cent zweimal umdrehen. Immer häufiger trifft dieses Schicksal Senioren, die nicht genug Rente bekommen. Quelle: dpa
Anzeige
Dahmeland-Fläming

Die Zahl überschuldeter Privatpersonen in der Region Dahmeland-Fläming steigt. Im Landkreis Dahme-Spreewald gelten im zu Ende gehenden Jahr 9,6 Prozente aller Einwohner über 18 Jahren als überschuldet, das sind knapp 13 200 Personen. In Teltow-Fläming sind es 10,93 Prozent, also fast 14 900 Menschen. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 9,92 Prozent. Das geht aus dem aktuellen Schuldneratlas hervor, den die Wirtschaftsauskunft Creditreform jährlich herausgibt. Zunehmend betroffen von Überschuldung sind Senioren.

Zwar ist die Schuldnerquote bei Menschen ab dem 70. Lebensjahr mit 1,16 Prozent am niedrigsten, doch die Zahl ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Das bestätigt Heiko Rehfeldt, Leiter der DRK-Insolvenzberatungsstelle in Königs Wusterhausen: „Das Problem der Altersarmut nimmt zu, weil sich immer mehr Menschen ab Mitte 50 mit Minijobs bis zur Rente hangeln müssen“, erklärt Rehfeldt. „In diesen prekären Beschäftigungsverhältnissen entstehen aber kaum Rentenansprüche. Das Geld reicht dann gerade für den Lebensunterhalt, aber für die Altersvorsorge bleibt nichts mehr übrig.“

Hintergrund

Die Schuldnerquote in der Region ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen: In Teltow-Fläming lag sie 2009 noch bei 10,31 Prozent aller Erwachsenen, inzwischen bei 10,93 Prozent. In Dahme-Spreewald ist die Quote von 8,88 Prozent auf 9,60 Prozent gestiegen. In den neuen Ländern ohne Berlin liegt sie bei 10,26 Prozent.

Im Ranking aller 402 Kreise und kreisfreier Städte bundesweit liegt Teltow-Fläming auf Platz 303, Dahme-Spreewald Platz 207.

Für den Altkreis Königs Wusterhausen bietet das Deutsche Rote Kreuz eine Schuldner- und Insolvenzberatung an: Tel. 0 33 75/ 21 89 71.

Die Schuldnerberatung des Diakonischen Werkes Teltow-Fläming in Luckenwalde ist zu erreichen unter Tel. 0 33 71/ 40 14 27.

In Zossen und Ludwigsfelde gibt es außerdem Beratungsstellen des Freien Betreuungsvereins Teltow-Fläming: Tel. 0 33 77/ 20 43 90.

Die höchste Schuldnerquote findet sich in der Gruppe der 30- bis 39-Jährigen, fast 19 Prozent der Menschen in diesem Alter gelten als überschuldet. Die Ursachen sind vielfältig: „Ein häufiger Grund für Überschuldung ist Arbeitslosigkeit“, sagt Ina Albers, die Leiterin der Schuldnerberatung des Diakonischen Werks Teltow-Fläming in Luckenwalde. „Aber auch Krankheit oder Suchtverhalten, die Trennung von einem Partner, die alleinige Erziehung eines Kindes oder eine gescheiterte Selbstständigkeit können in die Überschuldung führen.“

Dabei gibt es keinen feststehenden Schuldenbetrag, ab dem eine Person als überschuldet gilt. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen Einkommen und Zahlungspflichten: „Für jemanden, der 2600 Euro im Monat verdient, kann die Situation genauso dramatisch sein wie für jemanden, der 700 Euro im Monat verdient“, erklärt Melissa Jungnickel, die Geschäftsführerin der Schuldnerberatung des Freien Betreuungsvereins Teltow-Fläming in Zossen. Selbst wenn nur abzusehen sei, dass das Geld irgendwann nicht mehr reiche, könne man von Überschuldung sprechen, so Jungnickel.

Die materielle Belastung durch die Schulden ist nicht das einzige Problem: „Bewusst oder unbewusst wirkt sich die Situation immer auf die Psyche aus“, sagt Jungnickel. „Man kann sich kaum um einen neuen Job kümmern, wenn man weiß, das Konto wird gepfändet.“ Darum sei das Hauptziel der Schuldnerberatung nicht die Entschuldung: „Uns geht es vor allem darum, den Betroffenen wieder eine Perspektive zu geben, den Druck zu nehmen und zu helfen, dass jemand sein Leben wieder in den Griff bekommt“, sagt Melissa Jungnickel, deren Stelle im Jahr durchschnittlich 500 Klienten dauerhaft berät.

Um gar nicht erst in die Schuldenfalle zu geraten, rät Ina Albers von der Schuldnerberatung des Diakonischen Werkes, die festen Ausgaben zu prüfen und ins Verhältnis zum Einkommen zu setzen: „Wenn man merkt, dass nach Abzug von Miete, Strom, Versicherungen und anderen Fixkosten nicht genug zum Leben bleibt, muss man schauen, wo man die Ausgaben kürzen kann“, so Albers. Sinnvoll sei es auch, Verträge für Mobiltelefon, Versicherung oder Darlehen auf Korrektheit zu prüfen: „Häufig sind die Bedingungen bei solchen Verträgen nicht gut ausgehandelt und man zahlt zum Beispiel zu hohe Zinsen. Und einen Handy-Vertrag kann man auch kündigen.“ Als letzten Schritt können überschuldete Personen auch den Weg der Verbraucherinsolvenz gehen: „Für Schuldner ist das eine riesen Chance, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern“, sagt Ina Albers. Bei der Verbraucherinsolvenz besteht die Möglichkeit, nach sechs Jahren von allen Altschulden befreit zu werden. In Deutschland gibt es diese Option seit 1999. Doch noch immer gelten Schulden als Tabu-Thema, glaubt Heiko Rehfeldt: „Man sollte das Thema aber nicht stigmatisieren, Schulden sind Teil unseres Wirtschaftssystem.“

Von Martin Küper

Dahme-Spreewald Jugendarbeit in Mittenwalde - Alternative zum Bolzplatz

Was der Bolzplatz im Sommer, ist die Mehrzweckhalle im Winter – zumindest für Mittenwalder Jugendliche. Auf Initiative des Töpchiner Ortsvorstehers, Jan Priemer, können sie die Halle in der regelmäßig als Treffpunkt nutzen. Die Stadtverordneten haben dies nun ermöglicht.

16.11.2015
Polizei Dahme-Spreewald: Polizeibericht vom 12. November - Seniorin vermisst

Eine Bewohnerin des Seniorenheimes in Ziegenhals wird seit Mittwochabend vermisst. Die Polizei leitete umgehend eine großangelegte Suche in allen Königs Wusterhausener Ortsteil ein. Bisher blieben alle Bemühungen jedoch ohne Erfolg, die 74-Jährige bleibt verschwunden.

12.11.2015

Raser können die Hoffnung aufgeben: Das Tempolimit auf der A12 bleibt bei 120 Kilometern in der Stunde – auch wenn der Ausbau der Strecke zwischen dem Dreieck Spreeau und Frankfurt (Oder) beendet ist. Damit wollen Polizei und Landesbetrieb Straßenwesen die derzeit hohen Unfallzahlen auf der Transitstrecke senken.

13.11.2015
Anzeige