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In der BER-Lärmhölle an der Südbahn

Grüne besuchen Anwohner In der BER-Lärmhölle an der Südbahn

Politiker lassen sich im Lilienthal-Park in Waltersdorf nur selten sehen. Zu sehr fürchten sie den Frust der Anwohner, die unter dem Lärm des BER leiden. Seit der Eröffnung der Südbahn im Mai hat sich die Situation zugespitzt. Jetzt bekamen die Lärmgeplagten Besuch von Landtagsabgeordneten der Grünen.

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Eberhard Müller (M.) erzählt den Grünen-Abgeordneten Axel Vogel (r.) und Benjamin Raschke von seinem Kampf um Entschädigung.

Quelle: Zielke

Waltersdorf. „Ach das ist nur ein Kleiner, der ist nicht so laut.“ Eberhard Müller erkennt die Flieger schon von weitem und weiß, ob es reicht, die Stimme zu heben, oder ob man kurz innehalten muss, bis der Krach vorbei ist.

Müller wohnt im Lilienthal-Park in Waltersdorf, was seit Anfang Mai so etwas wie das Epizentrum der Lärmhölle ist. 150 Meter über seinem Haus donnern die Flugzeuge im Landeanflug auf die vor zwei Monaten eröffnete Südbahn des BER. Axel Vogel und Benjamin Raschke stehen im Garten von Eberhard Müller. Die beiden Landtagsabgeordneten der Grünen ziehen instinktiv kurz den Kopf ein, wenn ein Flieger hinüber fliegt. Sie wollen sich ein Bild machen von der Situation der Anwohner der Südbahn, die wegen der Sanierung der Nordbahn für ein paar Monate in Betrieb ist und erahnen lässt, wie es wird, wenn der BER vielleicht 2017 eröffnet.

Der Forderungskatalog

Die Brandenburger Grünen stellen folgende Forderungen zum BER-Schallschutz:

Das Nachtflugverbot soll von 22 bis 6 Uhr gelten.

Der Schallschutz muss vor Inbetriebnahme des Flughafens umgesetzt sein.

Schluss mit der Praxis, Räume und ganze Immobilien als nicht schutzwürdig einzustufen. Außen- statt Innendämmung.

Überprüfen der 30-Prozent-Kappungsgrenze. Einführung einer Härtefallregelung.

Beschränkung der Kapazität auf 360 000 Flugbewegungen im Jahr.

Lärmrente für alle Südbahn-Anwohner, die noch keinen Schallschutz haben.

Bis dahin möchte Eberhard Müller nicht mehr in Waltersdorf leben, doch dafür müsste ein Wunder geschehen. Vor fünf Jahren hat er zusammen mit mehreren seiner Nachbarn einen Antrag auf Umsiedlung gestellt. Die rund zwei Dutzend Hausbesitzer fühlen sich gleich doppelt von der Politik betrogen. Von der ehemaligen Gemeinde Waltersdorf, die ihnen in den 1990er Jahren die Grundstücke als Wohnbauland verkaufte, obwohl dort wegen des Flughafens maximal Gewerbe zulässig gewesen wäre und von der Landesregierung, die jede Härtefallregelung bislang verhindert hat. Vor allem dieses Thema will Grünen-Landtagsfraktionschef Axel Vogel noch einmal zur Sprache bringen. In der vergangenen Legislaturperiode war ein Antrag seiner Fraktion abgelehnt worden. Vogel schlägt eine temporäre zweckgebundene Sonderabgabe vor, die den Grundstücksbesitzern als Entschädigung zukommen soll.

Die bislang in Aussicht gestellte Entschädigung ist für Eberhard Müller ein Witz. Weil die Kosten für den Schallschutz an seinem Haus zu hoch sind, will ihm der Flughafen eine Entschädigung zahlen in Höhe von 30 Prozent des schallschutzbezogenen Verkehrswerts. Aus diesem werden alle nicht zu dämmenden Räume wie Bäder, Küchen und Abstellräume herausgerechnet. Durch diesen Trick ist sein Haus statt 400 000 Euro nur noch halb so viel wert. 72 000 Euro würde er als Entschädigung bekommen. Die vom Flughafen beauftragten Ingenieure hatten Schallschutzkosten von 110 000 Euro errechnet. Weil er die Innendämmung der Räume ablehnt, hat Eberhard Müller einen Architekten beauftragt. Dessen Kostenberechnungen gehen von bis zu 160 000 Euro aus.

Besonders frustriert den 71-Jährigen, dass er als Anwohner des Leipziger Flughafens schon seit langem entschädigt worden wäre. Dort werden alle umgesiedelt, die tagsüber mehr als 70 Dezibel und nachts mehr als 60 Dezibel Lärm abbekommen. „Sind wir weniger wert als die Menschen in Sachsen“, fragt Müller die beiden Grünen-Politiker, denen er schon allein dafür dankbar ist, dass sie sich überhaupt sehenlassen. Axel Vogel hört vor allem zu. Er sagt, er wolle bei der Landesregierung Fragen stellen, nachhaken. Große Versprechungen macht er nicht, davon hat Eberhard Müller schon viele gehört. Dann sagt er einen Satz, der alle überrascht.„Ich glaube trotzdem an das Gute.“

Von Christian Zielke

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