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Dahme-Spreewald In der Wendezeit als Schwarzbau gestartet
Lokales Dahme-Spreewald In der Wendezeit als Schwarzbau gestartet
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04:35 07.06.2016
Geschäftsführer Harald Müller (r.) mit den Mitarbeitern Kerstin Höhn und Robert Koglin. Quelle: Franziska Mohr
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Wildau

Sollte jemals in der Region der Begriff „Wende-Firma“ Eingang in die Geschichtsbücher halten, dann ist dort mit Sicherheit das Unternehmen Rohr- und Anlagenbau Königs Wusterhausen (RAKW) verzeichnet. 1991 gegründet, feiern die 230 Mitarbeiter noch in diesem Monat mit einem Familienfest das 25-jährige Bestehen des Unternehmens, das heute in Wildau ansässig und längst den Kinderschuhen entwachsen ist. In der Region gilt die Firma mit einem Umsatz von 25 Millionen Euro 2015 als einer der größten Baubetriebe.

Den Anstoß für die Gründung gab damals die zur Diskussion stehende Vergabe des Konzessionsvertrages für die Stadt Königs Wusterhausen durch den in Oldenburg ansässigen Gasversorger EWE. Die Unternehmensgruppe Ludwig Freytag, die Mutter des späteren RAKW, hat dort gleichfalls ihren Sitz. Der spätere RAKW-Geschäftsführer Wilfried Gromotka, der bis dato noch nie im Osten war, erhielt den Auftrag, hier eine Firma aufzubauen. Ein schwieriges Unterfangen, wie sich schnell zeigte. Es gab Aufträge in Hülle und Fülle, aber bei einem Gewerbegrundstück hieß es in den Rathäusern der Region nur Fehlanzeige. Kurzerhand wurde mit Containern auf einem Gemüseacker in Brusendorf gestartet. Stromausfälle waren keinesfalls selten, wurden die Baracken doch ausschließlich mit Baustrom gespeist. Statt mit smarten Handys telefonierten die Mitarbeiter mit fast fünf Kilogramm schweren „Monstern“.

Auftragsvolumen in heute nicht mehr denkbaren Dimensionen

Nach einiger Zeit tauchten Mitarbeiter der Mittenwalder Bauverwaltung auf, die die nicht vorhandene Baugenehmigung sehen wollten. Da erklärte der Geschäftsführer kurzerhand: „Wir bauen die Container ab, aber dann sind auch 200 Arbeitsplätze futsch.“

Allein für die Stadt Königs Wusterhausen mussten damals in nur neun Monaten Bauzeit 36 Kilometer Gasrohre verlegt werden. Auftragsvolumen, von denen die heutigen Geschäftsführer Manfred Vogelbacher und Harald Müller nur noch träumen können. „Der Kampf um Aufträge ist viel, viel härter geworden“, sagt Müller, der schon 20 Jahre bei RAKW tätig ist. Eine Tatsache, die dem Firmengründer Wilfried Gromotka zum Verhängnis wurde. Wollte er doch mit seinem Unternehmen unbedingt auf der Großbaustelle BER als Player mitmischen. Als dies schwierig zu werden drohte, versuchte er es mit Korruption und wurde dafür 2015 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt (die MAZ berichtete). „Ein Fehler, der mit einem Imageschaden für den Betrieb verbunden war, aus dem wir Konsequenzen gezogen haben“, sagt Geschäftsführer Müller. Steht doch selbst auf den Einladungskarten zum jetzigen Firmenjubiläum ein Hinweis auf die Compliance.

Unternehmen passt sich an die Bedingungen des Marktes an

Achtung und Anerkennung genießt der ehemalige Geschäftsführer Gromotka aber bis heute bei vielen seiner ehemaligen Mitstreiter. „Er hat den Betrieb mehr als 20 Jahre über alle Stürme hinweg geführt und immer Arbeit für über 200 Leute besorgt. Das sollte trotz seiner Verurteilung nicht vergessen werden“, sagt ein Mitarbeiter.

Branchenkenner schätzen an RAKW aber vor allem eines: die geschickte Anpassung an die Bedingungen des Marktes. So bietet das Unternehmen seinen Kunden heute mit der 2005 gegründeten RAKW Service ein Komplettpaket an. Bei Hausanschlüssen heißt das Strom, Telefon, Gas sowie Wasser und Abwasser aus einer Hand. Neben dem Kanalbau kamen als Geschäftsfelder um die Jahrtausendwende mit den großen Abwasserprojekten in der Region noch der Straßenbau und der Elektrobereich hinzu. „Der Betrieb befindet sich in der Konsolidierungsphase und will sich dabei so breit wie möglich aufstellen“, sagt Geschäftsführer Müller. Dazu gehörten derzeit auch die teilweise sündhaft teuren Zertifizierungen, die RAKW vorweisen kann. „Unsere Mitarbeiter können Gas- und Wasserleitungen in allen Rohrarten, allen Dimensionen und allen Druckstufen“, erklärt Müller den Vorsprung gegenüber so manchem Mitbewerber. Zu den Bewährungsproben zählt er auch die 2012 erfolgte Umrüstung von 9000 Berliner Gaslaternen auf Elektro- oder LED-Beleuchtung, wo Baugruben belagert wurden und sich Gegner an die alten Masten ketteten. Auch Diebstähle von Radladern und Baggern sowie nicht bezahlte Bauleistungen galt es in den 25 Jahren zu umschiffen. „Das alles hat gestählt für die Zeit bis zum 50. Betriebsjubiläum“, sagt Müller lächelnd.

Von Franziska Mohr

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