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Dahme-Spreewald Promi-Autogramme sind ihr größtes Glück
Lokales Dahme-Spreewald Promi-Autogramme sind ihr größtes Glück
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00:16 06.02.2018
Ina Bienge wurde mit Trisomie 21 geboren. Sie führt ein normales Leben, am liebsten besucht sie Konzerte. A. Müller
Telz

Ina Bienge wurde mit Down Syndrom geboren. Dennoch führt sie ein normales und glückliches Leben. Mit 51 Jahren ist sie jetzt eine Frau im besten Alter. Heute wohnt sie in der Wohnstätte der Berliner Stadtmission in Telz, wo sie sich sehr wohl fühlt. Tagsüber arbeitet Ina Bienge in der Zeesener Werkstatt.

An diesem Nachmittag kommt Ina ziemlich kaputt nach Hause. Nein, nicht richtig nach Hause. Sie besucht nur ihre Eltern. Zu Hause ist sie jetzt in Telz. Sie legt sich auf die Couch im Wohnzimmer, legt die Beine hoch und schließt die Augen. Zwischendurch kichert sie manchmal, während ihre Mutter Renate Bienge ein Album nach dem anderen aus dem Regal holt. Darin befinden sich Fotos, auf denen Promis zu sehen sind, die Ina Bienge umarmen. Die Frau strahlt. Sie sieht glücklich aus. Andere Alben zeigen Autogrammkarten mit dem Schriftzug „Für Ina....“.

Ina Bienge genießt den Augenblick. Immer wieder trifft sie auf Prominente, mit denen sie sich ablichten lässt. Hier traf sie sich mit Kristina Bach. Quelle: Privat

Ina Bienge hat in ihrem Leben schon viele bekannte Menschen getroffen. Dazu gehören Helene Fischer, Michael Hirte, Gabi Albrecht, Kristina Bach, Nicole, Monika Martin, Maxi Arland, Wolfgang Petry und Andrea Berg. Die Reihe ließe sich noch lange fortführen. Renate Bienge holt ein Foto nach dem anderen aus den einzelnen Folien hervor, hinter denen sie im Album sorgfältig verwahrt werden. Tochter Ina nimmt manchmal eines zur Hand. „Das weiß ich noch“, sagt sie und kichert. Die Karten, die Inschriften, die Fotos spiegeln ein großes Stück von Inas Leben wieder. Eines voller gemeinsamer Erlebnisse mit den Menschen, die ihr am wichtigsten sind: mit den Eltern.

Das Kind so akzeptiert, wie es war

Renate und Lothar Bienge haben nicht mit ihrem Schicksal gehadert, als Ina mit Trisomie 21 geboren wurde. Sie haben ihr Mädchen so akzeptiert, wie es war. Klein, ein bisschen rundlich, mit den hübschen Augen einer Asiatin und mit viel Lust zum Lernen. „Mutti, ich möchte lesen und schreiben können“, hat die kleine Ina damals gesagt. Doch in der DDR war es nicht vorgesehen, dass diese Kinder zur Schule gehen.

Helene Fischer unterschrieb eine Autogrammkarte für Ina Bienge, die sich immer sehr über jede neue Karte mit Widmung freut. Quelle: Privat

Die Eltern fanden einen Weg. Jeden Tag ist Mutter Renate mit ihrer Tochter nach Berlin gefahren, um das Kind zu fördern. Das war sehr anstrengend. Jeden Tag nach Berlin, wieder zurück, Heimarbeit – Renate Bienge ist technische Zeichnerin – ,wieder nach Berlin, das Kind abholen, zurück, Haushalt. Jeden Tag von Montag bis Freitag.

Erst später tat sich eine andere Möglichkeit auf. Die Familie stieß auf Simone Hesse, eine Legasthenietherapeutin und Lehrerin aus Zernsdorf. Sie ist noch heute im Beruf. Bis 2008 war Ina Bienge bei ihr – und das Wunder geschah: Ina lernte lesen und schreiben.

Ina Bienge bei einem erhebenden Moment mit Michael Hirte, dem berühmten Mundharmonika-Spieler in der Mehrzweckhalle Mittenwalde. Quelle: Privat

Wie zum Beweis nimmt Ina ein Buch zur Hand. Es ist ein Kinderbuch für die Lesestufe eins. Mit den Augen dicht über den Buchstaben liest sie von einem Mädchen mit einem viel zu großen Schulranzen vor. Die Eltern strahlen. „Lesen ist wichtig, vor allem, wenn sie unterwegs ist, damit sie sich orientieren kann“, sagt Vater Lothar. Derweil stürzt die Mutter aus dem Zimmer. Als sie zurückkommt, hat sie verschiedene Plastiktüten in der Hand. Sie sind gefüllt mit Eintrittskarten für Veranstaltungen zwischen Mittenwalde, Diedersdorf und Berlin.

„In Mittenwalde ist am schönsten“, sagt Ina. Mutter Renate nickt zustimmend. „Da kommt man gut an die Künstler ran“, erklärt sie. In der Mercedes-Benz-Arena oder am Potsdamer Platz sei das ganz anders. Bei all den Menschenmassen stünden die Chancen für ein gemeinsames Foto mit den Künstlern wesentlich schlechter.

Über jeden Konzertbesuch Buch geführt

Renate Bienge hat für ihre Tochter genau Buch geführt. Mittlerweile hat die inzwischen erwachsene Frau 100 Künstlerfotos mit Autogramm in ihrer Sammlung. Aus dem Album kommen Karten von Hansi Hinterseer, Petra Kusch-Lück, Tom Astor, Ursula Karusseit, Lutz Jahoda, Vera Int-Veen, Wolfgang Baro, Herbert Köfer und Petra Ziegert zum Vorschein. Mit jedem Foto scheint Ina ein wenig munterer zu werden. In ihr erwachen Erinnerungen an schöne Stunden.

Ina Bienge kommt ihren Idolen ganz nah. Quelle: Andrea Müller

Als die Eltern einmal krank wurden – beide sind inzwischen über 70 – war plötzlich keiner mehr da, der sich um Ina kümmern konnte. Es wurde eilig mit Unterstützung des Vereins Lebenshilfe ein Heimplatz gesucht und schließlich in der Wohnstätte Telz der Berliner Stadtmission gefunden. Ina hat sich dort ihr Zimmer ähnlich wie zu Hause eingerichtet – mit einem Wohn- und einem Schlafbereich. „Jetzt bleibt sie meist nicht mehr lange bei uns in Königs Wusterhausen“, sagt Mutter Renate. Doch in ihren Worten ist keine Trauer. Sie freut sich, dass ihr Kind ein neues Zuhause gefunden hat, mit einer von den Eltern unabhängigen Zukunft.

Im neuen Zuhause ist Ina am liebsten mit ihrer Freundin Angelika zusammen. Natürlich dürfen die Eltern sie besuchen. „Aber wenn der Kuchen ausgepackt ist, sollen wir möglichst schon wieder gehen“, scherzt die Mutter. Im März gehen sie zusammen zu einem Konzert mit Stefan Mross in Mittenwalde.

Leben mit Trisomie 21

Bei Trisomie 21 (Down- Syndrom) ist das gesamte 21. Chromosom, oder Teile davon, dreifach vorhanden.

Der Begriff geht auf John Langdon-Down zurück, der das Syndrom 1866 erstmals beschrieb.

Während der Hitler-Diktatur wurden viele Menschen mit Down-Syndrom ermordet.

Eine eindeutige Diagnose ist nur durch die Untersuchung der Chromosomen möglich.

Neugeborene mit Trisomie 21 leiden oft an Herzfehlern und Darmverschlüssen, die aber operabel sind.

Das Syndrom ist oft verbunden mit einer geistigen Behinderung. Die Ausprägung ist sehr individuell.

Die Lebenserwartung der Menschen mit Trisomie 21 ist auf 60 Jahre gestiegen.

Mittlerweile erreicht jeder zehnte Mensch mit einem Down-Syndrom das 70. Lebensjahr.

Von Andrea Müller

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