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Internet wird häufig zur Schuldenfalle

Diakonie Lübben betreut bis zu 400 Klienten Internet wird häufig zur Schuldenfalle

Im Netz boomt das Geschäft mit Verbraucherkrediten. Vor allem junge Menschen hoffen online auf das schnelle Geld. Doch das Internet erweist sich insbesondere für unter 30-Jährige immer mehr als Schuldenfalle. Der letzte Schritt ist oft der Schuldnerberater. Steffen Geike von der Diakonie ist einer von ihnen.

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Günstige Kredite, schnelles Geld: Oft wird das Internet zur Schuldenfalle.

Quelle: dpa

Königs Wusterhausen. Als der gelernte Bankkaufmann und studierte Sozialarbeiter Steffen Geike vor 16 Jahren in der Beratungsstelle der Diakonie in Lübben begann, waren Verschuldungen durch das Internet noch nahezu unbekannt. Das aber hat sich grundlegend geändert. Heute sind fast alle seiner jüngeren Klienten unter 25 Jahren durch das Internet in die Schuldenfalle getappt.

In jüngster Zeit mehren sich dabei vor allem Fälle, in denen es nicht mehr um die eine oder andere Bestellung von Bekleidung oder Computerzubehör im Wert von 50 oder 100 Euro geht, sondern um das lukrative Geschäft mit Verbraucherkrediten. Einerseits will man der neuen Freundin mit einem tollen Auto oder Boot imponieren, aber andererseits klappt die Kreditfinanzierung direkt im Handel oder bei der Hausbank aufgrund mangelnder Bonität nicht. Die Schufa bringt dann ans Licht, dass der Betroffene möglicherweise schon zwei oder drei Kredite für Möbel, den letzten Urlaub oder Unterhaltungselektronik zu laufen hat. Anstatt jetzt auf das Wagnis des neuen Kaufs zu verzichten, schauen sich viele von Geikes Klienten im Internet um. „Leider sind Kredite im Netz inzwischen oft spielend leicht erhältlich“, fasst der Sozialarbeiter seine jüngsten Erfahrungen zusammen.

Olaf Hennings ist Schuldnerberater bei der Diakonie in Luckenwalde

Olaf Hennings ist Schuldnerberater bei der Diakonie in Luckenwalde

Quelle: privat

Bei der Beratungsstelle der Diakonie in Luckenwalde ist es etwas anders. Olaf Hennings berät dort die in die Schuldenfalle geratenen Menschen. Aber im Internet beantragte Kredite wären eher die Ausnahme, erklärt der Fachmann. Viel größere Sorge bereiten ihm die tückischen Fallen im Internet, bei denen man relativ schnell einen Vertrag abgeschlossen hat, ohne es wirklich zu wissen. „Im Internet besteht die Gefahr, dass man ungewollt einen Abovertrag abschließt. Erhält man dann eine Mahnung und geht nicht darauf ein, wird das Inkassobüro eingeschaltet“, sagt Hennings.

Einige Inkassobüros seien auf solche Internetverträge spezialisiert und würden damit eine Menge Profit erwirtschaften. Das Problem: die Leute wehren sich nicht, meint Hennings. Trudelt eine unberechtigte Forderung ins Haus, die im Internet zustande gekommen ist, würden die meisten Betroffenen eher zahlen, als sich mit dem „Vertragspartner“ und dem Inkassobüro auseinanderzusetzen. „Wehrt man sich dann nicht indem man dem Mahnbescheid widerspricht, erhält man einen Vollstreckungsbescheid“, so der Experte Hennings. Dies kann dann durchaus teuer werden. „So werden aus den monatlichen 39,90 für den Handyvertrag schnell 1500 Euro weil man seine Rechnung nicht regelmäßig bezahlt hat“, mahnt Hennings.

Schuldnerberater Steffen Geike berät in Lübben

Schuldnerberater Steffen Geike berät in Lübben

Quelle: Mohr

Neben durchaus seriösen Geldinstituten entdecken mehr und mehr Privatpersonen oder Gewerbetreibende aus den unterschiedlichsten Branchen ein neues Geschäftsmodell. Sie bieten Personen, die aus welchen Gründen auch immer Geld benötigen, Kredite mit statt der auf dem Markt üblichen 1,5 bis fünf Prozent Zinsen zu Konditionen von acht bis 14 Prozent an. Angesichts der erzielten Gewinne sprechen Experten gar „von einer neuen Gelddruckmaschine“. Im Internet wird oft ausdrücklich damit geworben, dass auf Schufa-Abfragen oder Bonitätsprüfungen aller Art verzichtet wird. Auf diese Weise erhält Schuldnerberater Steffen Geike zufolge so mancher Familienvater mit einem Verdienst von 1500 Euro oder ein Hartz-IV-Empfänger schnell zwei, drei oder gar vier Kredite von 3000, 5000 oder selbst 30 000 Euro.

„Aber das böse Erwachen kommt schnell, wenn die Kreditraten oft schon nach wenigen Wochen entweder nicht in voller Höhe oder gar nicht mehr bedient werden können“, sagt Geike. Zumal viele dieser Kreditgeber über glänzende Kontakte zu Inkasso-Firmen verfügten, die es nicht an dem nötigen Druck fehlen ließen. „Und da man die eine Rate nicht bezahlen kann, schaut man sich im Netz nach dem nächsten Kredit um. Auf diese Weise kommt eine Kette ohne Ende in Fahrt“, sagt Geike.

Außerdem hat sich in den vergangenen zwei bis drei Jahren bei der Generation der unter 30-Jährigen, die an einer Drogen-, Alkohol- oder Spielsucht leiden, über den Internethandel eine neue Form der Beschaffungskriminalität etabliert. „Die Betroffenen gehen nicht mehr stehlen, brechen Autos oder Datschen auf, sondern bestellen die Waren einfach im Netz. Dort werden die teuren Kameras, Tablets, Handys nicht bezahlt, aber weiterverkauft, so dass mit dem Erlös die jeweilige Sucht finanziert werden kann“, erklärt Geike diesen Teufelskreis. Im Internethandel gilt meist eine Null-Bonitätsprüfung, so dass Bezahldienste wie Paypal eine immer größere Bedeutung erlangen. Sie garantieren dem Verkäufer abzüglich einer Servicegebühr von zehn bis 15 Prozent, dass seine Ware in jedem Fall bezahlt wird. Kommt das Geld vom Käufer nicht, lassen diese Bezahldienste ihre Kontakte zu Inkasso-Firmen spielen. „Wird dort der eine oder andere Name gesperrt, so verwenden Betroffene eben ihren zweiten Rufnamen oder wechseln die Lieferanschrift, dass der Computer keine Übereinstimmung mehr findet. Schon beginnt das Spiel von vorn“, sagt der Schuldnerberater.

Bei einigen seiner Klienten muss Geike daher inzwischen erst eine Sammelphase von sechs Monaten einführen, weil die Betroffenen bei teilweise 50 bis 80 Anbietern den Überblick verloren haben, was sie wo bestellt haben.

Ältere Semester tappen laut Geike häufig mit sündhaft teuren Nahrungsergänzungsmitteln für Diäten oder Wunderpillen, die angeblich alle Leiden von Rückenschmerzen bis Darmverstopfungen heilen, in die Schuldenfalle. „Ein ,Immer-so-weiter’ im Netz ist kein Ausweg. Wer den Teufelskreis durchbrechen will, muss sich professionelle Hilfe suchen“, sagt Geike.

Von Franziska Mohr

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