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Dahme-Spreewald Jäger haben keine Nachwuchssorgen
Lokales Dahme-Spreewald Jäger haben keine Nachwuchssorgen
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17:58 12.08.2014
Der Jäger Winand Jansen aus Nuthe-Urstromtal zielt auf einen Fuchs – um ihn durch das Fernrohr bei der Mäusejagd zu beobachten, nicht um ihn zu erlegen. Nicht jede Jagd führt zu einem Abschuss. Quelle: Marion Schulz

Nach Stunden auf dem Hochsitz schleicht ein Fuchs über die Wiese, irgendwo in einem Wald bei Luckenwalde. Er schnürt durch das Gras, bis er eine Maus gewittert hat. Setzt an, springt, frisst – ohne zu merken, dass er beobachtet wird. Winand Jansen hat längst seine Flinte auf das Tier gerichtet und schaut dem Treiben durchs Zielfernrohr zu. Der Jäger aus Nuthe-Urstromtal freut sich über das Schauspiel und flüstert: „Wenn der Fuchs so lustig springt, das ist furchtbar süß.“

Keine Nachwuchsprobleme in den Jagdverbänden

Jansen will das Tier an diesem Abend nicht töten – vielleicht ein Reh oder einen Hirsch, aber keinen Fuchs – er will ihm nur zuschauen und wenn man ein paar Stunden mit ihm auf dem Hochsitz verbringt, begreift man, warum sich immer mehr Menschen im Dahmeland-Fläming dafür entscheiden, auf die Jagd zu gehen.

Winand Jansen ist mit seinem Jagdgewehr unterwegs. Quelle: Marion Schulz

Während Freiwillige Feuerwehr, Rettungsschwimmer und andere Vereine in der Region wegen des demografischen Wandels kontinuierlich an Mitgliedern verlieren, plagen die Jäger keine Nachwuchssorgen. Die Zahlen in den Verbänden sind seit Jahren relativ konstant und die Anwärter, die sogenannten Jungjäger, werden immer jünger.

Die Sehnsucht nach Natur

811 aktive Jagdscheininhaber gibt es derzeit in Kreis Teltow-Fläming, rund 20 mehr als noch im Vorjahr, Tendenz steigend. Im Landkreis Dahme-Spreewald sind es 980, auch dort wächst die Jägerschaft kontinuierlich. Vor allem in den Berliner Speckgürtelgemeinden boomt dieses Hobby. Klaus Grüneberg, stellvertretender Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Teltow-Fläming erklärt das so: „Es ist eine neue Sehnsucht nach Natur, die sich in der Bevölkerung breitmacht. Die Leute wollen mal weg vom Schreibtisch und raus in die Wildnis.“

Es ist tatsächlich ein großartiges Schauspiel, dass sich vom Hochsitz aus offenbart. Stundenlang schaut man zu, wie sich die Natur verändert, wie sich der Schatten über die Wiese schiebt, bis alles dunkel ist. Man hört nur den Wind und ein paar Vögel zwitschern, irgendwann die Grillen und in der Ferne ein paar Rehe, die Gefahr wittern und bellen. Ein richtiges Konzert ist das. Der Fuchs bellt, Damwild röhrt, die Kraniche kreischen sich zur Begrüßung an. Das geht Schlag auf Schlag. Jansen flüstert: „Schön, oder? Man wird ganz eins mit der Natur.“ Er flüstert, um die Ruhe nicht zu stören und doch noch ein Wildtier vor die Flinte zu bekommen.

Jeder Schuss ist eine Überwindung

Trotz aller Landschaftsidylle geht es beim Jagen in letzter Konsequenz ums Töten. Und das fällt nicht immer leicht. „Der erste Schuss ist, wie bei den meisten anderen Dingen auch, der Schwierigste“, sagt Jansen. Er ging schon als kleiner Junge mit zur Jagd. Trotzdem muss sich der Rentner bei jedem Schuss neu überwinden. „Man macht sich ja bewusst, dass man ein Leben unwiderruflich auslöscht“, sagt er. Manche kommen damit nicht klar. Sie packt ein richtiges Fieber. Die Arme zittern, der Körper schüttelt sich, so dass sie den Lauf irgendwann senken und das Tier ziehen lassen müssen.

Eine eigene Sprache der Jäger

Die Jagd ist das letzte Stückchen Wildnis in einer geordneten Welt. Nichts ist vorhersehbar. Wie der Wind zieht, ob die Tiere kommen und schon gar nicht, ob man sie erlegt. Das Töten nennen die Jäger das Erlegen der Beute. Sie haben für alles, was draußen in der Natur passiert, eine eigene Sprache und sie folgen ganz eigenen Ritualen. Jansen sagt: Die Rehe äsen, die Böcke beschlagen Ricken, wer auf den Hochsitz klettert, ist aufgebaumt. Man verbläst die Beute, Blut nennt er Schweiß und wenn er zur Jagd aufbricht, wünscht er „Waidmannsheil!“

„Diese Rituale halten uns zusammen“, sagt Jansen im Flüsterton. Obwohl jeder für sich in seinem eigenen Hochsitz lauere, sei er Teil einer Gemeinschaft, in der nichts anderes zähle, als dass man Jäger ist. Dort gebe es für jeden einen Platz, vorausgesetzt, man interessiere sich für die Natur. Georg Baumann, Vorsitzender des Brandenburgischen Landesjagdverbandes, sagt es so: „Jagd ist nicht exklusiv, sie ist etwas, dass sich durch die gesamte Gesellschaft zieht.“

Um sie betreiben zu können, muss man sich in die Natur und damit auch in die Tiere einfühlen. Es ist, als würde man ein Geheimnis entschlüsseln. Als würde man dafür tausend andere Sprachen lernen, weil jedes Wild anders kommuniziert. Winand Jansen scheint all diese Sprachen zu sprechen. Als der Fuchs vor seinem Hochsitz, mehr als 100 Meter entfernt, den Kopf in den Nacken legt, weiß Jansen, was gleich folgen wird. „Jetzt hat er Lunte gerochen“, sagt er. Der Fuchs schnüffelt in den Wind hinein. Und dann, als hätte er das personifizierte Unheil gerochen, pest er davon.

Jahrhundertealte Tradition

  • Die Jagd unterliegt in Deutschland gesetzlichen Regelungen, dem Bundesjagdgesetz und den Landesjagdgesetzen.
  • Während die Jagd in früheren Jahrhunderten vor allem der Nahrungsbeschaffung und/oder als Freizeitbeschäftigung für den Adel diente, hat sie jetzt eine regulierende Funktion.
  • Die Jäger sollen das ökologische Gleichgewicht erhalten. Sie sollen verhindern, das Wildtiere Schäden in der Forst- und Landwirtschaft anrichten oder sich manche Arten zu stark ausbreiten.
  • In Deutschland haben sich vor allem zwei Jagdformen durchgesetzt: Die Einzeljagd und die Gesellschaftsjagd.
  • Das Jagdrecht legt grundsätzlich eine flächendeckende Verpflichtung zur Jagd fest. Das bedeutet, alle Flächen, die nicht als befriedete Bezirke von der Jagd ausgenommen sind, müssen im Revierjagdsystem in Jagdbezirken bejagt werden.
  • Obwohl sich in Dahmeland-Fläming insgesamt immer mehr Menschen für die Jagd begeistern, boomt das Hobby vor allem in den Speckgürtelgemeinden. Im Süden der Region ist das Durchschnittsalter der Jäger weiterhin sehr hoch und Nachwuchs schwer zu werben.
  • In Teltow-Fläming gibt es derzeit im Kreisgebiet 246 Jagdbezirke, davon 165 gemeinschaftliche Jagdbezirke, 58 Eigenjagdbezirke sowie 23 Verwaltungs- und Bundesforstjagdbezirke.
  • Auf den rund 206000 Hektar Jagdfläche im Landkreis Dahme-Spreewald existieren 254 Jagdbezirke. Diese untergliedern sich in 149 gemeinschaftliche Jagdbezirke, 63 Eigenjagdbezirke und 42 Verwaltungsjagdbezirke.
  • 150 Theoriestunden müssen angehende Jäger nachweisen, bevor sie zur Prüfung für den Jagdschein zugelassen werden. Zudem müssen sie ein Jahr lang wöchentlich einen ausgebildeten Jäger im Wald begleitet haben.
  • Die angehenden Jäger müssen die heimische Tier- und Pflanzenwelt kennen, Krankheiten bestimmen können und sich mit Naturschutz und Wildhygiene auskennen.
  • Die Anforderungen an die Prüflinge sind laut Landesjagdverband sehr hoch. In diesem Jahr sind deshalb knapp 46 Prozent aller Jagdanwärter in Brandenburg bei der Erstprüfung gescheitert. Bei den Nachprüfungen erreichten dann allerdings 90 Prozent aller Teilnehmer das Prüfungsziel und erhielten den Jagdschein.

Von Marion Schulz

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