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"Jugendliche fürs politische Leben sensibilisieren"

Sozialarbeiterin Barbara Pötsch im MAZ-Interview "Jugendliche fürs politische Leben sensibilisieren"

In den Jugendklubs von Mittenwalde und seinen Ortsteilen versucht Jugendsozialarbeiterin Barbara Pötsch gemeinsam mit dem Verein „Grenzläufer“, für die Werte von Freiheit und Demokratie zu werben.

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Mehrere Orte im Landkreis verfügen über ein Jugendparlament oder einen Jugendbeirat. Braucht Mittenwalde auch ein solches Gremium?
Barbara Pötsch: So weit sind wir in unserer Stadt noch nicht. Die Ansprüche, die an ein solches Gremium gestellt werden müssen, lassen sich gegenwärtig nicht erfüllen. Das beginnt schon auf der organisatorischen Ebene. Noch ließe sich in Mittenwalde und seinen Ortsteilen wohl kaum ein fester Stamm von Mitgliedern finden, die bereit wären, sich zu dieser Art von kontinuierlicher Arbeit zusammenzufinden. Die für ein Jugendparlament oder einen Beirat erforderliche Struktur würde somit eher als Hemmschwelle denn als Anreiz wirken.

Viele Mittenwalder hat erschreckt, dass in der Bundestags-Testwahl der Jugendlichen ihrer Stadt die rechtsextreme NPD die meisten Stimmen erhielt. Sie auch?
Pötsch: Nein. Ich wusste um die Stimmung einiger Jugendlicher. Sie hören viel provokante und fragwürdige Musik. Bestimmte Texte, solche, in denen von Heimat- oder Nationalstolz die Rede ist, sprechen sie an. Auch manche simple Botschaft auf Wahlplakaten der Rechtsradikalen zeigte Wirkung.

Hätte ein Jugendparlament einer solchen Entwicklung vorbeugen können?
Pötsch: Das glaube ich nicht. Das wäre der zweite Schritt vor dem ersten gewesen. In Vorbereitung auf die Jugendwahl habe ich mit dem Grenzläufer-Verein Workshops zu politischen und gesellschaftlichen Themen abgehalten.

Haben die nichts genützt?
Pötsch: Doch, die haben etwas genützt. Wir hatten Gelegenheit, uns über die Gründe für diese politischen Sympathien zu verständigen, gesellschaftliche und politische Hintergründe zu erörtern. Da ging es zum Beispiel um Vorurteile, die viele gegenüber der Politik hegen, so die nicht nur unter der jungen Generation verbreitete Auffassung: Wir können doch nichts ändern, die da oben machen sowieso, was sie wollen.

Trotzdem scheint es, als wären Sie mit Ihrer Arbeit noch nicht am Ende. Was wollen und können Sie noch tun?
Pötsch: Wir wollen die jungen Menschen für das reale politische Leben sensibilisieren, sie in den demokratischen Alltag einbeziehen. Gerade erst besuchten wir eine Kreistagssitzung, und ein Besuch im Bundestag steht noch auf dem Plan. Vielleicht noch wichtiger ist, die jungen Leute für das Geschehen in Mittenwalde zu interessieren, sie an Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung oder etwa des Sozialausschusses teilnehmen zu lassen.

Nun hat der Sozialausschuss angekündigt, die nächste Tagung im Mittenwalder Jugendklub abzuhalten. Nützt das etwas oder ist das nur Symbolik?
Pötsch: Das ist eine prima Idee. Wir haben uns darüber gefreut. Es ist ein erster Schritt, um Kommunalpolitik und Jugend einander nahezubringen. Er zeigt, dass die Mädchen und Jungen, wenn sie der Schuh drückt, nicht immer nur zu den Amtsträgern kommen müssen. Zumindest einmal kommen die Erwachsenen zu ihnen. So fühlen sie sich ernstgenommen.

Ist eine Jugendsozialarbeiterin für eine Stadt mit acht Ortsteilen und fünf Jugendklubs zu wenig – hätten Sie gerne Verstärkung?
Pötsch: Verstärkung wäre zweifellos gut. Da ich mich auch um viele Einzelfälle kümmere, habe ich Termine im Jugendamt, in der Arbeitsagentur oder bei Eltern. Dann kann ich oft nur ein oder zwei Stunden im Klub sein. Deswegen bin ich über Projekt-Partner wie den „Grenzläufer“-Verein froh. Auch unsere Sommerfreizeit am Helenesee oder Fahrten zu Musikfestivals wären ohne die Hilfe von Partnern kaum machbar.
Interview Klaus Bischoff

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