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Dahme-Spreewald KW war eine Stadt der Kneipen
Lokales Dahme-Spreewald KW war eine Stadt der Kneipen
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00:19 06.01.2018
Heimatforscher Rainer Kugel hat viel Material über die 300-jährige Kneipengeschichte von Königs Wusterhausen gesammelt. Quelle: Frank Pawlowski
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Königs Wusterhausen

Nur auf der Bahnhofstraße erinnert die Zahl der Gaststätten noch an die frühere gastronomische Blütezeit der Stadt, annähernd wenigstens. Dass auch in der Berliner Straße, der Potsdamer Straße oder am Schlossplatz ein reges Kneipenleben herrschte, ist heute nicht mehr vorstellbar. Heimatforscher Rainer Kugel macht die 300-jährige Geschichte in einem Vortrag wieder lebendig. Regelmäßige Termine dafür gibt es nicht. Der 70-Jährige wird eingeladen, wie zuletzt bei einer vorweihnachtlichen Seniorenveranstaltung im Fontane-Center. Das Publikum verfolgte seine Ausführungen begeistert.

Deutsches Haus, Cottbuser, Ecke Luckenwalder Straße, mit Schriftzug und Laternen Quelle: Frank Pawlowski

Die Kneipengeschichte füllt mehrere Ordner im umfangreichen Archiv von Rainer Kugel. Er hat historische Fotos, Speisenkarten, Anzeigen und vieles mehr gesammelt. Er kann zu fast jedem der 28 Lokale kleine Anekdoten erzählen und dessen Geschichte bis zur Neuzeit beschreiben, auch dank mündlicher Überlieferungen von Zeitzeugen, von denen er manche selbst sprach.

Das Bahnhofshotel war ein Zentrum des gesellschaftlichen Lebens der Stadt. Quelle: Frank Pawlowski

An der Ecke Berliner Straße/ Potsdamer Straße stand einst der Gasthof „Zur goldenen Sonne“, vermutlich das älteste Lokal der Stadt. Dort soll schon zu Zeiten des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. (1688 bis 1741) Bier ausgeschenkt worden sein, damals hieß es noch „Zum alten Krug“. Das Haus wurde 1972 abgerissen, seither klafft dort eine Lücke, die nun aber wieder geschlossen werden soll. Kürzlich wurden Entwürfe für ein Wohn- und Geschäftshaus vorgestellt. Vielleicht geht dort sogar eine neue „Sonne“ auf.

Das neue Schützenhaus musste Anfang der 1960er Jahre der Krankenhauserweiterung weichen. Quelle: Frank Pawlowski

Gegenüber, an der Ecke Schlossstraße, befand sich das Hotel-Restaurant Ramin, das später einen Fleischerladen beherbergte, heute gibt es dort einen Pizza-Service. Die Potsdamer Straße hatte mit dem „Parkschlösschen“ in der Nummer 53 und mit dem Lokal „Zur grünen Linde“ in der Nummer 8 zwei weitere Gaststätten. Auch die Berliner Straße war mit den Lokalen „Zum

Karte aus dem Stadt-Café. Quelle: Frank Pawlowski

goldenen Adler“, das im Volksmund „U-Boot-Keller“ hieß und in dem sich ein Antikladen befundet, sowie der Gaststätte „Zum Funkerberg“ in der Nummer 17 gastronomisch gut bestückt. Komplettiert wurde das Kneipenviertel mit dem Schloss-Café am Schlossplatz, das dem Neubau des Ärztehauses wich. Hoenckes Altes Wirtshaus am Kirchplatz, das Jagdschloss 1896 in der Bahnhofstraße und die „Kleine Melodie“ in der Cottbuser Straße gehören zu den geschichtsträchtigen Lokalen, die es immer noch.

Schweizer Hof, Schützenhaus, Luftschiff, Fröhlicher Hecht, das Schlossrestaurant in der Bahnhofstraße 17 und viele mehr gehören längst der Vergangenheit an. Nur wenige sichtbare Spuren sind erhalten geblieben, wie beim „Deutschen Haus“ an der Ecke Luckenwalder/Cottbuser Straße.

Rainer Kugel bewahrt auch Kneipen-Utensilien wie dieses Schild auf. Quelle: Frank Pawlowski

Gegenüber stand einst der „Siegeskranz“, die Gaststätte, die später in Jugendcafé Forum umbenannt wurde, schloss 1990 die Pforten. Ein großes Geschäftshaus wurde an der Stelle errichtet. „Das Ende war besiegelt, doch die Erinnerung an diese Kneipenherrlichkeit bleibt“, sagt Rainer Kugel. Dieser Satz steht für die gesamte Kneipengeschichte der Stadt.

Von Frank Pawlowski

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