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Karpfenschuppen für den Geldsegen

Fischverkauf zu Silvester Karpfenschuppen für den Geldsegen

In der Fischerei Aurora in Zernsdorf herrscht zwischen den Jahren Hochbetrieb. Traditionell sind jetzt bei den Kunden Karpfen und Zander besonders begehrt. Nach uraltem Brauch sollen sie für den nötigen Geldsegen im kommenden Jahr sorgen. Die Gewässer in der Region gelten als produktiv und der Fischbestand wird als gesund bewertet.

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Rainer Jauert, einer der beiden Geschäftsführer der Fischerei Aurora, mit einem Karpfen.

Quelle: Franziska Mohr

Zernsdorf. Hat der Karpfen zum Jahreswechsel eine besondere Bedeutung? Diese Frage brachte auf Nachfrage so manchen Dahmeländer ins Grübeln. „Ist eben Tradition“, antworteten die meisten Bürger. „Und eine schöne obendrein“, meint Rainer Jauert von der Fischerei Aurora. An den beiden Standorten in Kolberg und Zernsdorf herrscht jetzt Hochbetrieb. Warum es aber Karpfen sein muss, darüber kann auch der gelernte Fischer nur spekulieren. Schon bei den Urgroßeltern hieß es, dass eine Schuppe vom letzten Karpfen im Geldbeutel stets dafür sorgen würde, dass das Geld im neuen Jahr nie ausgeht. Bei Speisen mit Federvieh zum Jahresende waren die Altvorderen misstrauisch. Sie hatten Angst, dass dann auch das Glück davonfliegen könnte.

Legenden, an die Rainer Jauert, der schon 1987 in der einstigen Produktionsgenossenschaft (PGH) „Werktätige Fischer“ als Lehrling begann, jetzt kaum einen Gedanken verschwenden kann. Schließlich will er in Zernsdorf direkt hinter dem Gerätehaus der Feuerwehr zwischen den Jahren bis zu 800 Kilogramm Karpfen verkaufen. Das jedenfalls ist die Prognose des Unternehmers, der nach der Wende 1993 gemeinsam mit fünf anderen Fischern allen Mut zusammennahm und die Fischerei Aurora gründete. Sie pachteten die Dahme-Wasserstraße von Wildau bis Wolzig beziehungsweise bis zur Schmölde sowie zahlreiche kleinere Gewässer wie den Bindower Ziestsee oder den Uckley-See. Gefangen werden in den heimischen Gewässern neben dem Karpfen unter anderem Zander, Aal, Hecht, Wels oder Schlei. Der bisher größte Clou der Fischerei Aurora war ein Wels mit einer Länge von 2,36 Meter und einem Gewicht von 74 Kilogramm.

„Die Seen in der Region sind recht produktiv, der Fischbestand ist gesund“, sagt Jauert. Das sei nicht zuletzt ein Ergebnis der guten Pflege, die auch das Hegefischen einschließt. Die vier noch verbliebenen Aurora-Fischer setzen Jahr für Jahr einige tausend Satz- und Glasaale aus und bringen Laichnester für Zander aus. Auch bei Karpfen sind es jährlich bis zu anderthalb Tonnen. Fast alle in der Fischerei angebotenen Karpfen stammen daher aus Naturgewässern und nicht aus künstlicher Aufzucht. Ein Plus, das Kundin Helga Kerner zu schätzen weiß. „Die Naturkarpfen sind nicht so fett, weil sie sich ihre Nahrung in den Gewässern selbst suchen müssen“, sagt die Niederlehmerin.

Das bestätigt der Fischer, der zugleich darauf hinweist, dass die Karpfen in der Zucht drei Jahre verbleiben, während es in den Seen vier bis fünf sind. Erst dann stehen Prachtexemplare zur Verfügung, die zwischen zwei und 15 Kilogramm aufweisen.

Dreimal in der Woche fahren die Fischer mit ihren Booten für jeweils fünf bis sechs Stunden raus. Nur bei Eis legen sie eine Zwangspause ein. Betrieben wird eine Reusen- beziehungsweise in der kalten Jahreszeit eine Stellnetzfischerei, in der die Maschengröße der Netze so reguliert wird, dass sich darin nur größere Fische mit dem Kopf verfangen.

Jauert isst Karpfen übrigens am liebsten mit Dillsoße. Seine Erfahrungen besagen, dass die Kunden Fisch fast nur noch küchenfertig kaufen. „Welche Hausfrau kann heute noch Karpfen oder Zander schuppen?“, fragt der Fischer augenzwinkernd und reicht ein Prachtexemplar über die Theke.

Info: Geöffnet ist in dieser Woche Dienstag und Mittwoch, 9 bis 17 Uhr, sowie Silvester von 9 bis 11 Uhr.

Von Franziska Mohr

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