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Dahme-Spreewald Ernteausfälle bei Baruther Kartoffelbauern
Lokales Dahme-Spreewald Ernteausfälle bei Baruther Kartoffelbauern
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00:22 13.10.2018
Der Kartoffelroder (r.) sortiert die Kartoffeln und lädt sie auf den Anhänger. Die Baruther Urstromtal Rinderhaltung GmbH erntet bis zu 160 Tonnen täglich. Quelle: Hannah Rüdiger
Baruth

Die Hydraulik des Kartoffelroders zischt und rauscht. Kartoffeln poltern über das ausgefahrene Förderband der mächtigen Maschine und purzeln in einen Anhänger. Daneben steht Rainer Schacht und beobachtet den Vorgang. „Bis zu zehn Tonnen passen in so einen Lader“, sagt er. Ein Traktor zieht den Hänger, ein anderer den Kartoffelroder. Damit die Erdäpfel auf dem Anhänger landen, müssen beide Fahrzeuge gleichmäßig nebeneinander herfahren. Schachts Team ist gut eingespielt, die Kartoffeln fallen alle auf die Ladefläche.

Schacht ist einer von zwei Geschäftsführern der Baruther Urstromtal Rinderhaltung GmbH. Neben Rinderzucht und Milchprodukten hat sich der Mischbetrieb von Schacht und Helmut Dornbusch auf die Produktion von Industriekartoffeln spezialisiert. Zehn verschiedene Sorten werden dort seit Ende August aus der Erde geholt. Schacht begleitet heute die Ernte und stapft neben den Traktoren durch die schier endlosen Ackerfurchen.

Die Maschine sortiert die Kartoffeln vor

Plötzlich kommt das Förderband ächzend zum Stehen, es gibt ein technisches Problem. Die beiden Erntehelfer stoppen ihre Motoren und begutachten das Innere des Kartoffelroders. „So etwas passiert jeden Tag. Das können wir meistens selbst beheben“, sagt Schacht. Er beugt sich über eines der Gelenke der Maschine und schraubt daran herum.

Der Kartoffelroder befreit die Ernte von Steinen, Sand und Pflanzen. Quelle: Hannah Rüdiger

Wenig später arbeitet sich der Kartoffelroder wieder gemächlich durch den Acker im Ortsteil Groß Ziescht der Gemeinde Baruth. Meter für Meter gräbt die hungrige Maschine Erdäpfel aus dem Boden, immer zwei Reihen auf einmal. In ihrem Inneren landen dabei auch jede Menge Steine und verstaubtes Kraut, das die Erntehelfer vorher abgeschnitten haben. Zu klein geratene Knollen fallen durchs Raster und bleiben liegen.

Dann rollen die Kartoffeln über verwinkelte Gitter und Rollbänder des Roders, wo sie von Sand und Steinen befreit werden. Auch das Kraut geht an dieser Stelle über Bord. Danach werden die Ackerfrüchte auf den Hänger verladen und abtransportiert.

Kein gutes Jahr für die Kartoffel

Die Industriekartoffeln aus Ba­ruth tragen so klangvolle Namen wie Amado, Albatros oder Nordlicht. Bis zu 160 Tonnen werden davon täglich geerntet. Für Schacht ist das zu wenig. „Letztes Jahr war trotz der Nässe ein Spitzenjahr für die Kartoffel“, erzählt der 59-Jährige, „dieses Jahr war es für uns ein sehr großer Aufwand, um die Kartoffeln überhaupt dahin zu bringen, wo sie jetzt sind.“

Wegen der heißen und trockenen Sommermonate sei die Ernte deutlich geringer ausgefallen als im Vorjahr. Voraussichtlich 80 Prozent seines Solls wird der Betrieb in diesem Jahr erfüllen, sagt Schacht. Das klingt erstmal sehr gut, hatte allerdings einen hohen Preis: Ohne tägliche Beregnung wäre dieser Ertrag niemals möglich gewesen, erläutert Schacht. Die künstliche Bewässerung verursachte für den Baruther Hof Zusatzkosten in Höhe von 200 bis 300 Euro pro Hektar.

Der Baruther Betrieb konnte die Ernte nur mit täglicher Bewässerung sichern. Quelle: Hannah Rüdiger

Jede einzelne Ackerfläche künstlich zu bewässern sei für den Betrieb nicht möglich. Derzeit besitzt die Baruther Urstromtal Rinderhaltung sechs Beregnungsanlagen, die ein bisschen wie umgestürzte Sendemasten aussehen und auf den Feldern ihre Kreise ziehen. Kostenpunkt: etwa 100.000 Euro pro Stück. „Doch ohne Beregnung wären wir vielleicht nur bei 50 Prozent des Ertrags gewesen“, sagt Schacht.

Freitag ist Hofladen-Tag

Neben den Industriekartoffeln produziert der Baruther Hof eine Kleinstmenge von Speisekartoffeln, erläutert Schacht. Unter „Kleinstmenge“ versteht der gelernte Agrotechniker etwa 50 Tonnen pro Jahr. Die Speisekartoffelsorten Wega, Adretta und Gala werden jeden Freitag im Hofladen verkauft. Für sechs Euro bekommen Kunden 25 Kilogramm unsortierte Kartoffeln, die später in Futtertrögen oder auf dem Teller landen. „Im März ist dann aber auch Schluss mit Kartoffeln bei uns, dann müssen die Leute wieder in den Laden gehen“, sagt Schacht.

Die Industriekartoffeln verkauft sein Betrieb an eine Stärkefabrik in Golßen, die zur Emsland Group gehört. Der Konzern verarbeitet die Kartoffeln zu Stärke in Flocken- oder Granulatform, die unter anderem für die Herstellung von Suppen, Saucen und Tiefkühlprodukte verwendet wird.

Schacht kommt aus einer Familie von Landwirten, auch sein Sohn arbeite in einem landwirtschaftlichen Betrieb. Der 59-Jährige beendete seine Lehre zum Agrotechniker vor 40 Jahren und arbeitet seitdem in Baruth. „Ich mag meinen Job“, sagt er, „aber dieses Jahr ist natürlich ein Jahr, in dem man auch mal zweifelt.“ Finanziell könne seine Arbeit heute niemanden mehr zufriedenstellen, dafür seien die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse zu gering. „Gut kommen wir nicht über die Runden“, so Schacht, „das waren jetzt zwei extreme Jahre: Letztes Jahr die Nässe, dieses Jahr die Dürre.“ Bisher ist unklar, ob der Bund Dürrehilfen für die betroffenen Landwirte bereitstellen wird. Betriebe wie die der Hof in Baruth könnten sie gut gebrauchen.

Von Hannah Rüdiger

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