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Katholiken profitieren vom Berlin-Boom

MAZ-Serie „Religion in der Region“ Katholiken profitieren vom Berlin-Boom

In einer wenig religiösen Region sind Katholiken eine christliche Minderheit. Als Exoten werden sie trotzdem nicht betrachtet, auch Außenstehende suchen gerne den Rat eines Priesters. Zum Beispiel den von Alfredo Nava, der die Gemeinden in Königs Wusterhausen und Eichwalde betreut. Denen geht es dank des Berlin-Booms auch gar nicht schlecht.

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Volle Kirche, voller Altarraum: Pfarrer Alfredo Navas mit Ministranten in der Kirche St. Elisabeth.

Quelle: Gerlinde Irmscher

Dahmeland-Fläming. Im Schnellverfahren wird dieser Glaubenskurs nicht zu Gott führen, soviel sollte nach der ersten Stunde eigentlich klar sein. Einer der Zuhörer wird am Schluss aber doch ungeduldig und möchte wissen, wie lange der Kurs denn nun gehen werde. „So lange wie Gott

Mehr als 30 Leute sind an diesem Montagabend im April ins Pfarrhaus der katholischen St. Elisabeth-Gemeinde in Königs Wus-terhausen gekommen. Dort berichten David, ein junger Student, sowie Monika und Georg, die seit 48 Jahren miteinander verheiratet sind, von ihren Erfahrungen auf dem so genannten neokatechumenalen Weg.

Hintergrund

Die Region Dahmeland-Fläming gehört zum Erzbistum Berlin, das nicht nur die Hauptstadt umfasst, sondern auch weite Teile von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Im Erzbistum Berlin ist zurzeit eine tiefgreifende Strukturreform im Gange. In einer „Findungsphase“ sollen die Gemeinden zunächst aufeinander zugehen und mindestens ein Jahr lang schauen, ob sie fusionieren könnten.

Wenn sich die Pfarreien für die Fusion aussprechen und Erzbischof Heiner Koch seinen Segen dazu gibt, beginnt die sogenannte dreijährige „Entwicklungsphase“.

Am Ende sollen auf diese Weise aus den bislang 105 Pfarrgemeinden etwa 30 „pastorale Räume“ entstehen.

In der Region Dahmeland-Fläming bekennen sich etwas mehr als 11 000 Menschen zur römisch-katholischen Kirche (Zensus 2011).

Das Kloster Alexanderdorf in Am Mellensee ist das einzige nachreformatorische Benediktinerinnen-Kloster in Brandenburg. Es wurde 1934 in einem ehemaligen Gutshaus eingerichtet und 1984 zur Abtei erhoben.

Der griechische Begriff katholikos bedeutet soviel wie umfassend. Weltweit gehören der katholischen Kirche etwa 1,2 Milliarden Menschen an.

Von den knapp 409 000 Katholiken im Erzbistum Berlin leben mehr als 331  000 in der Hauptstadt und nur etwas mehr als 63 000 in Brandenburg. Die Zahlen sind in den vergangenen Jahren gestiegen, vor allem durch Zuzug aus Westdeutschland und durch fremdsprachige Katholiken, von denen es im Erzbistum etwa 80 000 gibt. Die Zahl der Austritte lag 2014 im Erzbistum bei 7000.

In den östlichen Bundesländern sind je nach Region zwischen drei und zehn Prozent der Bevölkerung katholisch.

Die meisten Katholiken in Deutschland leben in den südlichen Bundesländern, in Bayern etwa liegt ihr Anteil an der Bevölkerung bei 53 Prozent, im Saarland sogar bei 61 Prozent.

„Wenn wir als Kinder getauft werden, sind wir auf die Zugehörigkeit zur Kirche gar nicht vorbereitet“, sagt Pfarrer Alfredo Nava. „Der neokatechumenale Weg ist eine Möglichkeit, diese Vorbereitung als Erwachsener nachzuholen.“ Die Glaubenslehre entstand in den 1960er-Jahren in Spanien und verfolgt das Ideal eines einfachen Lebens. Sie soll „die Gläubigen stufenweise zur Intimität mit Jesus Christus führen und sie zu aktiven Gliedern in der Kirche machen“, wie es in der päpstlichen Approbation heißt.

Mit Angeboten wie dem Glaubenskurs will der 43-jährige Pfarrer den Zusammenhalt in seinen zwei Gemeinden stärken und gleichzeitig interessierte Außenstehende anlocken. Schlecht geht es den katholischen Gemeinden St. Antonius in Eichwalde und St. Elisabeth in Königs Wusterhausen aber nicht. Knapp 3500 Mitglieder zählen sie zusammen – bei etwas mehr als 11 000 Katholiken in der Region Dahmeland-Fläming gehören sie damit zu den größten. „Die Gemeinden wachsen, langsam, aber stetig“, sagt Nava. „Und sie sind sehr lebendig, es gibt viele Familien und die Bereitschaft zum Engagement ist groß.“

Bis zu 400 Zuhörer bei Sonntagsgottesdiensten

So gibt es in beiden Gemeinden Arbeitskreise für Familien und Senioren, es gibt Besuchsdienste für alte und kranke Mitglieder. Regelmäßig reinigen Ehrenamtliche Kirchen und Pfarrhaus. In seinen Gottesdiensten, die jeden Sonntag insgesamt 300 bis 400 Menschen anziehen, bekommt Alfredo Nava Unterstützung von einem Chor und mehreren jugendlichen Messdienern. Und der Jugendclub „Profete(n)“ zieht auch über Königs Wusterhausen hinaus junge Leute an.

St. Antonius und St. Elisabeth profitieren nicht nur von stadtmüden Familien, die aus Berlin herziehen. Auch aus Westdeutschland – wo die übergroße Mehrheit der rund 23,9 Millionen Katholiken in Deutschland lebt – bekommen die Gemeinden seit Jahren vermehrten Zuwachs.

Ein Viertel der Bevölkerung gehört einer Kirche an

In einer Region, in der nur ein Viertel der Bevölkerung zu einer Kirche gehört und die meisten davon zur evangelischen, sind Katholiken fast Exoten. Komisch beäugt wurde Nava in seinen dreieinhalb Jahren in Königs Wusterhausen aber noch nie. Im Gegenteil: „Wir haben ein gutes Ansehen i

Das Verhältnis zu den Protestanten ist freundschaftlich, auch zu den evangelischen Freikirchen. Es gibt verschiedene ökumenische Veranstaltungen und Arbeitskreise, in der Flüchtlingshilfe arbeitet man eng zusammen. Auch in der Bevölkerung gebe es keine Berührungsängste, so Navas. „Manchmal kommen Menschen zu mir und bitten um geistlichen Rat, weil sie nicht wissen, an wen sie sich mit ihren Problemen wenden sollen“, erzählt der Priester, der aus dem spanischen Baskenland stammt.

In der Regel sind es aber Gemeindemitglieder, die den freundlichen Mann aufsuchen. Und jeden Sonnabend vor der Abendmesse gibt es Gelegenheit zur Beichte. „Es sind keine Massen, aber ein oder zwei Leute kommen schon. Vor Ostern und Weihnachten sind es dann deutlich mehr“, sagt der Pfarrer.

Erste Pfarrstelle in Berlin Lichtenberg

Alfredo Nava Mediavilla, wie er mit vollem Namen heißt, entschied sich 1991 für sein Theologiestudium in Berlin. Dort wurde er zehn Jahre später zum Priester geweiht und trat im Stadtteil Lichtenberg seine erste Pfarrstelle an. 2003 entsandte ihn sein Bischof dann ins urkatholische Rheinland, wo Alfredo Nava in Bonn und Bedburg bis 2010 wirkte. „Das war natürlich eine interessante Erfahrung in dieser traditionell katholischen Region mit ihrem Vereinswesen und dem Karneval“, erinnert er sich. „Im Osten beeindrucken mich dafür immer wieder die Menschen, die wegen ihres Glaubens in der DDR-Zeit viele Nachteile hatten.“

Das große Thema, das die Katholiken in Eichwalde und Königs Wusterhausen zurzeit beschäftigt, ist die geplante Fusion ihrer Gemeinden. Wann der Prozess abgeschlossen sein wird, ist unklar. „Noch ist der Priestermangel kein akutes Problem“, sagt Alfredo Nava, „aber es wird schwieriger werden. Ich bin froh, dass sich das Bistum Zeit für die Umgestaltung nimmt.“

Von Martin Küper

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