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Kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Königs Wusterhausen Kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Die Situation der alleinerziehenden Mütter und Väter im Landkreis Dahme-Spreewald wird in jüngster Zeit noch dadurch verschärft,. dass etwa 40 Prozent von ihnen über keine abgeschlossene Berufsausbildung verfügt. Viele Betroffene sind daher auf Hartz IV-Leistungen angewiesen.

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Alleinerziehende Mütter und Väter nehmen mit ihren Kindern am Familien-Bildungsurlaub im Kiez am Hölzernen See teil.

Quelle: Shia-Verein

Königs Wusterhausen. „Viele Unternehmer geben Alleinerziehenden auf dem Arbeitsmarkt erst gar keine Chance“, fasst Birgit Uhlworm, die Geschäftsführerin der Selbsthilfegruppen Alleinerziehender (Shia), ihre Erfahrungen der vergangenen 25 Jahre zusammen. Die Vorurteile der Arbeitgeber gegenüber alleinstehenden Müttern und Vätern mit Kind oder Kindern seien in all diesen Jahren kaum abgebaut worden. Betroffene bekämen bei der Jobsuche noch immer zu hören, dass sie wieder vorsprechen könnten, wenn ihr Kind zwölf Jahre alt sei. In diesem Alter entfällt der Rechtsanspruch auf die mit der Erkrankung eines Kindes verbundene jährliche 20-tägige bezahlte Freistellung.

Uhlworm verwundert daher nicht, dass 40 Prozent der Alleinerziehenden im Land Brandenburg auf staatliche Grundsicherungsleistungen angewiesen sind. Verschärft wird die Situation aktuell noch dadurch, dass im Landkreis gleichfalls etwa 40 Prozent der auf Hartz-IV-Bezüge angewiesenen alleinerziehenden Mütter oder Väter keine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen können. Das war in der Wendezeit noch anders. Damals hatte noch fast jeder einen erlernten Beruf.

Lebenssitutionen ändern sich häufig

Genaue Statistiken über die Anzahl der Alleinerziehenden sind schwierig, weil sich die Lebenssituation der meisten Betroffenen ständig ändert: Von der Ein-Eltern-Familie über die Lebensgemeinschaft bis zur Patchwork-Familie – und zurück. Dennoch geht der Verein im Landkreis Dahme-Spreewald aktuell von etwa 2900 Alleinerziehenden aus, über 90 Prozent von ihnen sind Mütter. 1165 dieser Familien sind auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen. Ähnliche Angaben enthält auch die jüngst von der Bertelsmann-Stiftung in Auftrag gegebene Studie zur Lebenssituation Alleinerziehender in Deutschland. Die Shia bedauert daher, dass das 2014 vom Land Brandenburg aufgelegte Förderprogramm für Jobs von alleinstehenden Mütter und Vätern schon nach einem Jahr wieder auf Eis gelegt wurde – trotz sehr positiver Ergebnisse.

Es sah vor, dass Arbeitgeber bei der Einstellung von Alleinerziehenden einen Lohnkostenzuschuss bis zu 75 Prozent erhalten, wenn das Arbeitsverhältnis nach der Förderung mindestens sechs Monate weitergeführt wird. 95 Frauen und Männer kamen in diesen Genuss. „Die Arbeitgeber waren durchweg von der hohen Arbeitsmoral der Alleinerziehenden positiv überrascht“, sagt Uhlworm. Aber die Frauen bräuchten eben erst einmal eine Chance. Als erfreulich bewertet die Geschäftsführerin auch das in Königs Wusterhausen mit der Johanniter-Unfallhilfe bestehende Angebot für die Kinderbetreuung in den Randzeiten und an den Wochenenden. Das erhöht die Flexibilität der Alleinerziehenden auf dem Arbeitsmarkt. Ein Wermutstropfen ist Uhlworm zufolge allerdings, dass die Finanzierung dieses Angebotes derart knapp ist, dass die Bezugspersonen für die Kinder häufig wechseln. Hier müsse nachgebessert werden.

Unterhalt wird oft ausbleiben oder nur teilweise gezahlt werden

Gute Erfahrungen hat der Verein in jüngster Zeit mit dem Angebot eines Familien-Bildungsurlaubs am Hölzernen See gesammelt, das vom Jugendamt sowie von der Volkshochschule unterstützt wurde. Die Eltern besuchten vormittags ein Seminar aus dem Kursprogramm „Starke Eltern, starke Kinder“, während die Mädchen und Jungen betreut wurden. Die Nachmittage galten als Familienzeiten. „Urlaub können sich die meisten sonst gar nicht leisten“, sagt Uhlworm. Das ist auch dadurch bedingt, dass bei mehr als jedem vierten Kind die Unterhaltszahlungen komplett ausbleiben und bei einem weiteren Viertel nur teilweise gezahlt werden.

Shia im Überblick

Die Gründung der Selbsthilfegruppen Alleinerziehender (Shia) erfolgte am 30. Juni 1991 – mit 14 Müttern und einem Vater.

Der Verein hat heute insgesamt 51 Mitglieder. Geschäftsführerin ist von Beginn an die Sprachmittlerin für Russisch und Polnisch Birgit Uhlworm.

Die Geschäftsstelle des Shia-Landesverbandes befindet sich in Königs Wusterhausen, Bahnhofstraße 4. Besucher sowie Hilfesuchende sind dort von montags bis freitags jeweils in der Zeit von 8 Uhr bis 13 Uhr sowie dienstags in der Zeit von 16 Uhr bis 18 Uhr beziehungsweise nach vorheriger Vereinbarung willkommen.

Kontakt: Die Shia-Geschäftsstelle ist erreichbar unter Tel.  0 33 75/29 47 52 beziehungsweise per E-Mail an post@shia-brandenburg.de

In der Bertelsmann-Stiftung heißt es, dass ohnehin nur etwa ein Drittel der Unterhaltungszahlungen dem kindlichen Existenzminimum entsprechen. Uhlworm schätzt, dass dieser Prozentsatz im Kreis sogar noch höher liegen dürfte. „Gerade beim Unterhalt zeigt sich, dass immer mehr Menschen einer atypischen Beschäftigung nachgehen, so dass sie den Zahlungen gar nicht nachkommen können, selbst wenn sie wollten.“ Hier sei die Politik gefordert. „Wir haben bei der Situation der Alleinerziehenden mit ihrem hohen Armutsrisiko kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem“, sagt die Geschäftsführerin.

Von Franziska Mohr

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