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Kinderarmut in Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald Kein Kino, kein Urlaub, kaum Klamotten

Die Anzahl armer Kinder ist in der Region Dahmeland-Fläming in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Aber mehr als 6000 Kinder leben in Familien, die mit Hartz-IV-Bezügen klarkommen müssen. Eine neue Studie zur Kinderarmut macht bundesweit große regionale Unterschiede deutlich.

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Die Aktion „Painting Hands“ macht auf Kinderarmut aufmerksam.

Quelle: Michael Hübner

Dahmeland-Fläming. Eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hat die Kinderarmut in Deutschland untersucht: Demnach ist diese auf den Stand von Mitte 1990 zurückgegangen. Auch die Region Dahmeland-Fläming macht diesen Trend mit, wenngleich es deutschlandweit Unterschiede gibt.

Rund 15 Prozent der Kinder leben in Hartz-IV-Familien

Im Landkreis Dahme-Spreewald liegt der Anteil an Kindern unter 15 Jahren, deren Eltern von Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II (Hartz IV) leben, bei 14,8 Prozent (2917 Kinder). Im Landkreis Teltow-Fläming sind es 3213 Kinder und damit 15,8 Prozent. Damit bewegen sich beide Landkreise sehr nah am Bundesdurchschnitt (15,7 Prozent).

Arme Kinder müssen auf vieles verzichten

Arme Kinder müssen auf vieles verzichten.

Quelle: dpa

Die WSI-Studie unterscheidet zwar nicht nach Landkreisen, macht aber einen Unterschied zwischen dem Nordosten und dem Südwesten Brandenburgs. LDS und TF zählen zum Südwesten ebenso wie die Kreise Havelland, Potsdam-Mittelmark, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße sowie die Städte Brandenburg, Potsdam und Cottbus. Im Nordosten Brandenburgs leben mit 20,4 Prozent deutlich mehr Kinder, deren Eltern Hartz IV beziehen, als im Südwesten des Landes (17,1 Prozent).

Armut nach Einkommensgrenzen definiert

Weiterhin hat die Hans-Böckler-Stiftung armutsgefährdete Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren erfasst: Kinder, deren Eltern unter einem bestimmten verfügbaren Nettohaushaltseinkommen liegen, gelten als arm. „Bei einer Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren liegt die Grenze bei 1926 Euro“, erklärt Professor Eric Seils, WSI-Sozialexperte. Im Südwesten Brandenburgs leben 40 000 armutsgefährdete Kinder in einkommensschwachen Haushalten. Mit 19,8 Prozent befindet sich der Südwesten knapp über dem bundesdeutschen Schnitt von 19 Prozent. Im Nordosten liegt die Quote vier Prozentpunkte höher.

Armutsrisiko im Osten sinkt massiv

Im Osten Deutschlands ist das Armutsrisiko der Kinder in den vergangenen zehn Jahren massiv gesunken und hat 2014 einen neuen Tiefstwert erreicht. Insgesamt fiel die Armutsquote der Kinder zwischen 2005 und 2014 von 29 auf 24,6 Prozent. Dies könne laut WSI darauf zurückgeführt werden, dass die Arbeitslosenquote in allen Regionen des Ostens, mit Ausnahme Berlins, um mehr als zehn Prozentpunkte zurückgegangen ist.

Kleine statistische Änderungen mit großen Folgen

In Brandenburg-Südwest sei die Entwicklung jedoch weniger stetig gewesen als beispielsweise im ehemaligen Regierungsbezirk Dresden, wo das Armutsrisiko der Kinder in den letzten zehn Jahren kontinuierlich um sechs Prozentpunkte auf 18,7 Prozent sank (siehe Grafik). Sprunghafte Veränderungen seien im Südwesten Brandenburgs beispielsweise zwischen 2011 und 2012 zu beobachten gewesen: Diese lassen sich laut WSI in der Regel darauf zurückführen, dass viele Menschen von einem Einkommen dicht an der Armutsgrenze leben. In einzelnen Regionen könne daher eine kleine Veränderung der bundesweiten Armutsgrenze erhebliche Auswirkungen auf den Anteil der armen Haushalte haben. Insgesamt hat sich die Kinderarmutsquote in Brandenburg-Südwest in den vergangenen zehn Jahren um mehr als sechs Prozent verringert und ist damit deutlich zurückgegangen.

Entwicklung in Ostdeutschland

Entwicklung in Ostdeutschland: Der Anteil der armen Kinder sinkt.

Quelle: WSI

Trotzdem gibt es noch viele Familien in der Region, die auf Zuschüsse des Jobcenters angewiesen sind. Hilfe können sie beispielsweise beim Verein für soziale Selbstverteidigung in Jüterbog finden. „Wir beraten und bieten Hilfe zur Selbsthilfe an, geben aber auch älteren Menschen Tipps, die Probleme mit Behörden haben“, sagt Michael Maurer, Vorstandsmitglied des Vereins. Pro Woche beraten seine Kollegen und er etwa zwei bis vier Hilfesuchende, auch viele Familien und alleinerziehende Mütter sind dabei. Die Anzahl der Beratungen ist jedoch rückläufig: „Wir führen das auf eine zunehmende Resignation zurück“, sagt Maurer. Er kritisiert, dass die Herausgabe falscher Bescheide durch das Jobcenter nicht abgenommen habe. „Viele kommen mit dem Behörden-Dschungel nicht klar“, fügt Vereinsvorsitzende Nadine Fischer hinzu.

Verein bietet Beratung und Hilfe zur Selbsthilfe

Michael Maurer, Verein für soziale Selbstverteidigung Jüterbog

Michael Maurer, Verein für soziale Selbstverteidigung Jüterbog.

Quelle: Gertraud Behrendt

Für bedürftige Familien gibt es mit dem Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung die Möglichkeit, Unterstützung zu bekommen: Klassenfahrten, Musikschulunterricht oder Vereinstätigkeit der Kinder werden bezuschusst. „Das ist aber alles mit einem sehr großen bürokratischen Aufwand verbunden“, bemängelt Nadine Fischer. Zudem müssen die Kinder vor der Klasse zugeben, dass sie aus einer sozial schwachen Familie kommen. „Man könnte ihnen auch das Jobcenter-Logo auf die Stirn kleben“, sagt Fischer. Auch der Zehn-Euro-Zuschuss für die Musikschule reiche nicht aus und die Bewilligung von Nachhilfeunterricht habe in all ihren Jahren als Beraterin bisher nur eine Familie bekommen, so die Vereinsvorsitzende: „Sowohl wir als auch die Wohlfahrtsverbände plädieren für einen Bürokratieabbau und die Erhöhung der Regelsätze für Kinder. Das würde ein Zeichen setzen.“ Für Schulzubehör gebe es beispielsweise nur 100 Euro im Jahr. Fischer: „Das muss sich ändern.“

Von Melanie Höhn

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