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Kein Strom und Wasser, aber es kann gewählt werden

Eichwalde Kein Strom und Wasser, aber es kann gewählt werden

Die Fotografin Barbara Thieme wusste vor ihrem Besuch in dem verlassenen Ort Bartolomeevka nicht, dass noch einige, wenige Menschen dort lebten. Sie dokumentierte jene Bewohner, die ihre Heimat nach der Atomkatastrophe nie verlassen wollten. Eine Ausstellung in der Alten Feuerwache Eichwalde zeigt Bilder von Menschen in der Sperrzone von Tschernobyl.

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Barbara Thieme vor ihren Bildern aus Weißrussland.

Quelle: Peter Degener

Eichwalde. Als das Mütterchen Ljuba mit ihrem Hund am alten Siegesdenkmal von Bartolomeevka vorbei spazierte, war Barbara Thieme überrascht. „Ich wusste gar nicht, dass dort noch Menschen lebten“, sagt die Potsdamer Fotografin. Denn der Ort in Weißrussland liegt in einer Sperrzone, die nach dem Reaktorunglück im Atomkraftwerk Tschernobyl eingerichtet worden ist. Ljuba stellte ihr Elena und Katja vor – da kannte Thieme fast das halbe Dorf. „Hier haben einmal 1200 Menschen gelebt, jetzt sind es nur noch sieben“, sagt Thieme.

Als die Fotografin, die ursprünglich wegen des Denkmals in die verlassene Gegend 150 Kilometer vom ukrainischen Tschernobyl entfernt gereist war, Ljuba porträtiert hat, sagt diese: „Zeigen Sie das Bild allen und kommen sie dann zurück.“

Barbara Thieme hielt sich daran und reiste ein zweites Mal in die Sperrzone, um die Reste menschlichen Lebens dort zu dokumentieren. Eine Ausstellung mit ihren Bildern wird an diesem Freitag um 19 Uhr in der Alten Feuerwache in Eichwalde eröffnet. „Wir leben, solange Gott es will“ heißt die Schau. Jene wenigen, die noch in Bartolomeevka und zwei anderen Dörfern, die Thieme besuchte, leben, weigerten sich trotz der radioaktiven Strahlung, die Heimat zu verlassen oder sie kehrten voll Heimweh nach Jahren zurück. Dabei gibt es dort weder Strom noch Wasser. „Dafür kommt die Post und auch regelmäßig eine Wahlkommission“, erzählt Thieme.

Die zweite Reise nach Weißrussland führte auch auf die andere Seite des gleichen Schicksals. „Viele Dorfbewohner wurden in andere Regionen des Landes umgesiedelt, wo sie noch heute als Nachbarn in den gleichen Straßenzügen oder Vierteln leben“, sagt Thieme. „Diese Menschen sehen ihre Heimat noch immer in den eigentlich verlassenen Dörfern und kehren einmal im Jahr gemeinsam zurück“, sagt sie.

Der Eichwalder Verein Kind & Kegel steht hinter der Ausstellung und hat ein breites Rahmenprogramm organisiert. Nach der heutigen Vernissage mit der Fotografin lädt der Verein zu russischem Tangotanz und einem Familientheaterstück, sowie am 9. Oktober um 18 Uhr zu einer Lesung mit Merle Hilbk, die eine Reportage über die Region um Tschernobyl verfasst hat.

Die Ausstellung ist bis 23. Oktober in der Alten Feuerwache in der Bahnhofstraße 79, in Eichwalde von Freitag bis Sonntag von 15 bis 17 Uhr zu sehen.

Von Peter Degener

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