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Keine Ruhe über den Gräbern

Pätzer Friedhof Keine Ruhe über den Gräbern

Die alten Gräber auf dem Pätzer Friedhof sind mit Flatterband abgesperrt. Auf den Steinen prangen Aufkleber, die vor Unfallgefahr warnen. Das ärgert die Mitglieder des Heimatvereins, die die Grabsteine vom Gestrüpp befreit, sie wieder zugänglich gemacht und einen Weg angelegt haben. Sie drängen darauf, dass die Steine an ihrem Platz würdevoll gesichert werden.

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Britta Beyer leitet den Pätzer Heimatverein. Der hat die alten Gräber wieder zugänglich gemacht und einen Weg angelegt.

Quelle: Andrea Müller

Pätz. Absperrbänder flattern im Wind um die Gräber. Rote und grüne Aufkleber direkt auf den alten Grabsteinen auf dem Pätzer Friedhof warnen vor Unfallgefahr. Diese hat die Gemeinde Bestensee angebracht.

Flatterband um die alten Gräber

Flatterband um die alten Gräber. Dazu die Aufkleber, die vor der Unfallgefahr warnen. Dieser Zustand des alten Friedhofs in Pätz soll unbedingt verändert werden.

Quelle: Andrea Müller

Das gefällt Britta Beyer nicht. Sie ist vom Heimatverein in Pätz, der sich gerade mit dem historischen Teil des kleinen Friedhofs viel Mühe gegeben hat. „Das war hier alles verwildert“, sagt sie. Von den alten Grabsteinen sei nicht mehr viel zu sehen gewesen. Kein Mensch habe sich um Sicherheit und Unfallgefahr gekümmert. „Wir haben das Gestrüpp beseitigt, die Gräber wieder zugänglich gemacht und einen Weg angelegt“, sagt sie, die schon als Kind hier war mit der Großmutter und zu den Namen auf den alten Steinen eine persönliche Beziehung hat. Es gibt zu jedem eine eigene Geschichte – ein Menschenleben. Deswegen möchten die Mitglieder des Pätzer Heimatvereins, dass die rot-weißen Flatterbänder genauso verschwinden wie die grellen Aufkleber.

Zu der alten Anlage gehören auch die Kindergräber

Zu der alten Anlage gehören auch die Kindergräber. Viele Kinder starben Anfang des 20. Jahrhunderts an Tuberkulose. Ein jedes Grab erzählt eine Tragödie.

Quelle: Andrea Müller

Auch Pfarrer Franziskus Jaumann möchte, dass die Bänder verschwinden und überlegt wird, was dafür getan werden kann. „Ein Grab ist ein Grab“, sagt er. Es sei Mahnung und Erinnerung für uns Lebende und ein Platz der Trauer. „Nach Möglichkeit sollte man bestehen lassen, was ist“, meint Jaumann.

Stehen lassen oder Grabsteine hinlegen

Damit hat er eine andere Meinung als Bestensees Bürgermeister Klaus-Dieter Quasdorf (parteilos). Der möchte zwar auch, dass Aufkleber und Absperrung abgenommen werden können, nur meint er, dass die Grabsteine auch an der Seite der Anlage abgelegt werden können. „Dann kann auch jeder die Inschriften lesen, es wäre nicht so teuer und niemand wird durch wacklige Grabsteine gefährdet“, so Quasdorf. Er möchte auf jeden Fall die Pätzer in ihrem Ansinnen unterstützen. Nur sollten das nicht nur eine handvoll Leute sein, sondern die Mehrheit der Pätzer Bürger.

Warnung vor dem Betreten der Grabstelle

Warnung vor dem Betreten der Grabstelle. Nicht nur Britta Beyer findet, dass diese Absperrung und die Aufkleber eine Respektlosigkeit gegenüber den Toten sind.

Quelle: Andrea Müller

Die Überlegungen um die alten Gräber sind nicht neu. Die ganze Angelegenheit zieht sich schon eine Weile hin. Vergangenen Herbst sollten Kostenvoranschläge von Steinmetzen eingeholt werden, damit die Gemeinde weiß, um wie viel Geld es eigentlich geht. Die Mitglieder des Heimatvereins hatten zuvor schon mit speziellem Steinmetz-Klebstoff versucht, die Grabsteine zu sichern. Bei einem Teil sei das auch gelungen. Nur unterm Strich habe das für deren Absicherung nicht gereicht.

Im Hintergrund die kleine Kapelle – ein Schmuckstück auf dem Pätzer Friedhof

Im Hintergrund die kleine Kapelle – ein Schmuckstück auf dem Pätzer Friedhof. Neben ihr befindet sich eine kleine Mulde, das Grab eines russischen Soldaten.

Quelle: Andrea Müller

Jürgen Ostländer (Plan B) geht davon aus, dass das Vorhaben nicht mehr als 3500 Euro kosten würde. „Bei den großen Bauvorhaben der Gemeinde kann doch die Summe nicht mehr so ins Gewicht fallen“, meint er. Bestensee erweitert in diesem Jahr die Schule und baut in Pätz eine neue Kita mit insgesamt 130 Kita-Plätzen. Die Arbeiten haben bereits begonnen. Für Ostländer sei es besonders wichtig, dass die Bürger mit einbezogen werden in das Geschehen des Ortes. „Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht“, sagt er.

Ordnungsausschuss berät zu der Problematik

Ende Mai wird die Angelegenheit im Ordnungsausschuss der Gemeinde besprochen. Die Sitzung ist am 30. Mai um 19 Uhr im Saal in der Bestenseer Eichhornstraße. Dann wird das Anliegen in weiteren Ausschüssen zur Diskussion vorgelegt.

„Wir hoffen, dass sich die Verantwortlichen für die Sicherung der Grabsteine am originalen Platz entscheiden“, so Beyer. Der Zustand der Anlage jetzt schmerze sie. Nicht nur für sie bedeuten Flatterbänder und Aufkleber Respektlosigkeit gegenüber den Toten.

Von Andrea Müller

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