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Keiner will hinauf aufs Dach

Zimmermann-Ausbildung Keiner will hinauf aufs Dach

Dominic Schulz aus Kallinchen bei Zossen ist fasziniert von seinem Beruf: Zimmermann. Es sei „ein wirklich schöner Beruf“ – und einer mit Zukunft. Dennoch will im Bezirk seiner Handwerkskammer Cottbus sonst fast niemand Zimmermann werden. Die MAZ hat mit Dominic Schulz gesprochen und versucht herauszufinden, woran das liegt.

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Dominic Schulz (20) trägt die Zimmermannskluft mit Stolz. Er will die Tradition seines Berufes pflegen.

Quelle: Johannes Zimmermann

Dahmeland-Fläming. Was er heute macht, wollte er schon immer machen. Dominic Schulz ist einer von wenigen Zimmerer-Lehrlingen, die es in der Region noch gibt sind. Schon sehr früh war ihm klar, was er später machen will. „In der neunten Klasse hatte ich schon mal ein Praktikum in einer Zimmerei gemacht, weil es mir immer schon gefallen hat, handwerklich etwas zu machen“, sagt Schulz. Er ist der Spross einer Metaller-Familie, sein Vater und auch dessen Vater sind Schweißer. Mit Holz habe da keiner etwas zu tun gehabt. Doch der 20-Jährige hat eine Affinität zu dem Werkstoff. „Das hat sich bei mir einfach so entwickelt, weil ich früher schon gerne Sachen aus Holz gebastelt habe. Für Mutti mal eine kleine Blumenbank, kleine Regale und Schränkchen“, berichtet er.

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Nach dem Abitur hat Dominic Schulz die Ausbildung bei der Firma Holzsysteme und Dachbau Guhn in Königs Wusterhausen begonnen. Heute, im dritten Lehrjahr, steht für den zukünftigen Zimmerer-Gesellen fest, dass er seinem Fach treu bleiben wird. „Ich finde, das ist ein wirklich schöner Beruf, genau wie viele andere handwerkliche Berufe. Das sind Berufe mit Zukunft und da werden Fachkräfte gebraucht“, sagt er.

Der Azubi brennt für seinen Beruf

In seinem Ausbildungsbetrieb montiert Schulz Holzbauwände für Häuser oder baut Dachstühle. Morgens um halb sieben in der Firma sein, dann auf die Baustelle fahren und loslegen. Das ist sein Alltag. Und für seinen Beruf brennt Dominic Schulz – dessen Eignung stellt der Laie ohnehin schon an Schulz’ großen, kräftigen Händen fest. „Du machst was und du siehst am Ende des Tages, was du gemacht hast. Mit den Sachen, die du baust, machst du ja andere Leute glücklich“, sagt Schulz. Er wollte sowieso immer einen Beruf an der frischen Luft, ein Bürojob sei dem jungen Mann viel zu monoton.

Seine praktische Grundausbildung bekommt Schulz im Lehrbauhof in Großräschen. Dort lernen die Auszubildenden ihr Handwerk beim Bau von kleinen Dachmodellen. Zu Beginn der Ausbildung kamen zwar Zweifel auf. Kerzengerade und rechtwinklige Schnitte gingen auch Schulz nicht sofort glatt von der Hand. Inzwischen weiß er aber: „Das ist eine Sache der Übung. Es ist ganz normal, dass das nicht jeder von Anfang an kann.“ Man lerne das aber relativ schnell. Er selbst sei sowieso sehr ehrgeizig in seinem Beruf. „Das ist das, was ich immer wollte. Deshalb verfolge ich auch mein Ziel.“ Was man für die Ausbildung mitbringen sollte, sei lediglich ein grundlegendes Verständnis für Mathematik und eine gewisse Höhentauglichkeit. Handwerkliches Geschick sei auch nicht verkehrt, aber Fähigkeiten wie sauberes Schneiden lerne man relativ schnell, berichtet Schulz.

43000 freie Ausbildungsstellen bundesweit

Die Arbeit hat aber auch ihre Tücken – wenn es regnet beispielsweise. Schulz nimmt das aber sportlich. Für ihn sei das kein so großes Problem. Natürlich sei das nicht schön. „Aber mir macht die Arbeit Spaß und wenn mir die Arbeit Spaß macht, dann stört mich das nicht so sehr.“ Außerdem sei ja nicht an jedem Tag schlechtes Wetter, sagt Schulz.

Und dennoch bleiben etliche Ausbildungsstellen frei – 43 000 waren es deutschlandweit im vergangenen Jahr. Im Jahr 2015 waren in den Bezirken der Handwerkskammern Cottbus und Potsdam rund 3600 Auszubildende registriert. 15 Jahre zuvor waren es noch 10 500. Die Kammer in Potsdam verweist auf den Geburtenrückgang sowie die steigende Zahl der Schulabgänger, die ein Studium anstreben. Es handele sich um eine den ganzen Ausbildungsmarkt betreffende Erscheinung, dass die Ausbildungszahlen sinken.

Schulz hat sich einen der inzwischen ganz exotischen Berufe ausgesucht. In seinem Lehrjahr hat er an der Handwerkskammer Cottbus gerade mal vier Mitstreiter. Zu Beginn der Ausbildung waren sie noch zu zehnt. In jedem Fall sind es zu wenige. Angelina Guhn, Juniorchefin bei Holzsysteme und Dachbau Guhn, wäre froh, wenn sie eine Bewerbung im Jahr bekäme. Grund für die ausbleibenden Bewerbungen dürften wohl als widrig angesehene Umstände wie die Arbeit im Freien, bei Wind und Wetter, sein. Es fehle aber auch oft die Motivation, jeden Morgen so früh zur Arbeit zu erscheinen, sagt Angelina Guhn aus Erfahrung. Im Betrieb seien außer Schulz bereits vier andere Lehrlinge ausgebildet worden, nicht alle hätten es geschafft. Es sei auch einfach ein Knochenjob, die Arbeit sei körperlich anstrengend und die Tage dauerten lang.

Gesellenprüfung steht im Sommer an

Dominic Schulz aber bleibt motiviert. „Man braucht einen Beruf, der einem Spaß macht. Irgendjemand hat mal zu mir gesagt, wenn ich einen Beruf habe, den ich gerne mache, dann brauche ich nie wieder zu arbeiten. Und genau so ist es“, sagt Dominic Schulz. Von seinem Zuhause in Kallinchen, das sich der Lehrling im elterlichen Haus seit Beginn der Ausbildung selbst baulich hergerichtet hat, fährt er seit zweieinhalb Jahren regelmäßig die 100 Kilometer nach Großräschen, oder in die Berufsschule nach Cottbus. Das macht inklusive Rückfahrt 200 Kilometer. Für Dominic Schulz ist das eine Investition in die Zukunft, denn er ist sich des Bedarfs an Zimmerern durchaus bewusst. Gebaut werde immer und in der Branche habe man wirklich Zukunft, sagt er.

Im Sommer will Dominic Schulz seine Gesellenprüfung ablegen. Dabei wird er einen Plan für den Bau eines Modelldachstuhls vorgelegt bekommen, einige Maße ausrechnen und dann das Modell bauen müssen. Wenn er das geschafft hat, will der 20-jährige erst einmal ein paar Jahre Berufserfahrung sammeln. „Aber ich will jetzt auch nicht ewig Geselle bleiben“, sagt Schulz. Die Meisterprüfung steht schon auf seiner Agenda. Und da steht sie nicht alleine. Es sei schon immer sein Traum gewesen, sich irgendwann selbstständig zu machen, sagt Schulz.

Zumindest einen Teil seines Traums hat Dominic Schulz jetzt schon verwirklicht. Er hat sich in die traditionelle Kluft geschmissen und fühlt sich sichtlich wohl darin. Er trägt das weiße Hemd und die schwarze Zunfthose mit Stolz. „Zimmermann ist ein Beruf, der Tradition hat. Ich finde es gut, diese Tradition weiterzuführen“, sagt Dominic Schulz.

Von Johannes Zimmermann

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