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Dahme-Spreewald Kinder sind willkommen
Lokales Dahme-Spreewald Kinder sind willkommen
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04:35 20.05.2016
Auf dem Campingplatz Kiessee in Bestensee sind Kinder willkommen. Für sie gibt es am Strand einen Spielplatz mit Boot und Krokodil. Quelle: Gerlinde Irmscher
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Dahmeland-Fläming

Die Campingsaison hat gerade erst begonnen, da sorgt eine restriktive Platzpolitik aus dem Brandenburger Landkreis Oberhavel unter Campern in ganz Deutschland immer noch für Furore. Auf einem neuen Campingplatz am großen Wentowsee in der Nähe von Gransee will die Betreiberin ihren vom Alltag gestressten Urlaubern Ruhe verschaffen – deswegen sind Kinder unter 14 Jahren dort nicht erwünscht.

Was für Betreiberin Christiane Erdmann eine geniale Geschäftsidee ist, rief schon die Antidiskriminierungsstelle des Bundes auf den Plan. Auch Camper und Campingplatzbetreiber in der Region Dahmeland-Fläming sehen das Geschäftsmodell kritisch. Bis auf wenige Ausnahmen gibt es kein Verständnis dafür. Für sich selbst lehnen alle Mitarbeiter und Betreiber der zehn von der MAZ befragten Campingplätze aus den Landkreisen Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming die Praxis ab.

Mittagsruhe auch auf Spielplätzen

Paul Düring, Eigentümer des Campingplatzes „Am Tonsee“ in Groß Köris, empfindet das geplante Kinderverbot geradezu als Unverschämtheit. Das Geschäftsmodell der Campingplatzbetreiberin aus Oberhavel kann er überhaupt nicht nachvollziehen. „Man müsste ihr die Lizenz entziehen!“, sagt er entschlossen. Auf seinen 200 Stellplätzen in Groß Köris, darunter 130 für Dauercamper und 70 für Touristen, campen viele Eltern und Großeltern mit kleinen Kindern.

Nur zur Mittagsruhe zwischen 13 und 15 Uhr sei das Spielen auf dem Spielplatz untersagt. So hält es die Mehrheit der Campingplätze in der Region. Auch wenn das nicht immer eingehalten wird: Ernsthafte Probleme wegen Ruhestörung habe es auf Dürings Platz noch nicht gegeben. Und wenn sich doch einmal jemand beschwert, frage Paul Düring ihn nur schnippisch: „Und wer soll deine Rente einmal zahlen?“

Camper können Kinder-Verbot nicht verstehen

So wie Paul Düring denken die meisten Campingplatzbetreiber. „Wer keine Kinder auf dem Platz haben will, kann direkt ins Altersheim gehen“, sagt etwa Manfred Herrmann, Platzwart vom Campingplatz Bestensee. Er habe auch mit seinen Dauercampern über die Nachricht aus Oberhavel diskutiert – keiner habe das verstehen können. Dem schließt sich Andreas Polster, Platzwart von Camp Dobbrikow in Nuthe-Urstromtal an. „Mit Kindern ist doch wenigstens Leben da“, sagt er. „Spielende Kinder machen die schöne Atmosphäre auf einem Campingplatz doch erst aus.“ Wenn sich der eine oder andere Camper zu sehr gestört fühlt, sage er den Kindern einfach Bescheid. „Man kann ja mit ihnen sprechen, die meisten sind gut erzogen.“

Der 77 Jahre alte Dauercamper Berthold Tschorn hat ebenfalls keine Probleme mit lauten Kindern. Er ist seit mehr als 30 Jahren Dauercamper auf dem Platz „D66“ in Heidesee, seine Kinder und Enkelkinder sind auf dem Platz quasi aufgewachsen. „Mit einem Verbot wäre ich gar nicht einverstanden“, sagt er. „Man muss doch den Familienzusammenhalt fördern.“ Er selbst freut sich über die jüngsten Gäste auf dem Platz. Auch wenn hin und wieder mal ein Fußball gegen den Wohnwagen fliegt, bleibe er gelassen. Am Wochenende hat er selbst seinen knapp fünfjährigen Urenkel mitgebracht. „Von dem waren alle meine Nachbarn verzückt“, erzählt er. Keine Spur von Missmut wegen Ruhestörung.

Gelegentlich Beschwerden über Spielkrach

Auch wenn es für ihn selbst nicht in Frage kommt: Campingplatzbetreiber Roberto Heß vom Campingdomizil Körbiskrug in Königs Wusterhausen kann das Konzept von der Betreiberin aus Oberhavel zumindest aus betriebswirtschaftlicher Sicht verstehen. „Es ist eine rein unternehmerische Entscheidung, die jeder für sich treffen muss“, sagt er. Und Heß fügt hinzu: „In Brandenburg gibt es etwa 180 Campingplätze – das Land geht nicht davon unter, wenn einer keine Kinder aufnimmt.“

Heß selbst deklariert seinen Platz als ausgewiesenen Familiencampingplatz – mit Gästen von sechs Monaten bis 88 Jahren. Hin und wieder gehe bei ihm eine Beschwerde über Spielkrach ein, dann erkläre er seinen Gästen ganz sachlich, dass das zum Lebensalltag dazugehört. Die empfindlicheren Senioren unter den Dauercampern hätten eine eigene Lösung für solche Probleme gefunden. „Sie sind unter der Woche hier und fahren am Wochenende heim“, sagt Heß. „Dann, wenn die Kinder kommen.“

Geschäftsidee hat auch positive Seiten

Auch Martina Christ, die auf dem Campingplatz am Mahlower See arbeitet, sieht etwas Positives in der Geschäftsidee: So wisse jeder von vornherein, woran er ist. „Ich kann es verstehen, wenn jemand von spielenden Kindern genervt ist“, sagt sie. Es sei vor allem für die Eltern selbst gut zu wissen, dass sie auf einen Platz gehen können, an dem sie nicht stören. „Man ist total angespannt, wenn man weiß, dass die Kinder andere nerven.“ An ihrem Arbeitsplatz sind Kinder und Hunde herzlich willkommen – das sei auch von allen Gästen gut akzeptiert.

Und Andrea Voltz, Betreiberin vom Campingplatz „Zesch am See“ in Zossen freut sich sogar über das Verbot in Oberhavel. „Dann kommen mehr Kinder zu uns auf den Platz“, sagt sie. „Wenn sich hier jemand darüber beschwert, kann er ja selbst gehen.“ Sie und ihr Mann haben einen der beiden Spielplätze sogar in die Mitte des Platzes verlegen lassen. Da gab es zwar einige Diskussionen mit Campern, doch die Betreiber hielten dagegen. So wie sie Kinder in der Mitte der Gesellschaft sehen, wollen sie sie auch in der Mitte des Platzes sehen.

Wenn Andrea Voltz bemerkt, dass Eltern ihre Kinder zur Ruhe ermahnen, ermahnt sie die Eltern: „Wo sollen sie denn mal frei herumschreien, wenn nicht bei uns in der Natur?“ Die Erwachsenen würden ja auch keine Rücksicht nehmen, wenn sie bis spät in die Nacht feiern.

Von Anja Meyer

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